Eine Standarte ersetzt seit 2018 bei Umzügen die prächtige, aber schwere Vereinsfahne von 1930. Unser Bild zeigt (v. l.) Angelika Schwaiger, Susanne Stärk, Vorsitzende Lydia Zollner, Regina Hartinger, Marion Schmid und Diana Erlinger.
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Eine Standarte ersetzt seit 2018 bei Umzügen die prächtige, aber schwere Vereinsfahne von 1930. Unser Bild zeigt (v. l.) Angelika Schwaiger, Susanne Stärk, Vorsitzende Lydia Zollner, Regina Hartinger, Marion Schmid und Diana Erlinger.

Kfd Hummel-Gaden sucht dringend Vorstandskandidatinnen

Auflösung statt prachtvoller 100-Jahr-Feier?

Die Katholische Frauengemeinschaft Oberhummel, Niederhummel und Gaden feiert 2022 100-Jähriges. Wenn sich allerdings keine Kandidatinnen finden, droht zum Jubiläum die Vereinsauflösung

Gaden/Oberhummel/Niederhummel – Die Katholische Frauengemeinschaft Oberhummel, Niederhummel und Gaden hat eine lange Geschichte. 2022 kann sie ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Doch wie so viele Vereine hat auch die Frauengemeinschaft Probleme, Vorstandsmitglieder zu finden. Dringend gesucht werden deshalb engagierte Frauen aus der Pfarrei Oberhummel, die sich im Oktober bei den Neuwahlen für ein Amt zur Verfügung stellen. Andernfalls droht dem Verein die Auflösung

1922 war die kfd Hummel-Gaden als „Verein christlicher Mütter“ gegründet worden. Im Dritten Reich war sie verboten, ehe sie 1967 in die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland eingegliedert wurde. Der damalige Pfarrherr von Oberhummel, Anton Steffl, war der erste Präses der Frauen, und schon im ersten Vereinsjahr konnte man auf einen Mitgliederstand von 146 Müttern blicken. Heute umfasst die kfd Hummel-Gaden 170 Mitglieder aller Altersgruppen.

Allererstes Mitglied im Jahr 1922 war die Mühlenbesitzersgattin Rosa Oberpriller. Sie war es auch, die dem Verein bereits 1930 eine Fahne stiftete, die bis vor wenigen Jahren den Verein bei offiziellen Anlässen repräsentierte. Heute tut dies eine Standarte, die sich die Frauen geleistet hatten, weil das Tragen der großen Traditionsfahne doch viel Kraft erfordert.

„Verein christlicher Mütter“ 1933 verboten

Da der Verein 1933 verboten wurde, liegen über viele Jahre keine Berichte vor. Sicher ist aber, dass der „Verein christlicher Mütter“ in der Zeit der Naziherrschaft nicht untätig war, dass er inoffiziell arbeitete und die Mitgliederzahl sogar um 13 anstieg. Pfarrer Nikolaus Pflanzer war es schließlich, der den Verein in die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) eingliederte.

Die erste Vorsitzende für den kfd-Zweigverein Hummel-Gaden war Katharina Kratzer, welche die kfd von 1967 bis 1983 führte. Ihr folgten Therese Sellmeier aus Asenkofen (bis 1992), Claudia Köppl (bis 2005), Katharina Gath (bis 2012) und schließlich Lydia Zoller. Sie ist inzwischen seit neun Jahren Vorsitzende. Am 13. Oktober stehen nun wieder Neuwahlen an, für die noch tatkräftige Frauen aus Hummel und Gaden gesucht werden, die den neuen Vorstand ergänzen.

Seit die „Biller Kathl“ 1967 den Vorsitz übernommen hat, prägten soziale Aktivitäten die kfd Hummel-Gaden. So wurden etwa seit 2009 knapp 19 000 Euro für wohltätige Zwecke ausgeschüttet, etwa an die Nachbarschaftshilfe Langenbach-Oberhummel, die örtlichen Kirchen, Missionsprojekte in Afrika oder die Restaurierung der Gadener Barockorgel von 1720. Haupteinnahmequelle des Vereins war lange der Adventsmarkt, den die Frauen bis 2018 im zweijährigen Rhythmus veranstalteten. Er wurde abgelöst vom gemütlichen abendlichen Treffen „Zamma steh“ auf dem Kirchplatz bei Punsch und kleinen Speisen.

Wirtshaus Am Dorfbrunnen

Die Veranstaltungsreihe „Adventstee“ kam neu hinzu, vornehmlich für die ältere Generation. Die Frauen stellten aber auch über viele Jahre einen flotten Weiberfasching auf die Beine, zuletzt 2017. Danach stand das Wirtshaus Am Dorfbrunnen nicht mehr zur Verfügung.

Der Frauenfasching in Niederhummel war bis 2017 eine feste Größe im Vereinsleben. Die Schließung des Wirtshauses Am Dorfbrunnen stoppte die Feiern.

Die kfd Hummel-Gaden bietet zudem immer wieder Kurse und Ausflüge an, und die Damen sind bei Geburtstagen, Goldenen oder Diamantenen Hochzeiten sowie bei Beerdigungen von Mitgliedern präsent. Das Glaubensleben fördern sie mit der traditionellen Maiandacht anlässlich der Jahreshauptversammlung, der Weltgebetstag der Frauen ist fester Bestandteil des Vereinslebens, und auch auf ihr feierliches Engelamt im Advent wollen sie nicht verzichten. Sie erfüllen damit den Wunsch des ehemaligen Pfarrers von Langenbach und Administrators von Oberhummel, Kaspar Müller, nämlich „gemeinschaftliches, taktvolles Miteinander“ zu leben, auf einem Weg, den alle Frauen, ob jung oder alt, mitgehen können. Das sei die „Aufgabe“, von der man sich „durch Arbeitsüberforderung nicht abbringen lassen“ dürfe.

Die Ziele der kfd sind nämlich nicht nur sozialer Art. Sie gibt Frauen bundesweit eine unüberhörbare Stimme in Kirche, Politik und Gesellschaft. Zahlreiche Entwicklungen wären ohne das Engagement der kfd-Frauen auf allen Ebenen des Verbands nicht möglich gewesen – zum Beispiel Frauenzentren bei Katholikentagen (1984), erstes Bundeserziehungsgeldgesetz (2001), Notrufnummer für von Gewalt betroffene Frauen (2013), „Nein heißt nein – Bundestag beschließt Änderung des Sexualstrafrechts“ (2016) oder auch der Einsatz für eine geschlechter-gerechte Kirche.

Gerechte, gewaltfreie und nachhaltige Lebens- und Arbeitsbedingungen

Die kfd engagiert sich für gerechte, gewaltfreie und nachhaltige Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Einen Welt, sie handelt ökumenisch und lernt mit Frauen anderer Religionen, das Miteinander der Generationen wird gefördert. Doch all diese Initiativen haben nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Ortsvereine dahinterstehen, mit aktiven Mitgliedern und starken Vorständen.

Darum ist es eine sehnliche Bitte der heute Verantwortlichen um Lydia Zollner, dass am 13. Oktober viele Mitglieder und Frauen, die noch nicht in der kfd Hummel-Gaden organisiert sind, zur Jahreshauptversammlung kommen und sich bereit erklären, für ein Amt zu kandidieren. Kommt nämlich kein Vorstand zustande, wird das Auflösungsverfahren in Gang gesetzt, und 2022 wird statt einer prachtvollen 100-Jahr-Feier der Traditionsverein zu Grabe getragen.

Raimund Lex

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