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Ausgetauscht: Pendler auf der Strecke München-Mühldorf reisen wieder mit alten Doppelstockwaggons.

SÜDOSTBAYERNBAHN

Zurück in die Doppelstock-Vergangenheit

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Dorfen - Bahnpendler nach München fahren in der Regel in der 2. Klasse. Doch jetzt fühlen sich Pendler als Kunden 2. Klasse. Die Südostbayernbahn hat ihre neuen Doppelstockwaggons gegen alte ausgetauscht. Die neuen SOB-Waggons fahren seit Wochen in Nordrhein-Westfalen.

Geht nicht, gibt’s nicht bei der Bahn. Hinter einem Newsletter von Ende Dezember der in Mühldorf ansässigen Südostbayern steht eine für Pendler merkwürdige Geschichte. „Die RB 27012 und die RB 27013 verkehren vom 21. bis 24. Dezember 2015 aus betrieblichen Gründen teilweise mit älteren Doppelstockwagen. Wir bitten Sie, diese Komfort-Einschränkungen zu entschuldigen“, schrieb die SOB an ihre Newsletter-Abonnenten. Doch diese älteren Waggons sind nach wie vor in Betrieb. 

„Schäbige Sitze, beschädigte Kopflehnen und weniger Sitzplätze“ – so bewerten Pendler die älteren Doppelstockwagen. Einige dieser Waggons enthalten große Fahrradabteile mit Notsitzen. „Die tägliche Suche nach dem Sitzplatz wird damit für die Pendler wieder zu einer Reise nach Jerusalem“, klagt etwa Bahnpendler Michael Wengler. Er ist einer der größten Kritiker der Südostbayernbahn und schreibt seine Erlebnisse seit 2007 in seinen Blog (www.zukunft-suedostbayern.info). Zu dem Austausch der Doppelstockwaggons meint Wengler: „Kein anderes, privates Bahn-Unternehmen in Bayern kann sich eine dermaßene Vorgehensweise und Umgang mit der Kundschaft leisten.“ 

Der Bahn-Konzern dagegen sieht in dem Waggontausch nichts, worüber man sich aufregen müsste. Die modernen Doppelstockwagen der SOB seien nach Nordrhein-Westfalen verliehen worden. Die dortige DB Regio habe eine Ausschreibung für ein Streckennetz gewonnen, auf dem der Einsatz moderner Waggons vorgeschrieben sei. Diese seien zwar bestellt worden, der Hersteller könne aber nicht rechtzeitig liefern, sagt dazu ein Bahnsprecher der Kommunikation Bayern DB Mobility Logistics AG. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember würden die modernen Doppelstockwaggons wieder auf der Strecke München-Mühldorf eingesetzt. Dass die älteren Modelle keinen Komfort bieten würden, bestreitet der Bahnsprecher. Vom Platzangebot her gebe es keinen großen Unterschied, „nur von außen gesehen sind diese Waggons nicht mehr so schön“. 

SOB-Leiter Christoph Kraller stellt den Sachverhalt etwas anders dar. Sechs Waggons habe die SOB in den Norden geschickt und elf Wagen bekommen, die, das gibt Kraller zu, zum Teil „nicht so toll“ waren. Das ändert sich nach seinen Angaben bis Mitte Februar. Bis dahin sollen die ausgeliehenen sechs Doppelstockwaggons wieder am Inn sein, betont der SOB-Chef. Die elf gebrauchten blieben auch, dazu kämen sechs weitere gebrauchte Waggons. „Dann können wir zum Fahrplanwechsel im Dezember alle Züge nach München mit Doppelstockwagen fahren.“ 

Einräumen muss die Bahn auch, dass es im Januar auf der Strecke München-Mühldorf ein „hohes Störgeschehen“ gegeben habe. Hinter dieser Aussage stecken Zugausfälle, Verspätungen, technische Probleme. Der größte Vorfall war der Brand einer Lok zwischen Schwindegg und Dorfen. Rauchschwaden gelangten in die Abteils, Reisende bekamen Atemprobleme. Ein Fahrgast zog die Notbremse – der Zug kam auf freier Strecke zum Stehen. Die Türen wurden geöffnet, damit die Reisenden frische Luft bekamen. 

Insgesamt zwei Störfälle haben laut Bahn die Ursache beim Triebfahrzeug gehabt. Einmal sei es zu einer Weichenstörung bei Weidenbach gekommen. Der Rest der Störungen sei aber nicht von der Bahn zu verantworten, sonder sei auf „Einfluss Dritter“ zurückzuführen. Die Bahn nennt hier Personen im Gleis, eine Brückesperrung wegen Sprengstoffverdacht sowie auch einen Suizid. 

Pendler Wengler kann das allerdings nur noch mit Sarkasmus sehen. An solchen Tagen kommen Wengler die Bilder in Erinnerung, als die Südostbayernbahn vergangenes Jahr den Zuschlag für weitere Jahre für den Bahnverkehr zwischen Mühldorf und München erhalten hat. „Jubelnde Chefs mit T-Shirts, deren Aufschrift für die Kunden wohl deuten sollte: Das Chaos geht weiter, wir tun alles, dass unsere Bahnen unkalkulierbar und mit allerlei negativen Überraschungen noch viele Jahre hier verkehren.“ 

Mitleid hat Wengler aber mit dem Zugpersonal der Südostbayernbahn. „Die müssen das ausbaden, was abgehobene Manager mit Sparmaßnahmen und Schönwetter-Parolen auf diesem überalterten und billig in Stand gehaltenen Gleisbett mit Uralt-Technik und -Ausstattung gegenüber der Kundschaft ,verbrechen‘.“

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