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Ein Regal mit allem, was man braucht: Albert Schmid und seine Frau Anneliese haben für den Ernstfall vorgesorgt.

Zivilschutz

Dorfener hat eigenen Bunker: 290 Quadratmeter Sicherheit

Wasentegernbach – Der Aufruf der Regierung, Lebensmittel für den Katastrophenfall zu horten, lässt Albert Schmid kalt. Der 74-Jährige hat in seinem Garten im Kreis Erding seit 34 Jahren einen unterirdischen Bunker. Dort könnte er ein halbes Jahr überleben.

Albert Schmid ist schon lange vorbereitet auf den Ernstfall. Um genau zu sein: seit 1982. Der 74-jährige Elektro-Maschinenbaumeister aus Wasentegernbach (Landkreis Erding) hat sich vor 34 Jahren einen Bunker gebaut. Atomunfälle, Giftgas- oder Chemieangriffe, Epidemien oder Seuchen – die Schmids könnten all das zu Hause ein halbes Jahr überstehen.

Der Schutzraum ist mit 36 Feldbetten ausgestattet. Bisher wurden sie nie benutzt.

Der Bunker befindet sich unterirdisch im Garten. Bis zu hundert Menschen hätten dort Platz. Mit den 290 Quadratmetern dürfte die Schutzanlage zu den größten zivilen ABC-Schutzbunkern Deutschlands gehören. Er hat mit der Planung für seinen Bunker 1978 begonnen – mit Hilfe des Katastrophenschutzes. „Man muss an alles mögliche denken“, berichtet er. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Anlage mit vier Räumen fertig war. Rund tausend Kubikmeter Erde mussten aus seinem Garten abtransportiert werden. Und weil der Statiker die Berechnungen für einen Hausschutzraum mit einem schweren Bunkerbau verwechselte, wurden 40 Tonnen Eisen in der Decke verbaut. Dazu kamen mehr als 300 Kubikmeter Beton. Die Wände sind 40 Zentimeter dick, allein die wasserdichte Eingangstür wiegt zwei Tonnen.

Schmid hat die Türen selbst gebaut. Auch um die Technik hat er sich gekümmert. Der Bunker hat zwei Notausgänge. Rund 12 000 Liter Heizöl sind dort gelagert. Sie könnten die zwei Elektroaggregate sechs Monate durchgehend betreiben, erklärt Schmid. Damit wäre für Wärme gesorgt. Und für Strom – der wird für die Technik benötigt, zum Beispiel für die ausgefeilte Luftfilteranlage und den eigenen Wasserbrunnen. Außerdem gehören Duschen, Klo und ein Raum mit 36 Feldbetten zur Ausstattung. All das hat damals 400 000 Mark gekostet. „Zu Zeiten des Kalten Kriegs gab’s noch Zuschüsse für den zivilen Luftschutzbunkerbau“, erzählt Schmid. 187 000 Mark musste er selbst aufbringen. „Das war viel Geld damals.“

Die Eingangstür zu seinem Schutzraum wiegt zwei Tonnen. Albert Schmid hat die Tür selbst gebaut.

Im Bunker gibt’s TV-Anschluss, Telefon und Lesestoff. Alles ist in Regalen gelagert: Klopapier, Lebensmittel. Den Wert schätzt Schmid auf rund 15 000 Euro. Die gefriergetrocknete und mit Kohlenstoff versetzte Nahrung ist einst für die amerikanischen Truppen hergestellt worden. „Bevor wir sie wegwerfen, probieren wir sie schon noch“, sagt Anneliese Schmid.

Ausschlaggebend für den Bunkerbau waren Schmids Kindheitserlebnisse. Als Dreijähriger hatte er in München die schweren Bombenangriffe erlebt – und überlebt. Am Ende des Kriegs war die Familie nach Wasentegernbach gezogen. Wieder gab es Luftangriffe auf die nahegelegene Eisenbahnlinie. „Heute gibt’s keine direkte Gefahr mehr“, sagt Schmid. Das neue Zivilschutzkonzept des Bundes hält er für „sinnlose Panikmache“. Albert Schmid hofft, dass er seinen teuren Bunker nie brauchen wird. Bisher hat er ihn immer nur für Feiern genutzt. Einmal hat sogar die örtliche Blaskapelle dort geübt, denn: „Die Anlage ist absolut schalldicht.“

Hermann Weingartner

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