Die echte Alte Römerstraße

Erding - Gleich in zweifacher Hinsicht historisch sensationell sind Funde, die Erdinger Archäologen im Zuge der Sanierung der Friedrich-Herbig-Straße gemacht haben. Nun kann eine Straße der alten Römer genau verortet werden. Zudem wurden Hinweise auf keltische Häuser entdeckt.

Die alten Römer verfügten vor gut 2000 Jahren offenkundig über versierte Straßeplaner, die das gesamte Reich mit Durchgangsrouten durchzogen. Auch durch den Landkreis Erding führten einige Wege, drei in Nord-Süd-Richtung, eine im nördlichen Landkreis im Ost-West-Verlauf. Bemerkenswert: Die heutige Flughafentangente Ost im westlichen Kreisgebiet und die B 15 Rosenheim - Landshut im Osten haben ähnliche Verläufe.

„Wir wussten, dass es eine antike Römerstraße durch Erding gibt, allerdings ist es uns bislang nicht gelungen, diese genau zu verorten“, berichtete gestern der Erdinger Archäologe Harald Krause in einer Pressekonferenz mit Bürgermeister Max Gotz im Museum Erding.

Diese Wissenslücke wurde Anfang Juli durch Zufall geschlossen - im Zuge der Totalsanierung der Friedrich-Herbig-Straße, die bis dato im Ruf stand, Erdings übelste Rumpelpiste zu sein. Krause und seine Helfer sprechen von einem zirka 16 Meter langen Teil der Sempttalstraße, die sie in gut 50 Zentimeter Tiefe aufgespürt haben.

Krause berichtete, dass es sich um eine aufgekieste Fahrbahn mit etwa fünf Metern Breite und zwei flankierenden Gräben gehandelt habe. Lediglich die Entwässerung ist heute noch in Spuren erhalten. Doch diese stummen Zeugen sind Beweis genug, wo die Straße ab dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt verlaufen ist. Laut Krause wurde sie etwa 200 bis 300 Jahre genutzt. Der Archäologe stellte klar, dass es sich nicht um eine Römerstraße nach bekanntem Muster handle, nämlich als mit Steinplatten belegter Fahrweg nach dem Vorbild der Via Appia in Rom oder in den Fels gehauen wie etwa bei Garmisch-Partenkirchen. Noch auf der Suche ist das Team um Krause nach einem Meilenstein, vergleichbar mit einem heuten Straßenschild, das die Richtung und die zu erreichenden Ziele angibt.

Zur Lage der Straße erläuterte Krause: Wir gehen davon aus, dass sie durch das Gebiet des Bebauungsplans Poststadel zwischen Friedrich-Herbig-Straße und B 388 in Richtung Langengeisling verläuft. Die Luftbilarchäologie, unterstützt von Pilot Hans Seeholzer und dem Fliegerclub Erding, habe hierfür wertvolle Hinweise geliefert. Im Norden der Kreisstadt ist sie als östliche Parallele zur heutigen Alten Römerstraße - der Name stammt aus dem Jahr 1964 - verlaufen. Im weiteren Verlauf führt sie entlang der Staatsstraße in Richtung Berglern weiter in den Norden des Landkreises.

Die antike Wegachse verband einst als Nord-Süd-Tangente die im Norden des Landkreises durch Gaden, Zustorf und Langenpreising führende Isartalstraße mit der im Süden des Landkreises im Gemeindegebiet von Isen südlich von Fahrnbach verlaufenden Strecke von Augsburg nach Wels. Für Krause war es eine „Lebensader“.

Als wäre dieser Fund nicht aussagekräftig genug, stießen die Archäologen auf weitere Zeugnisse früherer Jahrhunderte: Im Bereich Friedrich-Herbig-Straße haben die Archäologen weitere bedeutende Funde aufgetan, von denen Krause annimmt, dass sie überregional für Aufsehen sorgen werden. Es wurden drei versetzt zueinander stehende so genannte Schwellrahmenbauten gefunden. „Sie stammen aus der Spätkeltenzeit, also etwa aus dem ersten Jahrhundert vor Christi Geburt. Ihre Bedeutung ist so enorm, weil es auf diesem Gebiet bislang so gut wie keine Funde gibt“. Wenn etwas ausgegraben werde, seien es meist Tonscherben, die auf frühere Besiedlung schließen ließen, etwa im Bereich des Kletthamer Feldes.

Krause und Bürgermeister Gotz wollen im Bereich Friedrich-Herbig-Straße/Einmündung Rennfeldweg einen zweiten „extramusealen Punkt“ schaffen, wie es ihn an der Merowingerstraße seit kurzem gibt. Denn die Straße als solche kann nicht erhalten, sondern nur dokumentiert werden. Ein Infopunkt könnte laut Gotz und Krause dazu beitragen, an das Erbe zu erinnern und zugleich einen Treffpunkt zu schaffen. Überdies schlägt Krause Hinweise auf Kreuzungspunkte heutiger Straßen mit den Wegen aus der Vor- und Frühgeschichte an. Im Bereich Poststadel kann sich Gotz vorstellen, einen Erschließungsweg „Sempttalstraße“ zu nennen.

Der Bürgermeister lobte das ehren- und hauptamtliche Team des Archäologischen Vereins Erding. „Zum Glück sind wir heute nicht mehr in der Zeit ab den 60er Jahren, als Grabungen als großes Hindernis beim Bau angesehen wurden.“ Heute seien Bauherrn teils sogar stolz, wenn auf ihrem Grund keltische oder römische Zeitzeugen aufgespürt werden. Er und Krause betonten, man sei bemüht, die Archäologie gleich in die Planung mit einzubringen, damit es beim Bau zu keinen Verzögerungen kommt.

Hans Moritz

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