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Symbolfigur des WAA-Widerstandes: Hans Schuirer (M.) mit seinem damaligen Mitstreiter Wolfgang Nowak (l.) und SPD-Stadtrat Heiner Müller-Ermann. 

Wackersdorf

Wenn Gewalt im Widerstand hilfreich wird

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Es ist eine Frage, für die es nach dem Empfinden der meisten Menschen wohl nur eine Antwort geben dürfte: Ja. Widerstand sollte immer friedlich sein. Eigentlich. Denn für den früheren Landrat Hans Schuirer aus der Oberpfalz steht fest: Ohne einen teilweise gewalttätigen Widerstand wäre die atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf nicht zu verhindern gewesen.

Dorfen - Es sind Worte eines fast 90-jährigen Mannes, der Lügen und Unwahrheiten verabscheut, der Wahrheit und Ehrlichkeit predigt. Daher auch die „ehrliche Anwort“ auf die Frage nach der Gewalt eines Zuhörers bei der Veranstaltung der Dorfener SPD am Donnerstagabend, bei der Schuirer Gast war. Der Anlass: Im Kino im Jakobmayer wurde der Spielfilm „Wackersdorf“ gezeigt. Der Film ist ein Polit-Drama über die Hintergründe, die zu dem Protest gegen den Bau der WAA geführt haben. Der Widerstand hatte eine Dimension, die bis dahin nicht vorstellbar war. Der Film zeigt, wie Landrat Schuirer kompromisslos für Gerechtigkeit und Recht kämpfte und damit seine Karriere und seine Zukunft aufs Spiel setzte.

Schuirer, der sich im Film gut dargestellt sieht, zeigte vor über 60 Zuhörern zunächst auf, wie er sich sozusagen vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Denn die Arbeitslosigkeit in den 80-Jahren war in der Oberpfalz hoch, die Perspektiven für die Bevölkerung gering, und der Glaube an den Segen der Atomkraft groß. Da schien das Angebot der bayerischen Staatsregierung, in Wackersdorf mit dem Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage 3600 Arbeitsplätze zu schaffen, dem SPD-Landrat wie ein Geschenk des Himmels. Doch nach Gesprächen mit dem Betreibern der Atomfabrik, die von einem 200 Meter hohen Kamin sprachen, damit die radioaktiven Schadstoffe aus der Wiederaufarbeitung möglichst breit gestreut werden könnten, wird Schuirer stutzig. Er informiert sich, spricht mit Fachleuten – und erkennt: „Das Gerede von sauberer, ungefährlicher Atomenergie ist nichts weiter als eine Lüge.“ Eine Bürgerinitiative, zu deren Leitfigur Schuirer wird, entsteht. Der Landrat legt sich nicht nur mit den Mächtigen an, er geht auch raus in den Taxsöldener Forst und unterstützt den Protest der Bürger.

Als Schuirer von der „ungeheueren Brutalität“ berichtet, mit der die Polizei im Auftrag des Staates versuchte, den Widerstand niederzuschlagen, spürt man die Betroffenheit unter den Zuhörern im Gasthaus am Markt. Bürger sind schickaniert worden, auf friedliche Demonstranten, egal ob junge oder alte Menschen, prügelten Polizisten mit Schlagstöcken ein, hetzten Hunde auf sie, berichtet Schuirer über eigene Erlebnisse. Die Staatsregierung wollte ihn des Amtes entheben. Doch all das hat den Widerstand nicht gebrochen, sondern nur größer und stärker gemacht.

Was bedeuten die Erfahrungen für die heutige Zeit? „Wackersdorf ist ein Muster- und Lehrbeispiel, was in einer Demokratie, einem Rechtsstaat einfach nicht passieren dürfe. Wackersdorf ist aber auch genau so ein Lehr- und Musterbeispiel, was in einer Demokratie möglich ist.“ Etwas, was die Staatsregierung mit aller Gewalt durchdrücken wollte, hätten die Bürger verhindert.

Und die Lehren? Schuirer hält es für die wichtigste Aufgabe der Politiker, „glaubhaft zu sein, Mut zu beweisen. Es bedarf klarer Kante, Wahrheit, Gerechtigkeit.“ Und Schuirer hat eine Grundüberzeugung: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“

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