Unvergessen: Apfelpfarrer Korbinian Aigner (M.) bei der Begutachtung einer neuen Apfelsorte. 

Erinnerung an „Apfelpfarrer“ Aigner

Zwischen Kirche, Obstgarten und KZ

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Die Liebe zur Natur wurde dem Bauernbuben Korbinian Aigner wohl in die Wiege gelegt. Als Apfelpfarrer wurde der Hohenpoldinger Jahrzehnte später weit über die weißblauen Grenzen hinaus bekannt. Am morgigen Donnerstag wird an das Leben und Wirken Aigners im Pfarrer-Gammel-Haus in Oberdorfen erinnert.

Oberdorfen – Es war ein außergewöhnliches Leben, das der vor 52 Jahren gestorbene Priester führte. Er war ein bayerischer Dorfpfarrer, dessen Leben von Pfarrhaus, Kirche, Obstgarten und KZ geprägt wurde. Der Obstbau war schon früh die große Leidenschaft des Hohenpoldingers. Und die verbreitete er schon als junger Theologiestudent unter den Leuten. Sein Wissen und Können, sein Charisma waren es, womit er die Leute begeistern konnte. Als Sohn des größten Bauern am Ort genoss er hohes Ansehen. 1908 gründete er in Hohenpolding einen Gartenbauverein. Vom ganzen Holzland und darüber hinaus traten Leute dem Obstbauverein bei. Schon im Frühjahr 1909 wurden 600 Obstbäume gepflanzt. Damals hatte der Obst- und Gemüseanbau noch einen ganz anderen Stellenwert und eine viel größere Bedeutung als heute. Die Menschen mussten ihre Vitamine meist aus dem eigenen Garten beziehen.

1930 stieg der beliebte Geistliche, den man in der Bevölkerung liebevoll Apfelpfarrer nannte, zum Präsidenten des Obst- und Gartenbauvereins Oberbayern auf. Doch Aigner hatte nicht nur Freude am Obstbau. Er war auch ein politischer Mensch. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde er zum Regimekritiker. In vielen seiner Predigten bezog er eindeutig Stellung gegen die Nazis und deren menschenverachtende Ideologie. Das hatte schwerwiegende Folgen: Aigner wurde denunziert. Es folgte die Verhaftung – fünfeinhalb Jahre verbrachte der Pfarrer in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Doch selbst im KZ fand er Möglichkeiten, sich als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft weiter mit dem Obstbau zu beschäftigen. Der Häftling mit der Nummer 27 788 zog aus Apfelkernen heimlich Bäumchen, die er etwa im KZ Dachau zwischen den Baracken pflanzte. Sogar die Züchtung neuer Sorten gelang ihm trotz widriger Umstände. Er nannte sie demonstrativ KZ-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4.

Nach Kriegsende ließ das Interesse am Obstanbau mit dem Aufschwung und dem zunehmenden Wohlstand immer stärker nach. Entsprechend weniger begehrt waren auch Aigners Kenntnisse im Obstanbau.

Am 5. Oktober 1966 starb der Pfarrer in seiner damaligen Pfarrgemeinde Hohenbercha. Er war bis zuletzt nicht nur in seiner Gemeinde hoch angesehen, er war auch Träger des Bayerischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes. Überregional berühmt wurde der Apfelpfarrer nach seinem Tod durch seine Obstbildersammlung: Er vermachte der heutigen Technischen Universität München fast 900 postkartengroße Aquarelle mit Apfel- und Birnenbildern.

Seit die Bilder bei der Documenta, der weltweit wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, im Jahr 2012 gezeigt wurden, sind sie auch einem breiten Publikum bekannt. Sie wurden in Ausstellungen, unter anderem in Warschau und New York, gezeigt. ANTON RENNER


Film über den Geistlichen

Das Katholische Bildungswerk erinnert in Kooperation mit der Pfarrei Oberdorfen und dem Gartenbauverein Zeilhofen an diesem Donnerstag, 21. März, um 19.30 Uhr im Pfarrer-Gammel-Haus in Oberdorfen an den Geistlichen. Gezeigt wird der Film „Korbinian Aigner: Ein bayerischer Dorfpfarrer zwischen Obstbau und Hochverrat“.

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