Vizeweltmeister Sven-Oliver Buder mit dem Pferd seiner Ex-Frau Petra in Eichenried. Foto: nie

Eichenried widmete Buder ein Straßenfest

Eichenried - Sieben glückliche Jahre lebte der Kugelstoßer Oliver-Sven Buder in Eichenried. Während dieser Zeit feierte er seine größten sportlichen Erfolge.

Erst einen Tag nach dem historischen Tag, der Öffnung der Mauer und der Grenzen am 9. November 1989, erfuhr der Kugelstoßer Oliver-Sven Buder von dem Ereignis. „Ich konnte es gar nicht glauben. Damals war ich 23 Jahre alt, lebte ich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt, wie es damals hieß. Ich war Junioren-Europameister, gehörte dem Nationalkader der DDR an und trainierte als Sportstudent für die Europameisterschaft 1990“, erinnert sich Buder.

Nach dem Training blieb ihm nicht viel Zeit, Westfernsehen gab es in seiner Heimatstadt nicht. „Freunde berichteten mir am nächsten Tag beim Training, dass wir ab sofort jederzeit ausreisen dürfen“, so Buder. Das wollte er ausprobieren. Er setzte sich in seinen Trabant „und machte in Eisenach über die Grenze“, wie er es ausdrückt. „Erst einmal stellte ich mich in Hof in die Schlange meiner Landsleute und holte mir die 100 Mark Begrüßungsgeld. Die wollte ich mir nicht entgehen lassen und dann ging es zum Einkaufen. Das war für uns DDR-Bürger damals selbstverständlich.“

Nach diesem kurzen Ausflug in den Westen kehrte er aber zunächst wieder in die DDR zurück. „Erst langsam begann ich nachzudenken. Als Kadersportler ging es mir eigentlich gut. Alles war für mich organisiert. Ich musste mir keine Sorgen machen“, so Buder.

1990 trat er bei der Europameisterschaft noch für die DDR an, wurde Vizemeister. Doch im gleichen Jahr kam es zur Wiedervereinigung. „Damit endete auch das Sportsystem der DDR. Ich hatte zwei Angebote, entweder als Sportsoldat der Bundeswehr oder beim TV Wattenscheid. Das klang damals verlockender. Der Vorsitzende und Mäzen des TV Wattenscheid, Klaus Steilmann, bot mir eine Ausbildung zum Industriekaufmann an“, an.

Zunächst lebte er auch dort, lernte dann aber seine spätere Gattin Petra bei einem Sportmeeting kennen. Gemeinsam mit der Fürstenfeldbruckerin zog er nach Eichenried. Dort lebte das Paar zunächst in der Gfällachstraße, bis sie ein eigenes Haus in der Finkenstraße bauten.

Buder wurde ein echter Eichenrieder. Bei den Weltmeisterschaften 1997 und 1999 feierte er seine größten Erfolge, holte sich jeweils den Vizetitel. In der Gfällachstraße wurde ihm zu Ehren ein Straßenfest nach diesen Erfolgen ausgerichtet, die Gemeinde Moosinning gab einen Empfang. Und damit er sich professionell auf die Olympischen Spiele 2000 in Sydney vorbereiten konnte, wurde im Stadion eigens eine Kugelstoßanlage errichtet. Seinen Traum, den Start bei der Europameisterschaft 2002 in München, konnte er nicht mehr verwirklichen. Ein Bandscheibenvorfall beendete seine Karriere.

Er lebt gegenwärtig in Kiel und ist dort Shopleiter von Elkline, einem Freizeitmodenhersteller. Aber Moosinning hat er nicht vergessen. „Ich komme wieder zu Besuch und gehe beim Schnitzelwirt essen“, meint er. (nie)

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