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Hier schenkt der Chef noch selbst aus: Oberst Michael Rethmann (l.) beim Auftakt zur Aktion Erbse am Samstag auf dem Grünen Markt.

Eintopf unter dem Damoklesschwert: Bundeswehr startet "Aktion Erbse"

Erding - Über dem Fliegerhorst schwebt das Damoklesschwert der Auflösung. Doch Soldaten und zivile Mitarbeiter zeigen sich unbeeindruckt - zumindest wenn’s um die Aktion Erbse geht.

Als Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière am 26. Oktober verkündete, der Fliegerhorst Erding werde de faktisch aufgelöst, da fragten sich viele Erdinger: „Wird es dann die Aktion Erbse überhaupt noch geben?“ Es gibt sie noch, „jetzt machen wir es schon aus Trotz, wir lassen uns nicht unterkriegen“, versichert Oberst Michael Rethmann, der stolz auf das Durchhaltevermögen seiner Truppe ist.

Aktion Erbse der Bundeswehr im Fliegerhorst

1200 Liter Erbseneintopf mit Wursteinlage - das entspricht 2400 Portionen - wird die Küche am Standort Erding bis Weihnachten gekocht und an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht haben. Der Auftakt verlief am Samstag glänzend. Vor den Ständen bildeten sich lange Schlangen, viele hatten in bewährter Manier große Töpfe dabei, um das dampfende Mittagsmahl heiß zur Familie nach Hause zu bringen. Der Nikolaus in Bundeswehrstiefeln und mit Camouflage-Hose unter dem roten Mantel durfte ebenso wenig fehlen wie das Blasmusikensemble von Himolla aus Taufkirchen.

„Wir resignieren nicht“, erklärt Rethmann kämpferisch, im Gegenteil, heuer haben sich auf Anhieb mehr helfende Hände gemeldet als in den Vorjahren.“ Vor allem die Zahl der Sammler hat laut dem Standortältesten zugenommen. „Es war gar kein Problem, bis zu 30 Helfer pro Freitag und Samstag zu finden, die mit der Spendenbüchse in der gesamten Innenstadt unterwegs sind.“ Bis Heilig Abend sind die Herren in Tarnanzügen nicht aus dem Stadtbild wegzudenken. Karitative Vereinigungen können sich schon jetzt auf auf stattliche Spendensummen freuen. Für Rethmann und seine Mitstreiter steht fest: „So lange wir da sind, machen wir weiter.“

Diese klaren Bekenntnisse können freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei vielen der über 1000 Beschäftigten am Bundeswehr-Traditionsstandort Erding der Frust tief sitzt. Wer genau hinhört, bekommt diese Verstimmung mit. Nicht wenige glauben, von der Politik trotz aller anderslautenden Bekundungen verkauft worden zu sein - zu Gunsten des Ringschlusses. Ein Soldat berichtet der Heimatzeitung: „Aus militärstrategischer Sicht gab es keinen Grund, Erding anzutasten.“ Der von Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt im Interview mit dem Erdinger Anzeiger angekündigte Umzug nach Manching wird mehr als kritisch gesehen. „Da gibt es keinerlei Bundeswehr-Liegenschaften, das muss alles erst aufgebaut werden. Das macht doch keinen Sinn, wenn hier alles schon vorhanden ist - und zwar in einem guten Zustand“, berichtet ein anderer Militär. Er sagt auch, die von Schmidt angeführte Frist von bis zu 20 Jahren höre sich zwar gut an, „aber eine Lebensversicherung ist das nicht. Das kann auch viel schneller gehen.“

Der traditionelle Bürgertreff am kommenden Samstag, zu dem viele Vertreter aus der Politik erwartet werden, könnte vor diesem Hintergrund durchaus spannend werden. Doch im Mittelpunkt steht an allen Adventssamstagen der Eintopfverkauf für den guten Zweck. Keine Frage, schon deshalb hat die Bundeswehr in der Herzogstadt einen guten Ruf und ihren festen Platz.

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