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Unglück in Rudlfing: 1801 zerschellte ein Floß, besetzt mit Wallfahrern, an der Brücke bei Rudlfing. Eine Votivtafel in der Wallfahrtskirche St. Maria in Langenbach (Kreis Freising) zeugt dort heute noch davon.

Isar: Transportweg bis ins 19. Jahrhundert

Floßlände in Gaden: „Der Hafen von Erding“

Bis ins 19. Jahrhundert wurden auf Flößen auf der Isar Menschen und Material transportiert. Gaden fungierte sehr lange als Anlieferungspunkt für Erding.

Floßlände: Das Straßenschild in Gaden erinnert auch heute noch an die Anlaufstelle der Isarflöße.

Gaden – Wer heute auf der ED 19 durch Gaden kommt, der passiert mit Sicherheit das Straßenschild „Floßlände“. Die meisten gehen oder fahren nichtsahnend daran vorbei. Dabei befand sich unweit davon einst „der Hafen von Erding“, wie Chris Loos und Veronika Stegmann schmunzelnd erzählen. Hier wurden noch im 19. Jahrhundert mittels Flößen Waren und Menschen angelandet. Inzwischen liegt die alte Floßlände allerdings etliche hundert Meter von der jetzt nördlicher verlaufenden Isar entfernt. 

Loos und Stegmann, die an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf arbeiten, begingen die Floßlände vor einiger Zeit – passend zu ihrem damaligen Projekt, die hiesige Kulturlandschaft in ihrer typischen Ausprägung und mit ihren charakteristischen, historischen Elementen ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen und planvoll entwickeln zu können. Heute betreuen sie ehrenamtlich die AG Kulturlandschaftserfassung beim Verein für Stadtheimatpflege Freising.

Die Isar - ein wichtiger Verkehrsweg

Gaden liegt in einem Gebiet, „in dem das Grundwasser an die Oberfläche kommt, weil das Gelände nach Norden hin immer flacher wird“, so die beiden Frauen. Deshalb habe es dort auch lange Zeit kaum Besiedelung und nur wenige Wege gegeben, was eine Floßlände bei Gaden wirtschaftlich machte.

Der Ortsname Gaden, urkundlich erstmals 1231 erwähnt, leitet sich dann auch von „Gadem“ ab, was nach Schmellers „Bayerischem Wörterbuch“ so viel bedeutet wie „Aufbewahrungsschuppen für Schiffsgeschirr“. Der Gebirgsfluss Isar war nämlich zu einem wichtigen Verkehrsweg geworden. So entstand auch die Floßlände in Gaden, und zwar an dem Punkt, an dem früher die Dorfen in die Isar mündete. Heute allerdings fließt die Isar ein Stück weiter im Norden. Durch Regulierungsmaßnahmen war der Fluss weit zurückgedrängt worden.

Gaden – eine Sparbüchse für Erding

Die Länd´ in Freising wäre für Erding natürlich auch eine interessante Anlandestelle gewesen, flussaufwärts noch vor Gaden an der Isar, erklären Loos und Stegmann – aber sie lag auf dem Gebiet des Hochstifts Freising, was zu Zollzahlungen an den Bischof geführt hätte. Außerdem wäre ein Transport über die einzige Straße zwischen Freising und Erding hochproblematisch gewesen: Sie war schmal, feucht, in schlechtem Zustand und auch gefährlich – der Wegelagerer wegen.

Weit in den Norden gerückt ist die Isar durch verschiedene Regulierungsmaßnahmen. Bei Gaden fließt noch die Dorfen.

Transportiert wurden vornehmlich Baumaterial und ungelöschter Kalk für Erding, aber auch „Waren vom Bozener Markt in Mittenwald, zum Beispiel Rohstoffe, Tuch oder Gewürze“. Die Flößerei habe somit eine wichtige Rolle gespielt. Viele Waren, vor allem das Holz, hätten mit den Flößen schnell und einfach transportiert werden können. 

Der Bedarf an Holz zu Bauzwecken und als Energielieferant sei groß gewesen, deshalb habe man es aus dem Werdenfelser Land, das damals zu Freising gehörte, auf der Isar herbeigeschafft, auch mit der Technik des Holzdriftens.

Die Flöße wurden dabei aus Nadelholzstämmen zusammengefügt, zwischen dem Nadelholz sei das Hartholz eingebunden worden. Letzteres würde alleine nicht schwimmen. In der Blütezeit der Flößerei, im 19. Jahrhundert, seien an die 8000 Flöße pro Jahr die Isar hinuntergeschwommen, erklären Loos und Stegmann.

Die Flößerei reichte aber in ihren Anfängen wesentlich weiter zurück. Im 15. Jahrhundert zum Beispiel, als sich die Gadener um 1431 ihre Kirche St. Jakob bauten, sollen es einer anderen Quelle zufolge bereits 5000 Flöße pro Jahr gewesen sein, die auf der Isar unterwegs waren. Erstaunen ruft vielleicht auch die Tatsache hervor, dass mit dem sogenannten „Ordinarifloß“ ein regelmäßiger Personentransport von München bis nach Wien möglich war, der rund eine Woche dauerte. Es sei nicht ganz ungefährlich gewesen, mit dem Floß zu fahren. Die damalige Isar mit ihren zahlreichen Seitenarmen und wechselnden Kiesbänken habe den Flößern alles abverlangt.

Das Floßunglück bei Rudlfing im Jahr 1801

Wer neben Waren auch Personen transportieren wollte, habe eine langwierige Ausbildung durchlaufen müssen, erklären die Wissenschaftlerinnen. Unglücke wie das bei Rudlfing, bei dem am Pfingstdienstag 1801 nicht weniger als 24 Menschen ums Leben kamen, konnten trotzdem nicht verhindert werden. Ein „ordinäres Floß“, das am 26. Mai mit mehreren Wallfahrergruppen voll besetzt, „mit dem Kreuz“ auf dem Weg zum heiligen Kastulus nach Moosburg war, zerschellte damals an einem Pfeiler der Rudlfinger Holzbrücke über die Isar. Es sollte, „wie alle Jahr auf Moosburg fahren, voll Kreuzleut und anderen, die aufgesessen waren“.

Eine Votivtafel der „Katharina Forsprächerin, Bürgerl. Fischerin von Freijsing“, wie es in der Aufschrift heißt, in der Wallfahrtskirche von Rudlfing kündet heute noch von der Katastrophe: Sie „verlobte sich in augenscheinlicher Todesgefahr zur seligster Muttergottes nach Rudlfing“ und wurde errettet.

Der Niedergang der Flößerei

Mit dem Aufstreben der Eisenbahn sei der Rückgang der Flößerei eingeläutet worden, erläutern die Wissenschaftlerinnen. Das letzte Floß auf der Isar habe 1907 an Gaden vorbei einen Brauereikessel zur Weltausstellung nach Wien transportiert. Zurückgebracht wurden die Flöße übrigens nicht. Das „Treideln“, also das (Zurück-) Ziehen von Flößen mit Muskelkraft, Pferden oder gar Maschinen, sei auf der Isar nicht angewendet worden.

Raimund Lex

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