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Dreh einer Szene aus „Zoe“: Die zwei Wissenschaftler verfolgen im Rahmen des Experiments „Nr. 17“ über Monitore die Mensch-Maschine und bringen diese an ihre psychische Grenze.

Zwei Dorfener beim Finale des KI Science Film Award in Karlsruhe

Wenn Roboter das Menschsein entdecken

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Die Dorfener Filmemacher Life Brönnle und Fabian Wildgrube sind im Finale des KI Science Film Award.

Dorfen – Schöner Erfolg für zwei junge Dorfener Filmemacher: Life Brönnle und Fabian Wildgrube (beide 23) haben es mit ihrem Kurzfilm (Zoe) ins Finale des KI Science Film Award geschafft. Seit Mittwoch werden die Filme von rund 50 Filmschaffenden aus 13 Ländern in Karlsruhe gezeigt. Am heutigen Freitag ist die Preisverleihung. Der KI Science Film Award wird vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Rahmen des „Wissenschaftsjahres 2019 – Künstliche Intelligenz“ organisiert.

Das Thema ist sowohl hoch spannend als auch hoch emotional: Selbstfahrende Autos, Cyborgs (Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine) als Tagesmütter, Roboter als Pfleger. Die Zukunft scheint der Künstlichen Intelligenz (KI) zu gehören. Viele sehen in ihr eine Offenbarung, die das Leben besser und einfacher macht – etwa im Gesundheits- oder Mobilitätsbereich. Andere warnen vor den Gefahren und entwickeln wahre Horrorszenarien eines zunehmenden Kontrollverlustes des Menschen.

Derart gespalten ist auch der Inhalt des Kurzfilms der beiden Dorfener Brönnle und Wildgrube. „Zoe“ ist ein Film, dessen Grundidee auf Philippa Foots „trolley problem“, ein moralisches Gedankenexperiment, basiert und der sich mit dem menschlichen Verhalten in moralischen Extremsituationen befasst. Dabei beleuchtet die Frage, was das Menschsein im Kern eigentlich ausmacht. Der Kurzfilm geht darauf in Bezug auf die modernen, digitalen Zeiten ein, in der ein humanes Handeln etwa bei selbstfahrenden Autos und aufkommender künstlicher Intelligenz ein hochaktuelles Thema ist. Da muss der Computer unter Umständen entscheiden, welchem von zwei von verschiedenen Seiten auf die Straße laufenden Menschen ausgewichen, und welcher gerammt wird.

Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die Mittelpunkt eines Experiments zweier Wissenschaftler wird, welches sie an ihre psychischen Grenzen bringt und vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe stellt. „Subjekt 17“, wie sie genannt wird, muss im letzten Test über Leben und Tod zweier Unschuldiger bestimmen. Nachdem sie einen Menschen erschossen hat, stellt sich heraus, „17“ ist eine menschgewordene Maschine. Und die traf eine eigenständige Entscheidung, die in ihrer Programmierung nicht vorgesehen war. „Wir zielten mit ,Zoe‘ weniger darauf ab, einen düsteren Sci-Fi-Thriller zu drehen, sondern viel mehr eine Thematik anzuschneiden, die den Zuschauer auch nachhaltig zum Nachdenken anregen soll“, sagt Brönnle zu der Motiation für den Film, auf dessen Idee der Streifen zurückgeht und der auch das Drehbuch geschrieben hat. Neben den beiden Filmemachern wirken auch weitere Dorfener mit, etwa als Schauspieler oder Statisten. Zwischen 10 000 und 12 000 Euro hat der Film gekostet. Die wurden aber nicht nur aus eigener Tasche gezahlt. Durch eine Crowdfunding-Kampagne kamen 2500 Euro zusammen.

Alle Kulissen für den Film wurden selbst gebaut. Die Stadt Dorfen stellte eine leer stehende Halle des städtischen Bauhofs zur Verfügung. Auch ein Messebauer unterstützte Brönnle und Wildgrube.

Brönnle ist ausgebildeter Schauspieler, der während seiner Ausbildung seine Leidenschaft zur Regie entdeckte. Wildgrube ist ausgebildeter Kameramann. Beide haben 2015 die Produktionsfirma „Ratatøsk Productions“ mitbegründet. Mit im Team ist auch noch Tobias Voglhuber, der für VFX, Licht und Grip zuständig ist. Wie Brönnle und Wildgrube ist auch er in Dorfen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach seinem VFX-Studium an der Bayerischen Akademie für Fernsehen arbeitet er seit 2013 als 3D und VFX-Artist.

Welche Erwartungen haben die beiden Dorfener eigentlich für das Abschneiden ihres Films in Karlsruhe? „Keine sehr großen“, sagt Brönnle. „Wir haben doch schon viel erreicht, unser Film wurde schon auf vielen Festivals gespielt. Dabeisein ist alles, ist ein Lernprozess.“ Übrigens: Der Film wird zur Zeit auch im Rahmen des Shocking Shorts Wettbewerbs auf dem Filmfest München gezeigt. Danach wird erfür alle im Internet abrufbar sein.

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