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Gratulantenschar: Altbürgermeister und Ehrenbürger Matthias Kammerbauer (6. v. l.) hatte an Silvester 80. Geburtstag gefeiert. Bei einem Stehempfang gratulierten ihm (v. l.) Pfarrer Philipp Kielbassa, Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier, Ex-Kultusminister Hans Zehetmair, Vize-Landrat Jakob Schwimmer, Enkelin Theresa, Sohn Wolfgang, Altlandrat Xaver Bauer, Ehefrau Mathilde und Bürgermeister Georg Wiester. 

Altbürgermeister erinnert an vergangene Zeiten

Früher war der Bürgersinn größer

Eitting – Mit Familie und Freunden feierte Matthias Kammerbauer an Silvester seinen 80. Geburtstag. Politische Wegbegleiter ließen den Eittinger Altbürgermeister bei einem Stehempfang der Gemeinde am Freitag hochleben.

Steife Reden waren Fehlanzeige, es war ein amüsanter Abend fast wie unter Freunden. Und dazu trug der Jubilar mit seiner legeren Art maßgeblich bei. „Ich kenne alle hier im Raum und das ist aufgrund meines fortgeschrittenen Alters schon bemerkenswert“, witzelte Matthias Kammerbauer im Mehrzweckraum der Grundschule.

Es wurde dort gefeiert, wo Kammerbauer eine der größten Herausforderungen seiner zwölfjährigen Amtszeit von 1996 bis 2008 gemeistert hatte: der Umbau und die Erweiterung des Schulgebäudes. Sein Nachfolger Georg Wiester blickte auf das Wirken des Eittinger Ehrenbürgers zurück. „Möchtest du die Uhr um 60 Jahre zurückdrehen, wenn du die Erfahrung von heute hättest?“, fragte Wiester. Da gab es später von Kammerbauer ein klares Nein. Ob der gelernte Starkstrom-Elektriker allerdings noch einmal diesen Beruf ergreifen würde, da war er sich auch nicht ganz sicher. „Ich würde mich beruflich vielleicht noch mehr für die Umwelt und die Landschaftspflege engagieren“, meinte er.

Geboren und aufgewachsen mit fünf Geschwistern in Daxenthal haben ihn seine Eltern Matthias und Theresa sehr geprägt. Matthias Kammerbauer sen. war bereits Gemeinderat in Piesing (Gemeinde Haiming), las in der Kirche die Fürbitten vor und war handwerklich geschickt.

Gemeinderat war der Eittinger Altbürgermeister 36 Jahre, im Pfarrgemeinderat viele Jahre engagiert und ein Bastler ist er immer noch mit Leib und Seele: Die Parallelen bei Vater und Sohn sind unverkennbar.

Georg Wiesters
Bewerbung

Im Laufe seiner Schulbildung war Kammerbauer im Internat der Salesianer. Die dortige Jugendgruppe habe ihn ebenfalls sehr geprägt. 1961 kamen Kammerbauer und seine Ehefrau Mathilde nach Eitting, wo er im Bayernwerk für die Kraftwerke Eitting und Finsing arbeitete und sich auch um die Lehrlinge kümmerte. So hat Franz Wurzer bei ihm die Ausbildung absolviert.

1972 wurde Kammerbauer in den Gemeinderat gewählt und war dort auch im Personalausschuss. Anfang August 1972 habe er an einem Sonntag in der Gemeindekanzlei ein Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Leonhard Zollner und dem jungen Georg Wiester gehabt. Grund war die Bewerbung Wiesters um eine Stelle in der Verwaltung. Er wurde genommen, und daraus wurde eine Laufbahn bis zum Bürgermeister.

Auch der Bau des Kindergartens, Baugebiete im Einheimischen-Modell oder die Eittinger 1050-Jahr-Feier 1998 standen auf Kammerbauers Agenda. Es gab aber auch Negatives wie die Hochwasser 1999 und 2005 oder die Notlandung der Fokker 70 am 5. Januar 2004 auf einem Feld zwischen Eitting und Reisen. Die Passagiere entgingen dabei nur knapp einer Katastrophe.

Als Geschenk der Gemeinde durfte sich Kammerbauer über einen Wellnessurlaub in Bad Birnbach freuen. Bei Mathilde Kammerbauer bedankte sich Wiester mit einem großen Blumenstrauß. Kammerbauer trug sich zudem ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

„Meine Zeit im Gemeinderat war eine schöne Zeit“, blickte Kammerbauer zurück. Auch wenn manches noch anders war. „Früher machten wir Ruhebänke mit vier Beinen, jetzt für Vierbeiner“, sagte er schmunzelnd. Der Bürgersinn sei früher jedoch größer gewesen, meinte er. So seien bei strengen Wintern die Männer mit ihren Schneeschaufeln gekommen und hätten den Tunnel Richtung Reisen freigeschaufelt und nicht gewartet, bis der Schneepflug kommt.

Radmechaniker mit

Top-Werkstatt

Am Spielplatz am Kittenberg hätten Freiwillige an einem Samstag die Spielgeräte aufgestellt. Das war normal. Mittlerweile verlasse man sich auf den Landkreis oder die Gemeinde, sagte er. Ein Musikensemble hätte er gerne in Eitting aus der Taufe gehoben, „doch das ist mir leider nicht gelungen“. Vize-Landrat Jakob Schwimmer kennt Kammerbauer seit über 40 Jahren. „Ich habe vor allem deine gerade Linie, deine Tatkraft und Energie zu schätzen gelernt“, sagte er und gratulierte ihm wie viele andere Ehrengäste.

Langeweile ist für Matthias Kammerbauer immer noch ein Fremdwort. „Es ist schön, keine Pflichten mehr zu haben, aber gebraucht zu werden“, sagt er. Leidenschaftlich gerne repariert er Räder in seiner top ausgestatteten Werkstatt. Auch das Werkeln mit Holz macht ihm große Freude, ebenso das Lesen. Das größte Glück aber ist für ihn seine Familie mit seiner Ehefrau, den Kindern Wolfgang und Christine sowie Enkelin Theresa. „Auf meine Familie bin ich recht stolz. Das ist ein Geschenk, das man sich nicht kaufen kann“, sagte er.

VON DANIELA OLDACH

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