Drei Läden hat Juliane Kornek mittlerweile im Landkreis – hier in ihrem Neufinsinger Stammgeschäft. Neuchings Bürgermeister Hans Peis freut sich, dass Kornek auch in seiner Gemeinde die Nahversorgung sichert. foto: oldach

Dorfläden: Von Romantik allein kann keiner leben

Landkreis - Sie führen einen Überlebenskampf im großen Schatten der Discounter. Aber noch gibt es die Dorfläden im Landkreis in verschiedenen Formen - vom Tante-Emma-Laden bis zum Klein-Supermarkt mit Filialen. Und bald kommen von einem Bürger-Kollektiv finanzierte Geschäfte dazu.

Gibt es sie eigentlich noch, die Romantik des Dorfladens, in dem sich die Nachbarschaft tagtäglich trifft, Neuigkeiten austauscht und zudem noch g’scheit einkauft und damit den Ladenbesitzer glücklich macht? Nun, bis zu einem gewissen Grad schon noch. Doch laut Staatsregierung hat rund ein Viertel der gut 2000 Gemeinden in Bayern kein Lebensmittelgeschäft mehr.

In Pastetten gibt es noch einen Dorfladen, doch Martin Wimmer, der ihn in seiner Bäckerei betreibt, klingt nicht glücklich. In Forstinning hat der Familienbetrieb eine Filiale. Neben Backwaren gibt es bei Wimmer Lebensmittel wie Milch, Joghurt und Süßigkeiten. Auch Zeitungen kann man dort kaufen. Aber das Sortiment wurde verkleinert, Wimmer erzählt: „Es ist nicht mehr so wie früher. Das Geschäft läuft so dahin. Wenn zum Beispiel jemand Erdbeerjoghurt will, dann kauft er keinen Aprikosenjoghurt. Früher war das nicht so. Un jetzt müssen es zum Beispiel 15 Sorten Nudeln von vier verschiedenen Herstellern sein.“ Da könne man mit Supermärkten eben nicht mehr mithalten. Auch bei den Backwaren läuft es Wimmer zufolge „spärlich. Allzu viel darf nicht mehr passieren. Sonst wird’s eng“.

Angewiesen auf den Dorfladen sei heutzutage, wo jeder einen Führerschein habe, ohnehin fast niemand mehr, wie Georg Oberwallner feststellt. Er betreibt zusammen mit seiner Schwester Maria Götz und Aushilfskräften einen Edeka-Laden in Hohenpolding. Oberwallner ist zwar „sehr zufrieden“ damit, wie das Geschäft läuft. Hinter der Romantik Dorfladen müsse man aber auch die harte Arbeit sehen. Oberwallner bezieht nicht nur von Edeka, sondern auch täglich frische Ware von diversen Metzgern. Er muss stets auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis achten - keine leichte Aufgabe angesichts der Konkurrenz durch Discounter: „Man muss sich dem Überangebot stellen. Jeder will was vom Kuchen haben“, lautet sein Fazit.

Keinen leichten Zeiten sieht auch Juliane Kornek entgegen. Sie betreibt einen „kleinen Großmarkt“ mit drei Filialen in Neufinsing, Ottenhofen und Niederneuching. „Ich bin für die Praxis zuständig, mein Mann Rudolf fürs Büro.“ Außerdem hat der Familienbetrieb noch 17 Angestellte. „Bei uns gibt es alles wie beim großen Supermarkt - halt nur auf das Nötigste reduziert und kein Fleisch.“ Vieles bezieht Kornek von Edeka, Wurst und Käse beispielsweise aber auch von kleineren Lieferanten.

Existenzängste trägt Kornek nicht mit sich herum. „Was bringt es, wenn ich mir jetzt den Kopf zerbreche? Man kann ohnehin nicht fest planen.“ Planen kann sie aber mit verstärkter Konkurrenz, denn 2015 kommt ein Netto-Markt nach Neufinsing: „Das kann man nie aufhalten. Ich muss jetzt halt Ideen finden.“

Kommunen wie Wörth oder Langenpreising nehmen die Herausforderung Dorfladen im Kollektiv an. Erst vergangene Woche hat sich in Langenpreising die Dorfladen-Gesellschaft gegründet. Deren Ziel ist die Errichtung eines solchen Geschäfts gegenüber dem Schmankerlhof Oberwirt. Bis zum Wochenende haben 100 Anteilseigner insgesamt 31 450 Euro Eigenkapital gezeichnet. Das ist schon etwas mehr als ein Drittel des nötigen Startkapitals. In der Unternehmergesellschaft hat jeder Anteilseigner eine Stimme, unabhängig von der Zahl der Anteile. Auch die Kommune ist dabei.

Etwas weiter ist man bereits in Wörth. Der bürgerschaftlich geführte Dorfladen öffnet im Dezember seine Pforten, im zukünftigen Gemeindehaus am neuen Dorfplatz. Dort sollen vor allem Produkte aus der Umgebung angeboten werden, wie Gesellschafterrätin Claudia Triller erklärt. Bisher hat man in Wörth bereits gut 160 Gesellschafter und eine Kapitalanlage von über 42 000 Euro.

„Langepreising und Wörth sind bezuschusst. Da wird Kapital gebunden, das ein Einzelner erstmal privat stellen muss. Dazu kommen Heiz-, Personal- und Lagerhaltungskosten et cetera“, erklärt Christian Huber, der in Walpertskirchen nicht nur seine Metzgerei betreibt, sondern auch einen waschechten Dorfladen. „Von Apfel bis Zahnpasta haben wir alles, was zur Nahversorgung gehört“. Sein Motto: „Was Sie brauchen, haben wir. Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht.“

Huber, Obermeister der Erdinger Metzger-Innung, kennt die Probleme, mit denen sich Dorfläden heutzutage herumschlagen müssen. „Der Knackpunkt ist der Umsatz. Wenn der zu niedrig ist, wird’s unrentabel.“ Hinzu komme der „Kopf des Kunden“. Denn in diesem drehe es sich schon um zehn Cent Preisunterschied zwischen Dorfladen und Supermarkt, beispielsweise bei einem Päckchen Zucker.

„Egal, welcher Lieferant - jeder hat eine bestimmte Mindestabnahmemenge.“ Erfüllt er sie nicht, wird ein Mindermengenzuschlag fällig, der sich im Verkaufspreis niederschlägt. Und: „Wenn man zum Beispiel weniger Obst abnimmt, wird man abgestuft und plötzlich nicht mehr dreimal, sondern nur noch zweimal pro Woche angefahren. Dann ist die Ware nicht mehr so frisch. Da befindet man sich in einer Abwärtsspirale“, erklärt Huber weiter.

Hubers Fazit: „Das A und O ist, dass das Dorf im Dorfladen einkauft“ - und nicht nur die zuvor im Supermarkt vergessene Kleinigkeit. „Das hat ja auch einen sozialen Aspekt. Denn man kommuniziert dort miteinander.“ Huber fürchtet, dass das bald vorbei ist: „Die Zukunft sieht nicht sehr rosig aus.“

mas

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