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Eng, kurvig, ohne Geh- und Radwege: Die Staatsstraße 2086 ist für die Flüchtlinge in Lindum eine gefährliche Fußstrecke.

Asylunterkunft Lindum

Warnwesten als einziger Schutz

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Der Weg von Lindum nach Dorfen ist besonders im Dunkeln sehr gefährlich.

Dorfen– Freitag, 17 Uhr. Die Wintersonne ist schon fast verschwunden, dazu noch etwas Nebel – spätestens bei solchen Verhältnissen wird es für Fußgänger und Radfahrer ziemlich gefährlich an der Staatsstraße 2086 zwischen Dorfen und Isen. Doch gerade diese enge und kurvige Straße ohne Gehweg und Beleuchtung ist die Hausstrecke für rund 70 Menschen, die oft ohne Auto nach Dorfen müssen: die Flüchtlinge in der Unterkunft im ehemaligen Gasthaus Stiller in Lindum. Mit gelegentlichen Fahrdiensten und nun auch Sicherheitswesten versucht die Flüchtlinghilfe Dorfen, das Risiko für ihre Schützlinge zu mindern. Doch nur eines würde wirklich helfen: eine bessere Busverbindung.

„Bis jetzt ist nichts Schlimmeres passiert – eigentlich ein Wunder“, sagt Anton Empl von der Flüchtlingshilfe. Der pensionierte Lehrer (67) ist die Strecke schon oft mit seinem Bus hin- und hergefahren – darin Mamas mit Kinderwagen, Familien mit Einkäufen, Jugendliche, die einfach in die Stadt wollen.

„Durch die A 94 ist es zwar a bisserl weniger Verkehr geworden. Trotzdem ist es eine risikoreiche Straße“, sagt Franz Leutner, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe. „Wir sagen von Anfang an: Da gehört eine vernünftige Verkehrsverbindung her“, sagt der Sozialpädagoge im Ruhestand. Er habe mit Bürgermeister Heinz Grundner immer wieder darüber gesprochen.

„Es ist aber so, dass sich keine Behörde dafür zuständig fühlt“, berichtet der 68-Jährige. Das Landratsamt lehne jede Verantwortung ab, weil sie die Unterkunft ja an die Regierung von Oberbayern übergeben habe. An diese verweise auch die Stadt. Die Regierung erkläre wiederum, dass der Verkehr nicht in ihre Verantwortlichkeit falle.

Daher hat die Flüchtlingshilfe nun neonfarbene Sicherheitswesten verteilt und die Beleuchtung aller Fahrräder überprüft. „Aber eigentlich müssten’s die Behörden regeln“, sagt Leutner.

Anfang September hatte er ein Gespräch mit Regierungspräsidentin Maria Els – auch über die Belegung der früheren Ausflugsgaststätte. Hinweise, dass die bis zu 110 Plätze in der Unterkunft ausgeschöpft werden sollen, hatten die Helfer aufgeschreckt. Aktuell leben laut Leutner 70 Geflüchtete in Lindum. Nach dem Treffen mit Els habe er eine schriftliche Zusage bekommen, „dass die Zahl von 70 nur im Notfall überschritten werden soll“. So sei die Situation „relativ moderat“.

Leutner hat ein Verkehrskonzept für Lindum verfasst und an die Regierung sowie Stadt geschickt. Darin fordert die Flüchtlingshilfe vor allem Nachmittagsbusverbindungen sowie Fahrten an Wochenenden und in den Ferien. An Werktagen fährt immerhin der Bus 83 der Firma Kalb um 8.44 Uhr nach Dorfen. Ein solcher Einkaufsbus solle auch an den Samstagen eingerichtet werden, findet die Flüchtlingshilfe.

Ein Problem ist vor allem der Ferienmonat August: Alle Busverbindungen sind eingestellt, auch der Kindergartenbesuch ist deshalb unmöglich. Das sei „äußerst unglücklich, da Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft einen unbestreitbar hohen Bedarf an Förderung, Bildung und sozialer Einbindung haben“, erklärt Leutner. „Eine Kindergartenleiterin hat mir erzählt: Nach den Ferien können wir mit den Kindern immer wieder von vorn anfangen.“ Die Mädchen und Buben „gehören in die Gemeinde rein“, sagt Leutner. Sonst gelinge die Integration nicht. „Wenn wir diese Kinder – von denen ganz viele dauerhaft hier bleiben werden – nicht integrieren, schaffen wir uns massive Probleme.“

Zudem wurde die MVV-Haltestelle Lappach von Rutzmoos an die neue Straße nach Oberdorfen verlegt. Die Linie 565 Dorfen-Erding wird hier hauptsächlich von den Bewohnern der Unterkunft Lindum genutzt. Sie haben nun einen weiteren und gefährlicheren Fußweg. „Wir schlagen vor, beim MVV auf eine Verlegung der Haltestelle hinzuwirken und zwar am besten unter die Autobahnbrücke von Lindum“, sagt Leutner. „Der Schulbus macht einen Schlenker bis unter die Autobahnbrücke. Das ist ideal, da können die Kinder auch ihre Radl hinstellen“, ergänzt Empl.

Erst einmal müssen die Warnwesten reichen. Georg Schwaiger, Rosa Krämer und Josef Kronseder haben 50 verteilt und die Fahrradlampen überprüft. Diese neongelben Westen müssen die Flüchtlinge, die meisten von ihnen kommen aus Nigeria, nun auch überziehen. Da haben die Helfer bei ersten Verteilaktionen auch nicht die besten Erfahrungen gemacht.

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