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Kriminelle am Werk: Hacker versuchen mit allen Mitteln an vertrauliche Daten zu kommen.

Datensicherheit

Wenn‘s dann mal hackt

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Ein 20-Jähriger aus Hessen hat mit einer Datenattacke auf Politiker und Prominente für Aufregung gesorgt. Und ein australischer IT-Spezialist hat in einem Hackerforum Millionen Zugangsdaten für Internetdienste entdeckt. Das alles zeigt, wie einfach es offenbar ist, in der digitalen Welt an sensible Infos zu gelangen. Wie sieht es mit der Datensicherheit bei Behörden, Firmen, Vereinen und Privatleuten im Landkreis aus? Die Heimatzeitung hat sich umgehört.

Landkreis – In der Öffentlichkeit ist das Thema Datensicherheit kein großes Ding, obwohl es täglich Hackerangriffe gibt. Das Landratsamt Erding hält alle sensiblen Angaben im Haus. „Die sensitiven Daten der Bürger werden nur auf eigenen Servern innerhalb des Landratsamts gespeichert und nicht auf Cloudlösungen von Drittanbietern“, umschreibt Pressesprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer die Sicherheitslage in der Kreisbehörde kurz. Bisher habe es auch keine Hacking-Angriffe auf die Server des Landratsamts gegeben. Ein versuchter Angriff auf die Internetpräsenz sei nicht erfolgreich gewesen.

Bei der Großen Kreisstadt Erding gibt es laut Pressesprecher Christian Wanninger eine Vielzahl von Maßnahmen, die einen Datenklau verhindern sollen. Erding ist Teil des Behördennetzes und damit an das Landratsamt angeschlossen. Intern gibt es ein eigenes IT-Sicherheitskonzept und auch einen IT-Sicherheitsbeauftragten. „Wir haben das Sicherheitskonzept passgenau für uns entwickelt“, so Wanninger. So sei etwa klar geregelt, wie Passwörter auszusehen hätten, damit sie größtmögliche Sicherheit böten.

Jeder Mitarbeiter habe auch eine Schulung zum Thema erhalten. Die Mitarbeiter seien angehalten, ihre Passwörter immer wieder zu wechseln, aber auch, etwa beim Verlassen des Büros den PC zu sperren. Auch die Nutzung der Computer sei klar geregelt. „Bestimmte Webseiten sind von Haus aus gesperrt, etwa Facebook“, so Wanninger. Einen Hackerangriff habe die Stadt bislang noch nicht verzeichnet. Doch für den Pressesprecher steht auch fest: „Es gibt keine absolute Sicherheit.“

Die Stadt Dorfen ist im Juli 2015 Opfer eines Hackers geworden. Über mehrere Stunden hinweg wurden User, die dorfen.de aufgerufen haben, auf eine Domain im Inselstaat São Tomé und Príncipe im Golf von Guinea umgeleitet. Diese Seiten waren virenverseucht. Die Internetseite der Stadt ist laut Pressesprecherin Gudrun Gersbach allerdings nicht mit dem Server verbunden, auf dem datenschutzrelevante Angaben lägen.

Zum Schutz der Daten hat die Stadt umfangreiche Vorkehrungen getroffen. So ist sie an das Bayerische Behördennetz angeschlossen. Laut Gersbach werden die Mitarbeiter regelmäßig für das Thema sensibilisiert und geschult. Im Rathaus gebe es eine eigene Stabstelle Datenschutz und Informationssicherheit. Zusätzlich habe die Stadt auch einen externen Datenschutzbeauftragten verpflichtet.

MdB Andreas Lenz: Wir brauchen sicher noch mehr Bewusstsein für das Thema Datensicherheit.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz ist selbst vom Angriff des Hessener Hackers betroffen. Von Lenz wurden Handynummer und Privatadresse veröffentlicht. Der Abgeordnete hat daraufhin seine persönlichen Passwörter geändert, aber auch die im Bundestagsbüro. Seine Accounts bei Facebook und Twitter betreibt er weiter. Für ihn ist aber klar: „Wir brauchen sicher noch mehr Bewusstsein für das Thema Datensicherheit. Es gibt täglich tausende Hackerangriffe – auf die deutsche Industrie, auf Unternehmen zum Beispiel. In vielen Fällen unbemerkt. Da findet überhaupt keine Aufklärung statt.“ Und auch im privaten Bereich genüge es nicht, nur eine Antivirensoftware auf den Computer zu laden.

