Impulse fürs Online-Geschäft erhielten die Zuhörer.
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Impulse fürs Online-Geschäft erhielten die Zuhörer.

Online-Offensive für Dorfener Gewerbe: „Wir punkten sogar gegenüber Amazon“

Die Stadt Dorfen und der Förderkreis starten eine Online-Offensive für das Gewerbe vor Ort. Förderkreis-Chef Stefan Tremmel ist überzeugt vom heimischen Angebot.

Dorfen – „Die älteren Dorfener kaufen hier schon seit Jahrzehnten ein. Jüngere Leute googeln allerdings. Finden sie nichts im Netz, denken sie, das gibt es in Dorfen gar nicht“, sagte Stefan Tremmel, Vorsitzender des Förderkreis Dorfen. Wer es also schafft, sein Produkt ganz oben in die Trefferliste einer Internetsuche zu bringen, hat Wettbewerbsvorteile.

Daher wollen die Stadt Dorfen samt Stadtmarketing und der Förderkreis heimische Unternehmen in diesem Bereich unterstützen (wir berichteten). Unter anderem sind Workshops geplant, um Einzelhandel und Gewerbe für den Online-Handel fit zu machen. Unter dem Motto „Aufbruch Online – sichtbar im Netz“ fand am Montagabend die Auftaktveranstaltung im Jakobmayer-Saal statt.

Mit dem Infoabend und den Workshops wolle man nochmals Nachdruck verleihen, wie wichtig der digitale Handel sei, betonte Bürgermeister Heinz Grundner. „Wir haben keinen physischen Leerstand in der Innenstadt – aber oft noch digitalen Leerstand.“ Gerade durch digitale Sichtbarkeit schaffen es Handel, Gewerbe und Handwerk die Produkte nachhaltig an Frau und Mann zu bringen, so der Rathauschef. Technisch längst möglich: „Die Stadt Dorfen ist mit Breitbandfrequenz ausgestattet – und bis zum ersten Quartal 2021 werden letzte weiße Flecken im Gemeindegebiet erschlossen sein.“

„Gerade während des Lockdowns merkten die Kunden, dass die Läden die ganze Zeit für sie da waren – der Apotheker beispielsweise mit dem Gesicht vor Ort. Das staubige Image des Einzelhandels vor Ort hat sich gedreht“, erklärte Referent Philipp Schleef von der Wirtschafts- und Servicegesellschaft Pfaffenhofen (WSP). Auch beim Lieferservice in der Gastronomie sei das so. „Wir haben gemeinsam technische Lösungen gesucht. Das lässt sich nicht mehr zurückdrehen“, so Schleef.

Jetzt heiße es für Dorfen, in die digitale Zukunft aufzubrechen, sagte Markus Jocher vom Stadtmarketing. „Ihr seid alle Multiplikatoren“, sagte er zu den Zuhörern im Jakobmayer. Hilfestellung gebe es in etlichen Workshops. Markus Bauer aus Taufkirchen wird den Teilnehmern Einblick in die Produktfotografie geben. Und Georg Stöger von der Dorfener Fachagentur Designloge wird Unternehmer coachen, damit sie sich richtig bei Facebook und Instagram positionieren.

Auch den Google-My-Business-Eintrag, der wegen der Öffnungszeiten und der Wegbeschreibung wichtig ist, wird Stöger erklären. Referentin Sabine Saldana Bravo unterrichtet im Storytelling, also dem Erzählen einer Geschichte rund ums Produkt. „Es geht um Emotionen – die erreicht man nicht mit Standardsätzen aus dem Baukasten“, meinte Stöger dazu.

„Wir bieten allen Unternehmern individuelle Hilfe, der Förderkreis hat ein gutes Ohr“, verspricht Tremmel. Ziel sei eine Dorfener Plattform: „Es soll im Internet nicht nur gezeigt werden, welche Geschäfte es in Dorfen gibt. Auch Vereine sollen sich präsentieren. Oder es wird auf Attraktionen aufmerksam gemacht. Denn wer weiß noch, dass Dorfen sogar einen Skilift hat?“

Corona habe es gezeigt. Die Dorfener halten zusammen, meinte Tremmel im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber Online ist einfach da, mit dem müssen wir uns grundsätzlich auseinandersetzen.“ Und anders als damals, als die Menschen noch in Katalogen bestellten, etwa bei Quelle oder Otto, könnten die Händler vor Ort beim digitalen Einkauf mitspielen: „Wir punkten sogar gegenüber Amazon.“

Denn ein Dorfener Händler könne es sich gar nicht leisten, minderwertige Qualität anzubieten. „Ein Bügeleisen für zehn Euro haben wir gar nicht erst im Programm, das wird nicht lange leben. Wir präsentieren unseren Kunden qualitativ hochwertige Produkte“, erklärte der Chef des Elektronikhändlers Heuschneider. Hinzu kämen noch der gute Service sowie die Beratung vor Ort. „Man geht gerne ins Geschäft, man kennt sich.“

Michaele Heske

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