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Alles andere als verwelkt (v. l.) Burgi, Bärbe und Moni Well. Hier zeigen sie ihr Können auf der Ukulele. 

Wellküren im Jakobmayer

Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Alpenlandes

Als „Omas“ bezeichneten sich die drei Well-Schwestern selbst, dabei sind sie alles andere als verwelkt.

DorfenAls „Omas“ bezeichneten sich die drei Well-Schwestern selbst, dabei sind sie alles andere als verwelkt. Im Gegenteil, die Wellküren Moni, Bärbe und Burgi blühten im Jakobmayersaal richtig auf, 30 Jahre Bühnenerfahrung scheinen konservierend zu wirken. Dabei stellte sich die Frage, wie lange sie noch auf der Bühne stehen werden, gar nicht. „Es gibt nur noch Wahnsinnige auf der Welt. Allen voran Donald Trump und Viktor Orbán. Schwestern, wir müssen weitermachen!“, forderte Moni Well. Ihre Waffe dabei: „Stugida“, Stubnmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes. Und damit teilten sie Rundum-Watschn aus. Schönheitswahn, Lifestyle-Mamas, Frauenquote, Homöopathie, Tebartz-van Elst, Seehofer und ganz generell: Männer.

So frech dabei ihre Liedtexte sind, so professionell zeigten sich die drei an verschiedensten Instrumenten. Von einer klassischen Stubnmusik-Besetzung Harfe, Gitarre und Hackbrett über Posaune, Trompete und Saxophon hin zu Akkordeon und Ukulele: Die Well-Erziehung befähigt die Wellküren zu einer musikalischen Vielfalt, die nicht in den Grenzen der Volksmusik bleibt. Auch eine Sonate von Mozart flochten sie ins Programm ein. Nachdem zum dritten Mal verfrühter Applaus einsetzte, zog Moni Well das Dorfener Publikum auf: „Man merkt scho, ihr hörts ned oft an Mozart“.

Die Rollen der Schwestern auf der Bühne sind fest verteilt: Ununterbrochen frotzelte und schimpfte Moni Well, sie brach auch mal gesanglich oder mit einem Hackbrettsolo aus. Ihre Entschuldigung: Als jüngste Schwester musste sie sich von klein auf bemerkbar machen.

Therapierend versuchte die Diplom-Sozialpädagogin Bärbe auf sie einzuwirken, fürsorglich ist sie stets mit Globuli ausgestattet. Burgi, die älteste der drei mimte Altersdemenz und war an diesem Abend mehrmals mit der Suche nach ihrem Instrument beschäftigt. Sie sang mit ihrer siebten Gitarre (die vorigen hatte sie in der Bahn vergessen) „Ich bin ein guter Verlierer, von der Fahrkarte bis zum Vermögen.“

Ein wichtiger Bestandteil des heiteren und kurzweiligen Abends war auch die Interaktion mit dem Publikum. Mit ihrem „Wishing Well“- Putztuch säuberte Moni die Brille eines Zuschauers und wunderte sich, wie dieser damit in den Saal finden konnte. Bärbi schmiss ein Strumpfband in die Menge.

Nach einer zweieinhalbstündigen Reise durch drei Jahrzehnte stand am Ende fest: Die Wellküren wollen einfach nicht altern – und das gelingt ihnen.Fabian Holzner

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