Vortrefflich gelang die Aufführung des Brahms-Requiems durch den Dorfener Kirchenchor mit Leiter Ernst Bartmann. Foto: prä

Oratorium in der Pfarrkirche Dorfen

Der „Wahnsinn“ wird zum Erfolg

Dorfen – Vortrefflich zu Gehör brachte Dorfens Kirchenchor Brahms Requiem op. 45., eines der bedeutendsten Schlüsselwerke der Oratoriengeschichte im 19. Jahrhundert.

„Eigentlich ein Wahnsinn, dass ein Laienchor das sehr, sehr anspruchsvolle Werk des deutschen Komponisten aufführt“, sagte der Dorfener Komponist, Dirigent und Chorleiter Ernst Bartmann sehr zufrieden nach dem Konzert unserer Zeitung.

Der Kirchenchor, einer der traditionsreichsten Chöre der Isenstadt, wagte sich unter der Leitung von Bartmann dennoch an das Requiem für Chor, Sopran (Petra Bartmann), Bariton (Martin Ulrich) und Orchester. Bartmann probte mit dem Chor intensiv dafür und fand eine Fassung für Kammerorchester von Joachim Linckelmann (2010).

Brahms hat in seiner Totenmesse Texte aus dem Alten und Neuen Testament in insgesamt sieben Nummern zusammengestellt, in deren Zentrum der trauernde, Leid tragende Mensch steht, der Trost und Zuversicht finden soll. Der Kirchenchor, die Solisten und das Kammerorchester haben genau das in der Wallfahrtkirche Maria Dorfen als herrliche Bühne mit vorzüglicher Akustik glänzend vermittelt. Bartmann führte den Kirchenchor mit sprühender Leidenschaft, gestenreich und so dynamisch, dass man gelegentlich fürchten musste, er kippt vom kleinen Dirigentenpult. Seine Inspiration erfasste die rund 250 Zuhörer ebenso, wie seine 60 Sängerinnen und Sänger, die Solisten und das professionelle Kammerorchester, die der Chormeister über alle Schwierigkeiten hinweg führte. Im Gesangsbild stimmten die Balance, die Dynamik und auch das organische Laut und Leise.

Mit einer düsteren Orchestereinleitung begann das Requiem, gefolgt von einer gesanglichen und musikalischen Vielfalt mit einem düsteren, choralartigen Totentanz, einer gewaltigen Fuge im dritten Satz. Kurz vor Schluss entfaltete der Chor im sechsten Satz oratorische Größe mit der gigantischen Schussfuge. Der letzte Satz lehnt sich wieder an den ersten Teil an und bildet den Zusammenhang der zyklischen Form. Die Seligpreisung der Leidtragenden und die der Toten werden vereint und vollenden den Kreislauf von Leben und Tod, Leid und Trost.

Aktueller denn je ist das Werk in einer Zeit, wo täglich weltweit Unchristliches, Leidvolles, Unmenschliches, Grausames geschieht und doch gelegentlich von Barmherzigkeit zu hören ist. Der Kirchenchor gab nach wunderbaren 70 Minuten den Zuhörern ein Stück Zuversicht und Hoffnung mit nach Hause.  

prä

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