Auf Einladung der AbL referierte Dr. Hansjörg Walther über Gentransfer. Foto: macht

Die dunkle Seite des Gentransfers

Pastetten - Über die Risiken, aber auch mögliche Chancen von Gentransfer informierte Züchtungsexperte Dr. Hansjörg Walther am Dienstagabend.

30 Jahre lang war Dr. Hansjörg Walther im Institut für Resistenzgenetik in Grünbach mit Züchtungsgenetik beschäftigt. Sein Wissen in Sachen Gentransfer gab er am Dienstagabend auf Einladung der Regionalgruppe Erding-Ebersberg der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) im Pastettener Gasthof Winner weiter.

Schwerpunkt des Vortrags waren gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Diese entstehen durch Gentransfer, also durch den Einbau arteigener oder artfremder Gene. „Das ist für die Industrie sehr interesant, da es schneller geht als die konventionelle Kreuzungszüchtung und eher Gewinne bringt“, erklärte Walther.

Als Kernproblem erachtet der Experte, dass bei dieser Methode fremde Gene in Organismen eingebaut werden, um bestimmte Effekt zu erzielen. Kontrollierbar ist dieser Vorgang nur bei Bakterien, nicht aber bei Pflanzen und Tieren. Zudem könnten Wechselwirkungen mit bereits vorhandenen Genen auftreten. So könnten fremde Gene zum Beispiel Onkogene, also Krebsgene, stimulieren und somit eine Krebserkrankung hervorrufen.

Beispiele für GVO-Organismen gibt es viele. Das wohl berühmteste ist MON810, eine Maissorte des US-Agrarkonzerns Monsanto, die seit 2009 in Deutschand nicht mehr angebaut werden darf. Die Sorte produziert dank eines Gens des Bacillus thuringiensis (Bt) eigenständig Toxine, die giftig sind für Schmetterlinge, Käfer und Zweiflügler wie Bienen. Dabei gebe es auch natürliche Methoden, um gegen Schädlinge wie den Maiszünsler vorzugehen, etwa eine geregelte Fruchtfolge oder das Spritzen mit natürlichen Stoffen.

Bei den Pflanzen nannte Walther unter anderem Mais und Soja, deren Anbau auf Versuchsfeldern in Deutschland erlaubt ist. Die Veränderung von deren Genomen mit Hilfe fremder Gene könnte durchaus kommerzielle Vorteile mit sich bringen: Obst und Gemüse könnten mehr Vitamine enthalten, länger haltbar gemacht und zur Produktion von Pharmaka genutzt werden. Ähnliches gelte für Tiere wie Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Letztere wurden gentechnisch verändert, um Milchinhaltsstoffe zu beeinflussen. „Dem gegenüber stehen gesundheitliche Risiken bei Tier und Mensch, Allergie- und Resistenzbildungen etwa gegen Antibiotika“, warnte Walther.

„Lebensmittel wie Obst und Gemüse, die gentechnisch verändert wurden, unterliegen einer Kennzeichnungspflicht. Bei Produkten von Tieren, die mit GVO-Pflanzen gefüttert wurden, ist das nicht so“, monierte der Experte und erklärte, dass auch Milchprodukte, Fleisch und Eier gekennzeichnet werden sollten. Denn die Fütterung mit GVO-Pflanzen könne schwerwiegende Folgen haben. So könnten Honig aus Nektar von GVO-Mais verunreinigt oder Bt-Toxine in Kuhmilch nachweisbar sein. Zudem könnten Resistenzgene via Futtermittel Darm, Leber und Immunsystem schädigen - auch beim Menschen, der diese Produkte verzehrt.

vam

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