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Pater Stephan und die Drohne des Glaubens über Landersdorf

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Von: Anton Renner

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Feierlicher Auszug: Nur einige Hundert Gläubige durften unter strengen Hygienerichtlinien an dem Gottesdienst unter freiem Himmel teilnehmen.
Feierlicher Auszug: Nur einige Hundert Gläubige durften unter strengen Hygienerichtlinien an dem Gottesdienst unter freiem Himmel teilnehmen. © Hermann Weingartner

Was für ein Tag für die Pfarrei Oberdorfen und für Neupriester Pater Stephan Waxenberger, seine Familie und viele Gläubige. Bei strahlendem Sonnenschein und weißblauem Himmel hat der 28-jährige Landersdorfer eine Woche nach seiner Priesterweihe am Sonntag seine Heimatprimiz gefeiert.

Landersdorf - Nur einige Hundert Gläubige durften unter strengen Hygienerichtlinien an dem Gottesdienst unter freiem Himmel teilnehmen. Aber immerhin. „Lange Zeit sah es danach aus, als müssten selbst die liturgischen Feierlichkeiten ganz im Kleinen stattfinden. Daher bin ich umso glücklicher, dass zumindest die Gottesdienste in Altötting und in Landersdorf mit dieser großen Anzahl an Gläubigen stattfinden konnten“, sagte der Neupriester.

Zur Primiz war er an seinem Elternhaus abgeholt worden. Primizlader Xaver Reiser zeigte sich über die Vorbereitungen zur Feier beeindruckt, bei denen so viele mithalfen: „Hut ab!“ Reiser stimmte den Primizianten auf seine Aufgaben ein. „Es wird nicht immer leicht sein“, da es immer weniger Gläubige würden und die Kirche kleiner. In einen Neupriester setzten die Menschen Erwartungen und Hoffnungen. Viele Menschen seien in der virtuellen Welt gefangen, würden Konsum über alles stellen. Die unendliche Macht und Gier vieler habe die Welt in eine Krise gestürzt. Pater Stephan wolle sich als Priester dem entgegenstellen.

Maßkrug, Karten und eine Drohne

Zusammen mit der engsten Familie, Ministranten und Klerikern wurde dann in einer kleinen Prozession unter den Klängen der Kirchdorfer Blasmusik und Fahnenabordnungen der Ortsvereine zur Festwiese gezogen. Ganz Landersdorf hatte sich festlich herausgeputzt und die Häuser geschmückt.

Dorfens Pfarrer Pater Sczcepan Matula wünschte Pater Stephan den Mut und die Kraft, das Evangelium auch unter schwerer werdenden Umständen mit ganzer Hingabe verkünden zu können.

In dem von einem Festzelt von drei Seiten umgebenen Altarraum feierte Pater Stephan unter einem Bild der Gottesmutter Maria „Unserer Lieben Frau zu Dorfen“ dann seinen ersten Gottesdienst in der Heimat. Mit am Altar waren fast zwei Dutzend Geistliche, Ordensbrüder und Ministranten. Davor stand ein Blumenbild mit dem Primizspruch des Paters: „Kommt und seht“.

Zeig du uns den Weg zum Glück, den Weg zum Himmel, den Weg zu Gott! Hilf uns, mit der Drohne des Glaubens zum Himmel zu finden!

Pater Martin Linner zum Primizianten

Die Primizpredigt hielt Pater Martin Linner. Der gebürtige Tachertinger gehört wie der Primiziant, der Kongregation der Diener Jesu und Mariens an und arbeitet im Staatssekretariat des Vatikans. Mit einem Maßkrug, einem Kartenspiel und einer Kameradrohne erklärte der Geistliche das Wirken eines Priesters, im Besonderen das künftige von Pater Stephan, „einem coolen Typen“, wie Pater Martin meinte.

Der Maßkrug stehe dafür, dass dieser voll der Gnade Jesu sei, die der Priester an andere austeilen dürften. Das solle dazu führen, „dass wir trunken, ja betrunken werden, von der Liebe Christi“. Pater Martin nannte einen alten Werbeslogan des Erdinger Weißbräu: „So schmeckt Bayern!“ Pater Stephans Slogan sollte lauten: „So schmeckt der Himmel!“.

Mit dem Kartenspiel ging der Prediger symbolisch auf das Watten ein, bei dem die drei Kritischen Spitz, Belle und Maxe stechen würden. Aufgabe des Priesters sei es, „immer den Herzkönig, also Christus, den König, auszuspielen“. Dabei müsse niemand Angst haben, „wir spielen immer mit Jesus zusammen, sind mit ihm immer auf der Siegerseite. Der Herzkönig sticht die Gegner Not, Leid, Sünde“, so der Prediger. Die Karte werde vom Priester etwa bei der Beichte ausgespielt, „mit den mächtigen Worten ,Ich spreche dich los von deinen Sünden‘“.

