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Wanderin und Geiß haben nichts zu meckern

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Von: Alexandra Anderka

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Herzlich empfangen wurden Tanja Hertel (r.) und Loki von den Kleinen im Kindergarten Hohenpolding. „Hallo und Konfetti“ in Lain Bad für Tanja, Pause für Loki
Herzlich empfangen wurden Tanja Hertel (r.) und Loki von den Kleinen im Kindergarten Hohenpolding. © privat

Tanja Hertel aus Dorfen ist vor einer Woche zu ihrer Spendenwanderung mit Ziege Loki aufgebrochen. Sie sammelt Spenden für Ärzte ohne Grenzen und ist beeindruckt von der Großzügigkeit im Landkreis Erding.

Dorfen – „Ich kann es gar nicht glauben, die Leute bleiben mit ihrem Auto stehen oder laufen mir nach, um mir Spenden zuzustecken. Das hätte ich nie für möglich gehalten“, freut sich Tanja Hertel, die mit Ziege Loki seit Montag unterwegs ist. Sie hat sich von Zeil bei Buchbach zu diesem vierwöchigen Spendenlauf für „Ärzte ohne Grenzen“ aufgemacht, weil sie als Leiterin der Kinderinsel in Pretzen über eine afrikanische Familie hautnah auf die Nöte auf anderen Kontinenten aufmerksam wurde (wir berichteten).

„Loki und ich sind eine Attraktion, überall werden wir freundlich aufgenommen“, erzählt die 50-jährige Dorfenerin. Das erste „Hallo und Konfetti“ gab es am Montag auf dem Campingplatz am Loaner Weiher. „Die Leute hatten in der Zeitung von uns gelesen und haben uns schon erwartet.“ Die Übernachtung auf dem Campingplatz war kostenlos, die Gespräche am Abend unterhaltsam und ein Bub habe einen Euro, „sein Taschengeld“, gespendet. „Das fand ich sehr rührend“, sagt Hertel.

Die Nacht im Zelt sei anstrengend gewesen, ebenso wie die auf Freitag beim Kiosk am Thenner Weiher. „Zelt geht nicht, das habe ich jetzt für mich beschlossen“, sagt die Ziegen-Freundin nach der ersten Woche. Geißen sind Herdentiere, Loki habe Hertel als seine Gefährtin akzeptiert. Deshalb wolle er nicht alleine draußen schlafen. „Da hat er Angst.“

Die Dorfenerin ist dennoch frohen Mutes, hat sie doch schon so gute Erfahrungen im Landkreis mit Unterkünften gemacht. Ihr Highlight war am zweiten Tag die Übernachtung in einem Pferdestall beim „Bauern Joki“ in Maierhof bei Hohenpolding. Sie war unterhalb des Hofes unterwegs, ziemlich durstig und erschöpft, als eine Stimme von oben rief: „Halt mal an. Das ist ja der Loki!“

Schnell war die Übernachtung im Pferdestall klargemacht. Wanderin und Geiß wurden mit Wasser und Essen versorgt und Bauer „Joki“ erzählte noch Gute-Nacht-Geschichten aus vergangenen Zeiten.

Frisch gestärkt machten sich die beiden am nächsten Morgen auf Richtung Hohenpolding, wo die beiden Bürgermeister Alfons Beilhack über den Weg liefen, der mit seinem Hund Gassi ging. Auch der wusste schon über die beiden Bescheid, lud sie zum Kaffee zu sich nach Hause ein, bedachte Hertel mit einer „großzügigen Spende“ und wünschte sich, dass das Wander-Duo noch im Kindergarten von Hohenpolding Halt macht, was besonders die Kleinen dort sehr freute.

Durch Niederstraubing wollte Hertel eigentlich nur „durchziehen“, aber es kam anders. Loki machte mitten auf der Hauptstraße schlapp. Er weigerte sich, auch nur einen Schritt weiterzugehen und meckerte vor sich hin. Das wiederum hörten die Familien im angrenzenden Wohngebiet. Jung und Alt kam angelaufen, fotografierte und streichelte Loki. Es gab frisches Wasser für die Ziege und eine Dusche für die Spendensammlerin. „Unglaublich, die haben mir einfach ihr Bad angeboten.“ Eine Familie wusste dann auch einen Schlafplatz. Im zwei Kilometer entfernten Hainberg kamen die beiden auf dem Jell-Hof im Gartenhaus unter. „Das war sehr komfortabel.“

Für den nächsten Tag hatte sich Hertel den Thenner Weiher vorgenommen. „Ich wollte unbedingt in einen See springen.“ Obwohl die beiden die elf Kilometer nur langsam vorankamen – „ich glaube, ich habe meine Geschichte in diesen fünf Tagen schon hundert Mal erzählt“ – ist der Plan dieses Mal aufgegangen. Abends gab es ein kühles Bad für die Ziegen-Führerin.

Mittlerweile hatte Hertel schon so viele Spenden zugesteckt bekommen, dass ihr Mann am Abend zum Thenner Weiher fuhr, um diese abzuholen. „Unglaublich, dass mir die Leute so vertrauen“, sagt sie überglücklich. Zur Belohnung für den erfolgreichen Start, war gestern für Loki ein „Chill-Tag“ angesagt.

Spendenaktion:

Wer auch helfen möchte, nimmt die beiden auf ihrer Spenden-Wanderung auf oder spendet an Ärzte ohne Grenzen unter www.aerzte-ohne-grenzen.de oder direkt auf das Konto DE72 3702 0500 0009 7097 00 mit dem Betreff Ziegenwanderung. Auf Facebook kann man die Reise von den beiden unter „Restoration of Balance“ verfolgen.

„Hallo und Konfetti“ in Lain

Bad für Tanja, Pause für Loki

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