Der Erdinger Weißbräu hat seit Jahren einen Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragten. „Regelmäßig tagt ein Ausschuss, der sicherstellt, dass alle Anforderungen zu den Themen Datenschutz und IT-Sicherheit erfüllt sind. Fortlaufend setzen sich unsere Experten auch im Austausch mit externen Stellen mit neuesten Entwicklungen auseinander“, sagt der für Finanzen, Controlling und IT zuständige Geschäftsführer Dr. Stefan Huckemann. Hackerangriffe habe man bisher erfolgreich abwehren können.

„Beim Förderkreis Dorfen wird auf Datensicherheit bei Servern, Mailkonten und Facebook durch verschiedene Passwörter mit ausreichender Länge, Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen geachtet“, sagt Georg Stöger, Fachmann fürs Web in Dorfen, der für den Förderkreis die Onlineauftritte gestaltet und betreut. Der Webhoster (Provider) würde die Seiten zudem auf klassische Hackerangriffe überwachen. Sensible Mitgliederdaten würden nicht online gespeichert. Förderkreischef Stefan Tremmel speichert diese Informationen lokal auf einem Rechner ab. Er nutzt auch keinen Cloudspeicher.

Tremmel selbst, der mit der Firma „Technikwerker – Der Heuschneider“ einen Fachbetrieb rund um Elektronik und Sicherheit betreibt, weiß aber um die Sorglosigkeit viele Privatleute. „Entweder haben Kunden keine oder sehr einfache Passwörter oder sie haben gleich so komplizierte, dass sie diese selber oft vergessen.“ Viele Kunden machten auch den Fehler und würden alle ihre Passwörter im eigenen Handy speichern. Auf Laptop und PCs seien Antivirusprogramme oft veraltet oder gar abgelaufen. Wichtig sei auch, das heimische Wlan-Netz zu sichern. „Ein gesunder Menschenverstand hilft meisten am besten“, so Tremmel.

Bernd Schmidbauer Präsident TSV Dorfen: „Keine sensiblen Daten online.“

Bernd Schmidbauer, Präsident des TSV Dorfen, sieht die Datensicherheit beim Dorfener Club nicht in Gefahr. Die Mitgliederverwaltung erfolge über PCs, die nicht mit dem Internetauftritt des TSV verbunden seien. Es würden auch keine Daten in einer Cloud gespeichert. Über die Website könnte daher auch kein Hackerangriff erfolgen. Beruflich ist Schmidbauer IT-Spezialist für Hotellerie und Gastronomie sowie Inhaber und Geschäftsführer der Firma Softstar. Es habe in früheren Jahren schon mal einen Angriff auf die Webseite gegeben. Durch entsprechende Maßnahmen wie die Einrichtung einer Firewall und regelmäßige Sicherheitsupdates habe man jetzt bestmögliche Sicherheit. Bemerkenswert: Bankgeschäfte führt Schmidbauer nur noch online aus. Denn immer wieder versuchen Betrüger mit gefälschten Überweisungsträgern, die bei Banken eingeworfen werden, an Geld zu kommen. Den Belegverkehr hat Schmidbauer daher von seinen Banken komplett sperren lassen.

Privat hält es Schmidbauer mit der Sicherheit ein wenig gespalten. „Bei ungefähr 80 verschiedenen Passwörtern, die ich für verschiedenste Zugänge habe, kann ich wirklich nur die wichtigsten regelmäßig ändern.“ WhatsApp Facebook und Co. nutzt der Dorfener regelmäßig.

„Sparsam mit der Publikation meiner Daten“ geht Heinz Bleck aus Dorfen um. WhatsApp oder Facebook kommen bei dem beruflich als Fachmann für Daten- und Netzwerksicherheit Tätigen nicht auf Handy oder PC. Es könne nie ganz verhindert werden, „dass da meine Daten dort landen, wo ich sie nicht haben will“. Onlinebanking macht Bleck zwar, aber keine anderen Formen der Geldgeschäfte wie etwa bargeldloses Zahlen über Handy oder Geldversenden per Smartphone. Bleck: „Die Leute sind im Umgang mit ihren Daten viel zu gedankenlos.“

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