Herzkönig sticht: Pater Martin Linner hatte einen besonders Trumpf parat.
Herzkönig sticht: Pater Martin Linner hatte einen besonders Trumpf parat. © Hermann Weingartner

Eingehend auf die Drohne verriet der Prediger, dass Pater Stephan demnächst einmal mit einem Motordrachen fliegen wolle. Ein Zeichen dafür, dass sich Menschen gerne nach dem Himmel ausstreckten. Sinnbildlich stehe das dafür, „dass letztlich die Sehnsucht nach Gott über allem steht“. Pater Martin nahm eine zu ihm fliegende Kameradrohne in Empfang. Damit erhalte man eine „himmlische Perspektive, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Die Drohne des Glaubens lässt uns die Wahrheit erkennen“. Mit Hilfe des Heiligen Geistes, der als himmlische Drohne zu sehen sei, „können die Menschen mit Jesus kommunizieren. Dazu braucht es den Mut, die Flügel des Glaubens zu nutzen“. Doch viele Menschen hätten Flugangst. Beim Glauben an Gott müsse niemand Angst haben vor einem Absturz, „weil uns Jesus Christus immer trägt und schützt“. An Pater Stephan gerichtet sagte der Prediger: „Zeig du uns den Weg zum Glück, den Weg zum Himmel, den Weg zu Gott! Hilf uns, mit der Drohne des Glaubens zum Himmel zu finden!“

Zum Ende des Gottesdienstes segnete Pater Stephan die weißgelben Primizbänder und heftete sie dann zur Erinnerung an den großen Tag an die Fahnen der Vereinsabordnungen aus der Pfarrei.

Primizsegen für die Gläubigen

Von den anwesenden Politikern sprachen Landrat Martin Bayerstorfer und Bürgermeister Heinz Grundner. Bayerstorfer sprach von einem „bewegenden Erlebnis“, das eine Primiz sei. Gerade in einer Zeit der Verunsicherung bräuchten die Menschen Halt und Orientierung. Deswegen sei es so wertvoll, dass sich junge Menschen für den Priesterberuf entschieden. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir gerade mit Stephan Waxenberger einen Priester haben, der sich um die Menschen sorgen wird.“

Auch Bürgermeister Grundner drückte seine Freude darüber aus, dass mit Pater Stephan „ein junger Mann seiner Berufung gefolgt ist“. Die letzte Primiz liege 25 Jahre zurück, umso mehr freue es alle Dorfener, dass dies nicht die letzte gewesen sei. Grundner wünschte Pater Stephan „viel Kraft, viel Mut“, für seinen Beruf, seine Berufung. Er wünsche sich, dass die Verbundenheit zur Heimat immer bestehen bleibt. Um diese Verbundenheit zu bezeugen, schenkte Grundner dem Primizianten einen Stahlstich Dorfens.

Unter der Gottesmutter Maria „Unserer Lieben Frau zu Dorfen“ feierte Pater Stephan Waxenberger, seinen ersten Gottesdienst in der Heimat. 
Unter der Gottesmutter Maria „Unserer Lieben Frau zu Dorfen“ feierte Pater Stephan Waxenberger, seinen ersten Gottesdienst in der Heimat.  © Hermann Weingartner

Im Interview mit der Heimatzeitung (Bericht folgt) deutete Pater Stephan schon an, dass in die Heimatpfarrei durchaus mal als Gast-Zelebrant erleben kann. „Ich bin in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder zu Besuch in der Heimat. Dann wird es vermutlich auch die Möglichkeit geben, gemeinsam Heilige Messe zu feiern.“

Bei seiner Primiz gestern bedankte er sich für ein „überwältigendes und ergreifendes Erlebnis“, das ihm seine Heimatpfarrei beschert habe. Beeindruckt zeigte sich der Primiziant von der „perfekten Organisation“ der Primiz und der musikalischen Darbietung des Chores Lyrico Vocale unter der Leitung von Lydia Ulrich-Riedl. Zum Abschluss spendete der Neupriester in seiner ersten Messe in seiner Heimatgemeinde den Gläubigen den Primizsegen. Der gilt in Bayern als etwas ganz Besonderes.

Primiz-Video

Die Primiz wurde live auf dem Youtube-Kanal der Pfarrei Maria Dorfen übertragen. Dabei wurden Bilder gezeigt, unter anderem Luftaufnahmen von einer Drohne. Das Video ist über www.erzbistum-muenchen.de/pfarrei/pv-dorfen abrufbar.

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