Sie weiß genau, wie’s geht: Für ihre 31. Hummler Osterkerze hat sich Brigitte Lex mächtig ins Zeug gelegt.
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Sie weiß genau, wie’s geht: Für ihre 31. Hummler Osterkerze hat sich Brigitte Lex mächtig ins Zeug gelegt.

Brigitte Lex aus Gaden bereichert bereits zum 31. Mal die Pfarrkirche in Oberhummel

Die Osterkerzen-Künstlerin

Auch die 31. Osterkerze der Pfarrkirche St. Georg in Oberhummel stammt wieder aus der Hand von Brigitte Lex aus Gaden. Das kleine Kunstwerk zeigt traditionell das „Hummler Lamm“

Gaden - Gemalt hat es Kirchenmaler Willi Böck aus Langenbach vor vielen Jahren an die Decke des Altarraums. Das Lamm mit der wehenden Siegesfahne wird zwar wie so vieles andere in der Kirche wieder von Rankwerk umschmeichelt, und doch hat die 77-Jährige eine völlig neue Osterkerze hinbekommen.

Eigentlich wollte die „Kerzen-Frau“ aus Gaden mit der 30. Osterkerze für St. Georg ihre ehrenamtliche Arbeit beenden. 1991 hatte sie begonnen, der Pfarrkirche eine eigenhändig verzierte Osterkerze zu stiften, damals noch ohne Lamm und ohne floralem Schmuck. Davor hatte sich immer Lilly Sergl, damals Mesnerin, um die Osterkerze gekümmert – bis sie überraschend verstarb. In dieser Notlage konnte die Gadenerin gewonnen werden, dafür zu sorgen, dass in St. Georg in der Ostenacht 1991 wirklich ein Licht in die Pfarrkirche getragen wird. Und fortan blieb es dabei.

Lex suchte sich für ihr neues Motiv die rechte Wange des Altartisches aus, auf dem die Heilige Barbara steht. Dieser linke Seitenaltar in der Pfarrkirche wurde – wie auch der Hochaltar, die Kanzel und der rechte Seitenaltar mit dem Heiligen Stephanus – bei der großen Kirchenrenovierung unter Pfarrer Josef Herold 1883 neu aufgestellt. Die sichtbare Wange des Tisches des Barbara-Altars erhielt wohl schon damals zwei gleiche, nebeneinander liegende, eingerahmte Rundbögen, in die mittels Schablonierarbeit auf zart türkisem Grund in sehr dunklem Grün ein fantasievolles Rankwerk eingebracht wurde, das in einer Blüte endet.

Heute ist die Schablonierarbeit schon ziemlich verblasst – aber auf der Osterkerze 2021 feiert sie fröhliche Urständ. Die Gadenerin vereinfachte zunächst das Bild insoweit, dass am Computer aus den zwei gerahmten Rund-bögen nur noch einer sichtbar ist – dem schlanken Korpus der 80 Zentimeter hohen Kerze angepasst und vor allem deren Durchmesser von zehn Zentimetern.

Die Computergraphik wurde danach in der Größe A3 auf Papier ausgedruckt und schließlich nahezu original auf die Kerze übertragen. Dabei kam erneut die Schabloniertechnik zur Anwendung. „Für jedes Blättchen, für die große Blüte mussten Schablonen hergestellt werden“, erklärt Lex dazu. „Denn das Rankwerk muss ja links und rechts der Mittelachse absolut gleich sein, in Größe und Ausprägung“, so die Expertin.

Die einzelnen Schablonen fanden für beide Seiten Verwendung, einmal dabei spiegelverkehrt. „Die Schwierigkeit aber war“, so Lex, „die Abstände der einzelnen Elemente untereinander und zum Bildrand absolut gleich zu gestalten.“ Die Mittellinie mit dem durchgehenden Stamm musste perfekt im Lot sein, „und die einzelnen dünnen Äste, die durften sich in ihrem Schwung nicht unterscheiden.“ Alles spiegelverkehrt war die Forderung. Eine Schablone aus einem Stück war nicht möglich, „das ist mit Plattenwachs nicht darstellbar“, so Lex.

Und das Hummler Lamm musste so eingeplant werden, dass es sich harmonisch ins Bild einfügt. Lex löste das dergestalt, dass sie die ovalen Flächen, die in der Originalarbeit dreimal vorkommen, aufnahm und in die mittlere Fläche – fast wie in ein Osterei – das Lamm setzte, mit der mächtigen Siegesfahne.

Wie immer ist das Lamm dreidimensional: mit Auge, abstehendem Ohr und dichtem Fell, das sich dem Betrachter entgegenstreckt. Es scheint zu lächeln. Ein Heiligenschein weist es als das Lamm Gottes aus. Der Fahnenmast ist als Kreuz ausgebildet, an ihm flattert die Siegesfahne in einem frischen Wind, am Kreuzpunkt der Balken tritt goldenes Licht aus. Das Lamm blickt zurück auf die Passion, auf Schmerz und Tod, die hinter ihm liegen. Der Karfreitag ist überwunden, das Leben hat gesiegt.

Diese Arbeit sei die aufwendigste von allen ihrer 31 Kerzen gewesen, stellt Lex fest. Die Stunden, die sie für das Kunstwerk aufgewendet hat, wurden zwar nicht gezählt, „aber an die 50 waren es bestimmt“. Das „Kerzenfeuer“ kann man ihr nicht einfach so austreten, gibt Lex zu verstehen. „Wenn alles fertig ist, dann macht sich eine große Zufriedenheit breit, dann ist alle Mühe und Plage vergessen. Und dann beginnt bald auch die Suche nach einem neuen Motiv.“ Nach der Kerze ist eben immer auch immer vor der Kerze.

Die Osterkerzen, die in den früheren Jahren das „lumen Christi“ symbolisiert haben – die wichtigste Kerze in einer Kirche – haben übrigens keineswegs ausgedient. Nicht selten findet man sie in den Filialkirchen des Pfarrverbandes wieder. Gekürzt zwar, aber fein restauriert mit neuer Jahreszahl und immer noch wunderschön, begleiten sie die Gottesdienste in der Zeit bis Pfingsten, leuchten sie Brautpaaren oder geben Trauernden Trost.  rl

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