Bahnausbau 

Wasentegernbach als viergeteiltes Dorf

Was für Berlin einst die Mauer war, droht jetzt Wasentegernbach: die Teilung. Eine Monsterbrücke und meterhohe Lärmschutzwände könnten das Dorf im Zuge des zweigleisigen Bahnausbaus zerschneiden. Die Bürger gehen auf die Barrikaden. Der Landkreis soll helfen.

Von Hermann Weingartner

Wasentegernbach – Ganz Wasentegernbach ist in großer Sorge. Die Bürger kämpfen dort im Zuge der geplanten Beseitigung des Bahnübergangs für eine städtebaulich verträgliche Lösung anstatt einer „Wahnsinnsbrücke“ und meterhoher Lärmschutzwände. Dazu gab es jetzt eine vierte Bürgerversammlung des Landkreises im Wagner-Wirt. Über 70 Dorfbewohner und Mitglieder aller Dorfener Stadtratsfraktionen sowie Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) waren sich einig, dass die von der DB Netze vorgestellte „Vorzugsvariante“ keinesfalls kommen darf. „Sonst ist das Dorf tot“, befürchtete nicht nur der frühere Wasentegernbacher Stadtrat Franz Bauer.

Die DB Netze wollen in Wasentegernbach am Ausbau der Bahnstrecke ABS 38 weiterplanen. Dort müsse der Bahnübergang an der ED 25 kreuzungsfrei gemacht werden, erklärten Gesamtprojektleiter Klaus-Peter Zellmer und Teilprojektleiter Markus Baumann vom Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn.

Die Kosten dafür werden laut Eisenbahnkreuzungsgesetz zu je einem Drittel auf Bahn, Bund und Straßenbaulastträger aufgeteilt. Für die Straße ist der Landkreis zuständig und Kostenträger. Zellmer machte klar, der Bund als Planungsauftraggeber zahle letztlich nur die Kosten der technisch-wirtschaftlich günstigsten Lösung. Alles, was danach teurer sei, „muss ein Dritter zahlen“.

Baumann stellte die vier verbliebenen Varianten vor. Die Vorzugsvariante sei „Kosten-Basis“ für alle anderen Lösungen: Diese Variante 5 ist eine Straßenüberführung mit einer bis zu sieben Meter hohen Brücke, einer Anwohnerstraße und ohne Gleisabsenkung. Kosten: rund 6,5 Millionen Euro.

Variante 1 ist eine Eisenbahnüberführung die man als unrealistisch nicht weiter diskutierte. Variante 6 ist ein kurzer Trog mit bis zu drei Metern Gleisabsenkung und einer bis zu vier Meter hohen Straßenüberführung. Kosten: 11,5 Millionen Euro. Und Variante 7 sieht einen Trog mit Gleisabsenkung bis 4,5 Meter und eine bis 2,5 Meter hohe Straßenüberführung vor. Kosten: 14,5 Millionen Euro.

Baumann rechnete vor, dass auf den Landkreis als Kreuzungspartner neben den zwei Millionen Euro für die Vorzugsvariante bei allen anderen Lösungen weitere Kosten zukämen: für die tiefe Troglösung wären das 30 Millionen Euro, bei Variante 6 rund 7,5 Millionen und bei Variante 7 etwa 10,5 Millionen Euro.

Bei der Veranstaltung wurde scharf kritisiert, dass die Planer nur Draufsichten der Lösungen und keine Planschnitte zeigten. Dann hätte das Publikum gesehen, dass bei der Lieblingsvariante der Bahn das Brückengeländer an der bis sieben Meter hoch aufgestelzten ED 25 beim Bitzer-Anwesen (EG + OG und Dachgeschoss) auf Höhe des Dachfirstes verläuft, sagte Bauer. „Krass“, meinte Gerhard Mayer. Am besten wäre ohnehin ein Trog, war die Meinung unter den Wasentegernbachern. Der sei aber realistisch gesehen „unwahrscheinlich“, sagte Bauer.

Heilmaier animiert Bürger zum Protest

Einmütig gefordert wurde aber „mindestens die Variante 7“. Das sei ein Jahrhundertprojekt. „Mit der Basisvariante würde das Dorf Wasentegernbach gevierteilt“ und sei „zum Sterben verurteilt“. Das dürfe der Landkreis nicht zulassen und müsse daher die weiteren Millionen Euro extra bereitstellen.

Auch Dorfens Stadtchef Grundner forderte für Wasentegernbach eine städtebaulich verträgliche Lösung. Er werde für „eine der Troglösungen“ im Kreisausschuss kämpfen. Stadtrat Martin Heilmeier (LDW) forderte alle Wasentegernbacher auf, am Montag nach Isen zur Kreisausschusssitzung zu kommen und für eine Troglösung zu demonstrieren.

Matthias Huber vom Liegenschaftsmanagement im Landratsamt, sagte, er habe die Forderung nach einer der Troglösungen „als Stimmung der Dorfbewohner“ aufgenommen und werde am Montag im Kreisausschuss für Struktur, Verkehr und Umwelt dazu berichten. Landrat Martin Bayerstorfer war nicht zu der Versammlung gekommen. Das nahmen ihm viele Wasentegernbacher übel.

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