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Der Dorfener Friedhof - eine Zumutung für Gehbehinderte

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Von: Michaele Heske

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„Da muss sich dringend was ändern“: Dorfens Seniorenreferentin Simone Jell-Huber (l.) und Bürgerin Ingrid Lechner machen im alten Teil des Dorfener Friedhofs einige Schwachstellen aus. Seit 2012 unter Denkmalschutz Landschaftsplanerin entwirft Konzept
„Da muss sich dringend was ändern“: Dorfens Seniorenreferentin Simone Jell-Huber (l.) und Bürgerin Ingrid Lechner machen im alten Teil des Dorfener Friedhofs einige Schwachstellen aus. © Michaele Heske

Grobe Kieswege und ungepflegte Gräber: Die Zustände auf Dorfens altem Friedhofsteil bewegen die Menschen.

Dorfen – Der alte Teil des Dorfener Friedhofs wirkt ungepflegt, auf den Wegen wächst Löwenzahn. Zudem liegt hier grober Kies – eine Zumutung gerade für ältere Besucher mit Rollstuhl oder Rollator. Das alles stößt so manchem Bürger sauer auf.

Die wenigen asphaltierten Wege bestehen aus alten Spritzdecken, die rissig und abgeplatzt sind. An der Aussegnungshalle ist stellenweise der Putz abgeplatzt. In den Kiesbetten wächst Löwenzahn, und die Stützmauern zwischen den höhenversetzten Bereichen haben auch schon bessere Tage gesehen. Ingrid Lechner kommt jeden zweiten Tag frühmorgens zum Grab ihrer Schwiegereltern. „Bei der Hitze muss man regelmäßig gießen“, sagt sie.

Sie lässt den Blick über den alten Teil des Friedhofs schweifen: Viele Gräber sind mit Blumen bepflanzt, manche einfach nur begrünt, sodass auch im Hochsommer Bewässern kaum nötig ist. Andere Grabstätten hingegen wirken verwahrlost. „Da könnte die Stadt doch die Leute anschreiben“, findet die 70-jährige Dorfenerin.

Regelmäßig im Herbst werden die Gräber kontrolliert. Vor allem schauen die Mitarbeiter des Bauhofs, ob die Steine noch fest sitzen, erklärt Anita Feckl, die im Rathaus für die Friedhöfe zuständig ist. „Wir monieren es auch, wenn ein Grab sehr verwildert ist. Aber die Grabpflege liegt im Auge des Betrachters“, findet Feckl.

Ebenso wie der Löwenzahn, der wild zwischen dem Kies wuchert und häufig Stein des Anstoßes ist: „Das ist ebenfalls ein Spagat – einerseits sind wir eine bienenfreundliche Stadt und wollen einen naturbelassenen Friedhof, andererseits stört das Unkraut viele Angehörige.“ Pestizide einzusetzen, sei freilich verboten, so die Standesbeamtin. Mehrmals im Jahr werde gegen die Wildpflanzen vorgegangen – mit heißem Wasser, das die Wurzeln nicht zerstört.

1260 Gräber gibt es im alten Friedhofsteil, im neuen sind es 460. Hinzu kommen sechs Urnenwände. Ebenso sind hier Urnenerdbestattungen möglich, die immer beliebter werden.

Der Dorfener Friedhof steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Die meisten Gräber im alten Abschnitt liegen in einem Kiesbett aus grobem Rollkies, der für Rollstuhlfahrer oder Rollator-Nutzer eine Schinderei bedeutet. Der Friedhof in Dorfen ist nämlich nicht barrierefrei.

Vor einem Jahr stellte deshalb die Fraktionsgemeinschaft von CSU und Liste Tegernbach einen Antrag im Stadtrat, dass eine zeitgemäße Überplanung des Areals in Auftrag gegeben werden soll: „Dabei können die Verweilqualität für die Besucherinnen und Besucher, Behindertenfreundlichkeit, optischer Gesamteindruck sowie Umwelt- und naturnahe Aspekte eine Rolle spielen“, begründeten die Stadträte Michael Oberhofer, Barbara Lanzinger und Josef Wagenlechner ihr Anliegen. Diesem Antrag stimmten alle Fraktionen zu.

Die Stadt hat daraufhin eine Landschaftsplanerin beauftragt, die nun ein barrierefreies Konzept für den Friedhof entwirft. Der erste Ortstermin hat vor kurzem stattgefunden. „Der Charakter des Friedhofs wird bleiben“, verspricht Rathaus-Mitarbeiterin Feckl.

Dorfens Seniorenreferentin Simone Jell-Huber, die häufig mit den Beschwerden der Friedhofsbesucher konfrontiert wird, besuchte erst jüngst den Friedhof in Taufkirchen und stellt einen Vergleich an. „Die groben Kiesel sind eine Zumutung für Besucher, die auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen sind – das hat die Nachbargemeinde besser gelöst“, findet die SPD-Stadträtin. In Taufkirchen gebe es auf den Wegen feine Steine oder auch Rasen. „Im Gras fällt das Unkraut nicht so auf.“

Hinzu kommt, dass sich der Friedhof in Dorfen über höhenversetzte Ebenen erstreckt. Zwischen ihnen gibt es zwar nicht nur Treppen, sondern auch Rampen, aber die sind so steil, dass Rollator-Nutzer und Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen sind. „Da muss sich dringend was ändern“, sagt Jell-Huber. Das sieht auch die Ingrid Lechner so: „Ich bin Gott sie Dank nicht auf einen Rollator angewiesen. Der Friedhof ist ein Ort des liebevollen Gedenkens an die Verstorbenen, da sollten alle Angehörigen ans Grab kommen können, egal wie mobil sie sind.“

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