Festwoche eröffnet

Zeilhofen gedenkt seiner Geschichte und des Heiligen Antonius

Zeilhofen – Im ruhigen wie beschaulichen Dorfener Ortsteil Zeilhofen sind am Wochenende gleich drei Jubiläen gefeiert worden. Vor 300 Jahren wurde am Seebach ein Kloster gegründet. 50 Jahre später wurde die Antoniuskirche auf dem Hügel über dem Ort errichtet und bereits 550 Jahre reicht die Einrichtung eines Benefiziates in der Altgemeinde zurück.

Die Prozession beim traditionellen Antoniusfest gestern musste allerdings ausfallen. Wegen des starken Regens wurde die feierliche Festmesse im in der Antoniuskirche zelebriert. Die Altäre für die anschließend geplante Prozession waren umsonst vorbereitet worden. Weltlich gefeiert wurde aber dennoch im Festzelt.

Zum Auftakt der Festlichkeiten in Zeilhofen fand am Freitag ein Festgottesdienst mit Dekanats-Jugendseelsorger Richard Weber statt. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit der Familie des Kirchpflegers Stefan Weber. Der Vorsitzende des Historischen Kreises, Jürgen Weithas, dankte den engagierten Helfern für die Erstellung der aufschlussreichen Festschrift und allen Mithelfern der akribisch zusammen gestellten Ausstellung im Mairotsaal. Bürgermeister Heinz Grundner lobte ebenfalls das hohe Engagement der Zeilhofener und der Organisatoren vom Historischen Kreis, welche bewegte Geschichte des Ortes „mit Herzblut“ aufbereitet hätten.

Bei dem anschließenden, Festvortrag in der Kirche ließ Franz Streibl die große Historie des kleinen Dorfes aufleben. Audiovisionell umrahmt zeigte der Dorfener Heimatforscher die urkundlich belegten Stationen des Lebens im Seebachtal (erstmals erwähnt 864) auf. Ein Peter Zeilhofer, Landrichter in Dorfen (1363 - 1375) steht am Anfang einer Kette von Adeligen, wie auch die Marmor-Grabplatten in der Zeilhofener Kapelle der Oberdorfener Pfarrkirche belegen. Die Nachfolger des Landadelsgeschlechtes stifteten 1466 ein Benefizium in der Zeilhofer Kapelle, das Geld mit Zinsen und Ertrag von den Höfen für die Besoldung des Benefiziaten einbrachte. In der betreffenden Urkunde sind, wie Streibl erläuterte, schöne Siegel mit den Wappen der Zeilhofer zu sehen. Auch ein Grabstein des ersten Benefiziaten Georg Schwaiger (gestorben 1500) ist in Oberdorfen noch zu sehen.

Als der Ertrag nicht zur Besoldung der Benefiziaten reichte, wurde das Benefizium vom Pfarrer von Oberdorfen wahr genommen. Mit Tobias, Pfleger in Erding erreichte das Geschlecht der Zeilhofer seinen Höhepunkt an Macht und Ansehen. 1625 ließ man das Schloss in Zeilhofen errichten. Aber schon 1631 stirbt Tobias. Über die Pettenpecks – Johann Ulrich, den die Witwe von Tobias (1631) heiratete und der 1634 im 30-jährigen Krieg an der Pest verstarb – und die von Puch‘s erbt schließlich die Stiftochter Maria Jakobäa das Schloss. Ihre Ehe mit dem Landrichter von Dorfen, Georg Christoph Asch, blieb kinderlos und so ging das Erbe an die Klosterschwester Sophie von Eisenreich. Mit der Erbfolge der von Puchs endet das Geschlecht der Zeilhofer und so fiel das Schloss an das Kloster Seligental.

Es folgen die von Closen und schließlich Georg Gugler, der 1666 die Kirche mit der Reliquie des Heiligen Antonius errichten ließ und mit seiner Frau Elisabeth Haffner 16 Kinder hatte. Der wohlhabende Münchner Kaufmann Gugler ließ das Benefiziat wieder nach Zeilhofen verlegen. Schließlich kam das Schloss in den Besitz des Bistums Freising mit dem engagierten Fürstbischof Johann Franz Eckher. Auf dessen Initiative wurde 1716 ein Franziskanerhospiz errichtet, zumal die zunehmende Wallfahrt nicht unbedingt zur Freude der Dorfener und Oberdorfener Pfarrherren stark zunahm.

Leiche im Bierfass überführt

Im Zuge der Sekularisation wurde das Kloster 1802 aufgelöst. Danach wird noch ein Neffe von Baron Widmann im Tausch Besitzer des Schlosses, dass jedoch nach und nach abgebrochen wird. Ab 1814 wohnte noch der Benefiziat Holzheu in einem Restgebäude des Klosters. Letzter Benefiziat war Georg Grein, einer der aufrechten Zeugen gegen den Nationalsozialismus, der 1943 zu zehn Monaten Festungshaft verurteilt wurde.

Streibl berichtete auch von einem Einbruchsdiebstahl in der Kirche, worauf dahinter eine neue Sakristei und daneben zwei Häuser erbaut wurden. Aufhorchen ließ auch die makabere Geschichte von Pater Venustus Gaigl (Gaigl-Wappen/Bräuwinkel Dorfen), der plötzlich nach einem Sturz verstarb und den Superior Anton Eckher, ein Neffe des Bischofs, nachts in einem Bierfass nach Freising überführen ließ. Die Geschichte kam auf und der Pfarrer von Dorfen, Franz Xaver Huber, meldete dies beim Bischof. Die Retourkutsche folgte sogleich, indem der Pfarrherr und sein Kaplan aus Dorfen der Wildfrevelei bezichtigt wurden, „Schon möglich“, meinte Streibl süffisant, nachdem Pfarrer Eberl aus Tirol stammte. 

Georg Brennauer

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