Verfallener Kaufhausglanz: Thomas Brunner, Florian Biersack, Franz Hofstetter, Georg Scharl sowie Gisela van der Heijden und Sybille Müller vom BRK besichtigten die künftige Baustelle.
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Verfallener Kaufhausglanz: Thomas Brunner, Florian Biersack, Franz Hofstetter, Georg Scharl sowie Gisela van der Heijden und Sybille Müller vom BRK besichtigten die künftige Baustelle.

Verzögerung wegen Denkmalschutz

Warten aufs Dorfener Haus der Gesundheit

  • VonTimo Aichele
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Wegen Denkmalschutzfragen liegt für den Umbau des ehemaligen Kaufhauses Schmederer in ein Haus der Gesundheit immer noch keine Baugenehmigung vor. Das Problem für Dorfen: Durch die Verzögerung werden die Bauarbeiten wohl gleichzeitig mit B 15-Brückenbau stattfinden.

Dorfen – Modernisierung statt Leerstand, Gesundheitsvorsorge plus sozialer Treffpunkt statt neuer Handyshops, all das mitten in der Innenstadt – auf den Umbau des ehemaligen Schmederer-Kaufhauses in ein Gesundheitshaus sind schon einige Dorfener gespannt. Doch das Projekt stockt. Bauträger Georg Scharl ist frustriert. „Wir haben einen euphorischen Stadtratsbeschluss“, sagt der Dorfener über die Zustimmung des Bauausschusses im Oktober. Und dennoch liege noch keine Baugenehmigung vor. Es hake am Denkmalschutz – zumindest im Verfahren, inhaltlich habe man bereits alle Probleme ausgeräumt, versichern Scharl und Bauingenieur Thomas Brunner.

Ein Ziel sei es gewesen, mit den größten Bauarbeiten fertig zu sein, bevor die Zeit des Verkehrsinfarkts in Dorfen beginnt – nämlich dann, wenn aufgrund des Abrisses und des Neubaus der B 15-Isenbrücke Umleitungen und Staus den Verkehr in der Stadt prägen werden – voraussichtlich nächstes Jahr. „Das können wir jetzt aber vergessen“, klagt Scharl. „Jetzt sind wir mindestens ein Jahr später dran als geplant.“ Der Planer rechnet mit einer Bauzeit von ungefähr zwei Jahren. Wenn also nun schnell die Genehmigung komme, sei der Einzug im Frühjahr 2023 denkbar.

Das Landesamt für Denkmalpflege habe sehr viele Details hinterfragt, berichtet Bauingenieur Brunner. Themen seien zum Beispiel Putz, Dacheindeckung, Anschlusspunkte an den Fassaden zwischen dem Schmederer Haus und dem Wesner Tor gewesen sowie auf der anderen Seite die Sichtachse zum historischen Tor. Auch personelle Probleme in der Behörde hätten den Prozess verzögert, erklärt der Planer. „Momentan sind wir beim Denkmalschutz in einem Vakuum.“

Das Kaufhaus Schmederer hat es bis in die 1980er Jahre gegeben, bis Ende 2018 hatte das Gewandhaus Gruber dort ein Outlet betrieben. Das Projekt diene in großem Maße der Allgemeinheit, betont Bauunternehmer Scharl. Die geplanten Nutzungen mit Tagespflege, Arztpraxis, integrativen Café und Betreutem Wohnen mitten in der Stadt sowie die Fußgängerpassage quer durchs Gebäude seien anspruchsvolle und nicht unbedingt die renditestärksten Nutzungen.

Gefährlich eng ist der Durchgang. Der Anbau westlich des Tors (links) wird abgerissen. 

„Wir bauen einen Durchgang für die Dorfener Bevölkerung“, erklärt Scharl. Auf diesen Punkt hatte vor allem die Stadt gepocht. Denn das Wesner Tor ist für Fußgänger und Radler gefährlich eng. Zu diesen Zweck ist eine etwa 30 Meter lange Passage schräg durch das Haus geplant. Der Durchgang soll am Kirchtorplatz etwa an der jetzigen Eingangstür des früheren Kaufhauses beginnen und auf der anderen Seite an der Ecke Herzoggraben enden.

Dort wird der flache Anbau abgerissen. Der neue Trakt beherbergt das inklusive Tagescafé samt einer Dachterrasse. Im Vergleich zum jetzigen Umriss springt die künftige Hauswand etwas zurück, sodass für Fußgänger mehr Platz am Passagenausgang entsteht.

Scharl ärgert sich besonders über die Haltung des Denkmalschutzes zu diesem westlichen Anbau. Da sei zwischenzeitlich erklärt worden, „dass diese Bausünde aus den 50er Jahren als solche erhalten werden“ müsse. Bei all diesen Querelen betont Brunner allerdings: „Mit der Stadt und dem Landratsamt haben wir eine überragende Zusammenarbeit.“

Nicht einmal mit Vorarbeiten könne man beginnen. „Wir brauchen ja für alles eine Baugenehmigung“, sagt der Bauträger. Das gelte auch auch für eine Verlegung des öffentlichen Abwasserkanals am Herzoggraben. Die Leitung verläuft teilweise unter dem jetzigen Gebäude.

Alle Beteiligten hoffen nun auf eine baldige Baugenehmigung, vielleicht schon im Juli. „Dann wird es Herbst, bis wir richtig anfangen können“, er läutert der Bauträger. Schließlich könne auch dann erst die Beauftragung von Firmen erfolgen. Weitere Verzögerungen würden den Beteiligten allerdings große Bauchschmerzen bereiten.

Die östliche Fassade des ehemaligen Kaufhauses am Kirchtorplatz bleibt erhalten.

„Ich kann ja nicht bei jeder Witterung arbeiten“, verdeutlicht Ingenieur Florian Biersack. Wenn der Winter einbricht , bevor bestimmte Gewerke erledigt sind, habe man dann nicht einen Monat Verzögerung, sondern gleich ein halbes Jahr.

Das Projekt ist aufwendig. „Wir entkernen innen komplett. Und dann wird in die alte Hülle ein neuer Kern eingebaut“, erklärt Biersack. Damit wird die Anforderung des Denkmalschutzes erfüllt, die alte Kaufhausfassade zu erhalten. Die Bauarbeiten im Inneren würden dann mit einem Innengerüst gesichert.

„Ich verstehe den Ärger“, sagt Vize-Landrat und BRK-Kreisvorsitzender Franz Hofstetter. „Für uns als BRK freut es mich, dass wir die Möglichkeit bekommen, hier mit unserem Angebot einziehen zu dürfen“, sagt der frühere Bürgermeister der Nachbargemeinde Taufkirchen. Und auch für die Stadt sei es ja eine Riesenchance: „Es ist einfach wichtig, dass eine solche Einrichtung in die Innenstadt kommt. Und es gibt wahrscheinlich lukrativere Mieter als uns“, würdigt er das Engagement Scharls.

Wenn alles fertig ist, wird das BRK mit einer Tagespflege für 20 Tagesgäste und einem inklusiven Café einziehen. Dazu kommen Praxen für Allgemeinmedizin und Ergotherapie, ein Schuh-Orthopädie-Betrieb sowie Betreutes Wohnen mit fünf Wohnungen. Ältere Menschen könnten hier zunächst einfach nur leben und erst dann Betreuungsangebote dazubuchen, wenn es nötig wird, erläutert BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden. Das Angebot werde von psychosozialer Betreuung bis zur Pflege reichen.

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