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Die Kleidertauschparty ist eine sehr beliebte Veranstaltung der Agenda-Gruppe.

20 Jahre Agenda 21

Weil Dorfen nicht alleine auf der Welt ist

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Anfangs wurden sie als Exoten gesehen, die ersten Aktivistinnen der Agenda 21-Gruppe Dorfen. Vor 20 Jahren wurden unter dem Motto „Dorfen und die weite Welt“ faire Lebensstile für eine gerechte Welt propagiert. Doch was hat die Gruppe wirklich bewegt? Eine Rückschau.

Dorfen – 1997 hat der Dorfener Stadtrat beschlossen, der Agenda 21 beizutreten. Dies ist ein umwelt- und entwicklungspolitisches Aktionsprogramm, dass 1992 bei der UN-Konferenz in Rio de Janeiro verabschiedet wurde. Grundlegende Erkenntnis daraus: Die unveränderte Fortführung der westlichen Lebens- und Wirtschaftsweise würde die ökologische Belastbarkeit der Erde sprengen. Dass sich das Dorfener Stadtparlament mit diesem Thema überhaupt beschäftigt hat, dafür sorgte Grünen-Stadträtin Dorette Sprengel. Zusammen mit ihrer Parteikollegin Hanna Ermann und Ruth Kramler sorgten sie dafür, das in Dorfen ein wenig Weltpolitik gemacht wurde. Die Kernaussage der Agenda-Frauen: Leben solle immer auch mit Blick auf die anderen stattfinden. Anders gesagt: Der Wohlstand im Westen fußt auf der Armut in der Dritten Welt. In Dorfen hat die heute etwa 40 Frauen und Männer umfassende Gruppe in den 20 Jahren ihres Bestehens mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen für Aufmerksamkeit gesorgt und dazu beigetragen, das Leben auf lokaler Ebene ein Stück nachhaltiger zu machen. Herausragende Projekte sind die Kleidertauschparty, bei der gut erhaltene Kleidung getauscht werden kann. Beim Repair-Café werden defekte Gegenstände gemeinsam mit Hilfe von ehrenamtlichen Fachleuten repariert.

Bei der Energiewende hat die Agenda 21-Gruppe gar Pionierarbeit geleistet und in Dorfen die ersten Bürgersolarkraftwerke realisiert. Das Dorfener Statt-Auto wurde ebenso initiiert wie ein Test-Parcours für Pedelecs – und das zu einem Zeitpunkt, als Elektrofahrräder noch als exotisch galten. Aber auch Energiesparen durch Wärmedämmung oder moderne Heizsysteme wurden thematisiert. Selbst die Gestaltung des Regenrückhaltebeckens mit seinen Kinderspielbereichen und der Skulpturenweg geht auf ein Konzept der Gruppe zurück. Andere Visionen, etwa ein Aufzug für Senioren entlang der Stepfen zur Pfarrkirche hoch, blieben Visionen.

Für Agenda-Sprecherin Hanna Ermann ist die zentrale Frage, „wer zahlt den Preis für unseren Wohlstand?“, heute wichtiger denn je. Begriffe wie „nachhaltige“ oder „zukunftsfähige“ Entwicklungen müssten gelebt werden. Nur so könnten die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden, ohne die Chancen künftiger Generationen zu beeinträchtigen. Ermann: „Es ist etwas unangenehm, vom hohen Lebensstandart runter zu kommen. Es kann aber auch etwas Befreiendes haben: Entrümpeln, Ballast abwerfen.“

Doch ist die Agenda 21 in Dorfen wirklich eine Erfolgsgeschichte? Wie das zu bewerten ist, kommt bei Ermann „auf die Tagesform an.“ Natürlich passiere noch viel zu wenig, um weltweit ein Umdenken feststellen zu können. Aber sie sehe „eher hoffnungsvoll in die Zukunft“. Ermann: „Vom Gefühl her konnten wir viele Leute mit unseren Ideen erreichen. Das war für etliche Ansporn, am eigenen Lebensstil etwas zu ändern.“ Und selbst in den USA gebe es eine Bewegung an Präsident Trump vorbei, die sich für den Klimaschutz stark machten, obwohl Trump den Pariser Vertrag zum Klimaschutz-Abkommen gekündigt habe.

Zum Jubiläum: Neben uns die Sintflut

Am kommenden Mittwoch, 29. November, feiert die Agenda 21-Gruppe um 19.30 Uhr im Jakobmayer-Saal ihr 20-jähriges Bestehen. Als Gastredner kommt der Münchner Soziologe Prof. Stephan Lessenich. Er bietet unter dem Motto seines Buches „Neben uns die Sintflut“ eine brillante, politisch brisante Analyse der Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse der globalisierten Wirtschaft. Lessenich achtet auf Nebenwirkungen des westlichen Wohlstands: die Hightech-Landwirtschaft lebe vom zerstörerischen Sojaanbau in Argentinien; Thailands Mangrovenwälder würden abgeholzt, um unseren Hunger auf Shrimps zu stillen. Der Sandimport für die Bau- oder Fracking-Industrien lasse in Afrika die Küsten erodieren. Sein Credo: „Jeder von uns ist ein verantwortlicher Akteur in diesem Nullsummenspiel, dessen Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen.“ 

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