Dorfhelferin Annika Preiß: Gute Fee in Gummistiefeln

St. Wolfgang - In der Landwirtschaft muss die ganze Familie zusammenhelfen. Wenn die Bäuerin ausfällt, springt Dorfhelferin Annika Preiß ein. Zur Zeit ist sie bei den Mayers in Grundbichl im Einsatz.

Eine langwierige Krankheit, ein schwerer Unfall - plötzlich läuft alles aus dem Ruder, und auf die Frage, wie es weiter gehen soll, findet sich einfach keine Antwort. Jeanette Mayer aus Grundbichl bei Sankt Wolfgang weiß, wie es ist, wenn ein unerwarteter Zwischenfall nahezu unüberwindbare Hürden mit sich bringt. Ende August ist die zweifache Mutter bei der Arbeit auf ihrem Milchviehbetrieb von der Leiter gefallen. Die Folge: ein Wirbelbruch. „Ich war zwar die ganze Zeit bei Bewusstsein, konnte mich aber nicht mehr bewegen“, erinnert sie sich. Gefunden hat sie ihr 14-jähriger Sohn Christian. „Plötzlich spürt man nur noch die Schmerzen, hört die Sirenen und den Hubschrauber und schämt sich dann aber trotzdem, weil der ganze Aufwand nur wegen dir betrieben wird.“

Zwar war von Anfang an klar, dass die 42-Jährige wieder auf die Beine kommen wird, allerdings stand auch fest, dass ein langer, harter Genesungsprozess vor der zweifachen Mutter liegt. Mittlerweile ist sie wieder daheim, muss sich aber noch schonen und darf nicht schwer heben.

Ehemann Georg war also auf sich allein gestellt. Nicht nur die Arbeit auf dem Hof hätte er stemmen müssen, sondern auch den Haushalt und die Kinderbetreuung. „Das geht vielleicht zwei Tage, aber danach ist das ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt er. „Die Arbeit auf dem Hof ist auf beide ausgelegt. Wenn einer ausfällt, fallen 50 Prozent aus. Das kann man allein nicht kompensieren.“

Umso erleichterter war er, als Annika Preiß den Hof betreten hat. Sie ist hauptberufliche Dorfhelferin und kommt zum Einsatz, wenn die Bäuerin unerwartet ausfällt. Von heute auf morgen wird ein kompetenter Ersatz für die Haus- und Hofarbeit benötigt - Annika Preiß’ Startsignal. Über den Maschinenring wird die Mitarbeiterin der Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer in Bayern (KDBH) vermittelt.

Die 24-Jährige ist eine von zwei Dorfhelferinnen der KDBH-Station Erding, die neben zwei Betriebshelfern, der männlichen Version, im Landkreis tätig sind. Seit dreieinhalb Jahren hat sie ihre fünfjährige Ausbildung abgeschlossen und bereits über 30 Einsätze bewältigt. Durch ihren Job kam die gebürtige Bayreutherin in den Landkreis, wo sie in Dorfen wohnt.

Hälfte Haushalt,

Hälfte Stallarbeit

Im Rahmen der drei- bis viermonatigen Einsätze, die sie bei hilfsbedürftigen Familien verbringt, unterstützt sie diese zur Hälfte im Haushalt und bei der Kinderbetreuung und zur Hälfte bei der Stallarbeit. Sie weiß: „Dorfhelferinnen müssen anpassungsfähig und selbstständig sein. Sie müssen sich schnell in die Gegebenheiten einfinden und darauf achten, dass die Arbeit nahtlos weiterläuft.“

Am wichtigsten sei die Belastbarkeit. „Man sieht ja auch richtige Schicksale, damit muss man zurecht kommen.“ Preiß ist bewusst, dass man für die betroffene Familie da sein sollte, eine gewisse Distanz zum Einsatz dürfe jedoch nicht verloren gehen.

Im Fall der Mayers wird ihr der Abschied vermutlich schwer fallen. „Annika gehört eigentlich schon zur Familie“, sagt Georg Mayer. Für die zehnjährige Karina und ihren großen Bruder Christian ist sie wie eine gute Freundin. Die Mutter könne sie natürlich nicht ersetzen, den Alltag erleichtert sie den Betroffenen aber zweifellos.

„Es war für mich einfach eine enorme Erleichterung zu wissen, dass da jemand ist, auf den man sich verlassen kann. Ich bin ihr so dankbar“, erzählt Jeanette Mayer. Auch der Familienvater ist rundum zufrieden mit der neuen Arbeitskraft: „Für uns war sie ein Sechser im Lotto.“

Wenn alles nach Plan läuft, wird Annika Preiß noch bis März auf dem Familienbetrieb tätig sein. Anschließend wird sie weitervermittelt, auf einen neuen Hof, in eine unbekannte Familie, mit einem Schicksal, das bislang noch in den Sternen steht.

Um weiterhin als helfende Hand tätig sein zu können, sind die Angestellten der KDBH-Station in Erding auf Spenden angewiesen. Ihr Einsatz wird vom Sozialversicherungsträger zwar vergütet, das reicht jedoch nicht aus, um alle entstehenden Kosten auszugleichen. Mit einem Teil der Spenden, die dem Leserhilfswerk der Heimatzeitung, Licht in die Herzen, zugeführt werden, soll diese Finanzierungslücke geschlossen werden, um die „guten Feen“, wie Jeanette Mayer sie nennt, weiterhin vermitteln zu können.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Katholischen Dorfhelferinnen und damit Familien wie die Mayers. Spenden sind auf das Konto Nr. 17 111 bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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