Auf einem Teil seiner Kartoffeln sitzen geblieben ist der Eittinger Konrad Zollner. Foto: Roland Albrecht
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Auf einem Teil seiner Kartoffeln sitzen geblieben ist der Eittinger Konrad Zollner.

Corona macht dem Eittinger Konrad Zollner zu schaffen – Eine andere Nachfrage steigt dafür

Ein schlechtes Jahr für Pommes-Kartoffeln

  • vonMayls Majurani
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Aus manchen Kartoffeln lassen sich nur Pommes machen. Die Nachfrage für diese Sorten ist aber drastisch zurückgegangen. Die Bauern werden sie nicht los.

Eitting – Mehr Niederschlag als in den trockenen Vorjahren hat es heuer gegeben. Dementsprechend war auch die Kartoffelernte bei Landwirt Konrad Zollner aus Eitting ergiebiger als 2019 und 2018. Ein gutes Jahr ist es für den 57-Jährigen aber trotzdem nicht. Denn die speziellen Pommes-Kartoffeln, die er schon seit 25 Jahren anbaut, kann er während der Corona-Pandemie nicht verkaufen.

Innovator, Fontane und Agria: So heißen 80 Prozent der Kartoffeln, die im Familienbetrieb von Zollner auf 50 Hektar Fläche angebaut werden. Sie unterscheiden sich vor allem in der Konsistenz von herkömmlichen Speisekartoffeln, wie der Eittinger erklärt: „Wenn man sie wie normale Speisekartoffeln zubereitet, werden sie sehr mehlig, wie Brei.“

Mit zwei Firmen hat der Eittinger langfristige Verträge. „In Bayern sind in den meisten Betrieben etwa drei Viertel der Kartoffeln Vertragsware und ein Viertel freie Ware.“ Und eben diese freie Ware kann Zollner nicht verkaufen. Denn die Gastronomie ist auf Stand-by. Volksfeste gab es heuer nicht. Und auch der Profisport muss auf seine tausenden Zuschauer verzichten.

Die Nachfrage nach Speisekartoffeln sei in der Corona-Pandemie gestiegen, berichtet Zollner. Aber: „Keiner braucht Pommes“, so der 57-Jährige. „Die Vertragsware werden wir bestimmt los“, hofft er zwar. Doch ganz sicher ist auch das nicht. Sein Hauptabnehmer, das Kartoffel-Centrum Bayern in Rain am Lech, habe nämlich das Werk stillgelegt, weil die Kühllager voll sind. „Normalerweise werden dort jeden Tag 1200 Tonnen Kartoffeln aus ganz Bayern angeliefert. Das sind fast 50 volle Lkws“, weiß Zollner. Im Moment geht nichts.

Einfach auf bessere Zeiten warten kann der Landwirt aber auch nicht. Denn bei ihm im Betrieb verursacht die Ernte Kosten. Die Kartoffeln müssen bei Temperaturen zwischen sieben und acht Grad lagern. „Wenn es kälter wird, verzuckern sie. Wenn es wärmer wird, bilden sie Keime.“ Also müsse das Lager frostsicher sein und mit entsprechender Lüftungstechnik immer die richtige Temperatur haben. Und auch, wenn alles passt, sind die Kartoffeln maximal ein Jahr haltbar. Also braucht es Alternativen.

Futter für Nutztiere wäre eine Option, wenn da nicht der relativ nasse Sommer in diesem Jahr wäre. „Die haben genug Grundfutter“, erzählt der 57-Jährige. Eine weitere Alternative ist die Biogasanlage in Eitting. „Ich muss die Übermengen loswerden. Das geht vielen Landwirten so. Wir unterscheiden die Kartoffeln, die qualitativ schlechteren liefern wir in der Biogasanlage an. Das ist nicht optimal, aber wir sind froh, dass wir immerhin diese Möglichkeit haben.“ Dort gibt es zwar nur einen Bruchteil des Normalpreises, 1,50 statt 11 Euro für 100 Kilo. Aber irgendwann und irgendwie muss die Ware verwertet werden.

Im kommenden Jahr will Zollner weniger Kartoffeln setzen. „Vielleicht bauen wir Getreide an“, sagt der Eittinger. „Irgendwann wird auch Getreide unter Druck stehen, aber der Markt ist viel größer.“

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