Dorfen pornografisch: Auf den ersten Blick kann man durchaus glauben, dass die Stadt mit Sex-Anzeigen Geld verdient. Die nackten Tatsachen sind von der Heimatzeitung unkenntlich gemacht worden. Foto: Renner

Dorfens unfreiwilliger Weg in die Pornobranche

Dorfen - Barbusige Frauen in aufreizenden Posen, „geile und günstige Amateure“, die in Livecams ihre Dienste anbieten. Und das alles rund um das offizielle Wappen der Stadt Dorfen. Wer im Internet über Suchmaschinen Dorfen sucht, stößt auch auf Portale, die den Anschein erwecken, als würde die Stadt mit Erotik- und Pornoanzeigen Geld verdienen.

Rechercheergebnisse der Heimatzeitung haben sowohl Stadt als auch Landratsamt gestern in baffes Erstaunen versetzt. Da findet man etwa auf einer Seite detaillierte Informationen über Dorfen. Gelistet werden Basisdaten wie Einwohnerzahl, Landkreiszugehörigkeit und Angaben zum Bürgermeister sowie Anschrift und Gemeindeschlüssel. Informationen gibt es auch zur Stadtgeschichte und wirtschaftlichen Daten. Auch bekannte Dorfener Persönlichkeiten wie etwa die Schriftsteller Josef Martin Bauer und Georg Lohmeier, der Komiker Michael Mittermeier und Unternehmer Erich Lejeune sind neben anderen dort gelistet. Informiert und gelinkt wird auch auf Kultur- und Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie etwa den Asam-Altar in der Pfarrkirche Maria Dorfen.

Rund um die Informationsseite sind eindeutige Anzeigen aus der Porno- und Sexwelt platziert. Wer nicht genau schaut, kann leicht glauben, auf einer offiziellen Internetseite der Stadt Dorfen zu sein.

Dem ist freilich nicht so. Betreiber der Seite ist Fredy Engel – Agentur für Ereignisse, in Osnabrück. Den Inhalt innerhalb der Pornoanzeigen, den so genannten Content, holt sich Engel mittels einer Verlinkung vom Internetlexikon Wikipedia. Offenbar betreibt der Unternehmer, der laut seiner Webseite auch Bands und Künstler managt, das im großen Stil. So sind nicht nur alle Kommunen im Landkreis, sondern wohl fast deutschlandweit alle Städte und Gemeinden gelinkt.

Wikipedia, betrieben von der US-Firma Wikimedia Foundation Inc., ist eine freie Enzyklopädie. Es gibt diese diese nicht nur kostenlos im Internet, sondern jeder darf sie unter Angabe der Quelle und der Autoren frei kopieren und verwenden, so der Sprecher der Deutschen Ausgabe, Nikolas Becker. Dafür sorgt die GNU-Lizenz für freie Dokumentation, unter der die Autoren ihre Texte veröffentlichen. Folglich können wegen der zweifelhaften Verlinkung allenfalls die Autoren der jeweiligen Beiträge klagen. Wikipedia hat dennoch ein Zeichen gesetzt und die Verlinkung durch den Osnabrücker Seitenbetreiber als „Nutzung in schädlichem Umfeld“ eingestuft.

Im Dorfener Rathaus ist man empört, unfreiwillig Teil einer Pornoseite zu sein. Laut Stadtsprecher Georg Seitz ist die Angelegenheit noch gestern an das Landratsamt als zuständige Aufsichtsbehörde weitergeleitet worden. Dort würden die Hausjustiziare den Fall jetzt prüfen.

Vom Landratsamt war gestern keine Stellungnahme mehr zu bekommen. Erst müsste die rechtliche Situation geklärt werden, betonte Behördensprecherin Christina Centner.

Anton Renner

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