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Vorsichtig aus der Backform herausnehmen – dann macht sich Anneliese Speer an das äußere Erscheinungsbild ihres Osterlams. Traditionell wird das Gebäck mit Puderzucker bestäubt. Die Landwirtin aus Harthofen empfiehlt als Alternative eine Vanilleglasur, dann bleibt das Lamm saftig.

Osterlamm

Ein Segen für jedes Osterfrühstück

Viele Gläubige genießen ein Osterlamm. Das Tier ist ein Symbol für das Leiden Christi. Das gesegnete Gebäck ist eine Bereicherung für Frühstück oder Kaffeekränzchen am Osterwochenende.

von Elvi Reichert

LandkreisDas Osterlamm gehört zu den bekanntesten Bräuchen rund ums Osterfest. In vielen Küchen wird es gebacken und dann zur Weihe beim Ostergottesdienst gebracht. Anneliese Speer gehört zu jenen Küchenfeen, der Traditionen und religiöse Rituale wichtig sind. Für die 51-Jährige, die zusammen mit ihrem Mann eine Landwirtschaft in Harthofen betreibt, ist es auch wichtig, diese Bräuche an ihre Nachkommen weiterzugeben. Für die Heimatzeitung hat sie ein Osterlamm gebacken und verziert. „Ganz wichtig ist auch die Siegesfahne, die die Freude über die Auferstehung symbolisiert“, sagt sie.

„Auch in meiner Familie habe ich von klein auf mit meiner Mutter das Osterlamm gebacken, aber es gibt kein Familienrezept“, erzählt die Bäuerin. Sie liebt es, den Rührteig immer wieder zu verändern, sei es mit Mandeln, Eierlikör oder anderem. Auch Tochter Bettina, die erst vor kurzem Mutter geworden ist, hat die Tradition bereits übernommen. Für die beiden im Haus lebenden Söhne sind die Rituale rund um Ostern eine Selbstverständlichkeit, waren doch alle Ministranten und sind mit den religiösen Bräuchen bestens vertraut – nicht zuletzt weil die Mama viele Jahre im Pfarrgemeinderat engagiert war.

Geweihte Eier und Palmkätzchen

Für Anneliese Speer erinnert das Osterlamm an das Passah-Fest, zu dem ein Lamm geschlachtet wurde. Ganz praktisch symbolisiert es auch die Freude auf das Osterfrühstück nach der 40-tägigen Fastenzeit. In den Tagen vor Ostern ist Speer damit beschäftigt, Osterlämmer zu backen. „Nicht alle erleben die Festtage, weil sie vorher schon gegessen werden“, erzählt sie lachend.

Am Ostersonntag steht nicht nur das gebackene Osterlamm im hübsch dekorierten Korb. Auch gefärbte Gründonnerstagseier, Schinken, Brot und Salz liegen darin, die beim Ostergottesdienst ebenfalls geweiht werden. Die Gründonnerstagseier sammelt Speers Mutter von den eigenen Hühnern in Lengdorf. Auf ihrem eigenen Hof ist es Anneliese Speer wichtig, möglichst viele Zutaten aus der eigenen Herstellung zu verwenden. Die Gründonnerstagseier werden separat gekocht und am Karfreitag gefärbt. Im Osterkorb sollen sie sich nicht mit den anderen Eiern vermischen. Jedes Familienmitglied bekommt bei den Speers ein geweihtes Gründonnerstags-Osterei. Die Schalen der geweihten Eier werden zusammen mit einem geweihten Palmkätzchenzweig aufs Feld gebracht, um für eine gute Ernte zu sorgen.

„Die geweihten Palmkätzchenzweige haben wir als Kinder mehrmals ums Haus getragen, das sollte Unheil von den Hausbewohnern abhalten“, erinnert sich die 51-Jährige. Das geweihte Salz wird auf das Futter der Kühe verteilt, es soll für Gesundheit sorgen. Wenn die Familie beim Osterfrühstück zusammen sitzt, so brennt die Osterkerze, die Anneliese Speer zuvor in der Kirche an der Osterkerze entzündet hat.

Rezept und religiöse Hintergründe:

Katholische Tradition: „Christus ist das Lamm, das für uns geopfert wurde“, erklärt Martin Garmaier, katholischer Pfarrer in Erding. „Das Lamm erinnert an die biblische Geschichte des Auszugs aus Ägypten, heraus aus der Sklaverei und hinein in die Freiheit. Diese Geschichte ist bei den Juden das zentrale Fest, das Passahfest, zu dem ein Lamm geschlachtet wird.“ Viele Katholiken lassen das Osterlamm beim Ostergottesdienst weihen. „Aber nicht nur das Osterlamm, sondern das ganze Osterfrühstück soll gesegnet werden“, sagt Garmaier. Wegen seines weißen Felles gilt das Lamm auch als Symbol der Reinheit. 

Evangelische Deutung: „Das Opferlamm ist weiß, aber ob die damals wirklich immer weiß waren?“, fragt Henning von Aschen, evangelischer Pfarrer in Erding. Das Lamm sei als unschuldiges Wesen im Tempelkult des alten Israel geopfert worden. In der evangelischen Kirche gebe es die Speisenweihe nicht, denn: „Wir segnen keine Gegenstände, sondern nur Menschen“, erläutert von Aschen. 

Zubereitung: Zwei Eier und 100 Gramm Zucker mit 100 Gramm Schlagsahne gut aufschlagen, dann 125 Gramm Mehl mit einem Viertel-Teelöffel Backpulver vermischen und unterrühren. „Wichtig ist es, dass die Form mit Butter und Semmelbrösel vorbereitet wird, damit sich das Osterlamm leicht herausnehmen lässt“, erklärt Anneliese Speer. Bei 170 bis 180 Grad 50 bis 60 Minuten backen. Stäbchenprobe nach etwa 40 Minuten Backzeit. Nach dem Backen kann man das Lamm in der Form etwa zehn Minuten auskühlen lassen, dann lässt es sich leicht aus der Form nehmen. Mit Puderzucker bestreuen, oder mit fertigem Vanilleguss bestreichen. 

Tipp: Wer Kokosgeschmack liebt: Nur 100 Gramm Mehl verwenden und 25 Gramm Kokosflocken dazugeben. Nach dem Backen Flocken über den Guss streuen.

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