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Um ein Handy ist in Eitting ein handfester Streit ausgebrochen.

Handfester Streit in Eitting

Jäger legt sich mit Spaziergängerin an – Weil sie ihn unerlaubt filmen will, wird er rabiat

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Zwei Temperamentsbündel sind im Januar dieses Jahres am Isarkanal bei Eitting aneinandergeraten. Der Streit um ein Handy eskalierte in Handgreiflichkeiten. Vor dem Amtsgericht Erding sahen sich ein 51 Jahre alter Hobbyjäger aus dem nördlichen Landkreis und eine Erdingerin (37) nun wieder. Obwohl der Waidmann recht rabiat vorgegangen war, wurde er freigesprochen. Denn er hatte sich, so die Auffassung des Gerichts, zu Recht dagegen gewehrt, von der Frau gefilmt zu werden.

Eitting– Laut Anklageschrift von Staatsanwältin Nina Wittig hatte der 51-Jährige am Isarkanal bei Eitting eine Apportierstrecke zum Trainieren seines Jagdhundes ausgelegt. Genau denselben Weg wählte gegen 14 Uhr die Erdingerin zum Spazieren. Der Waidmann fühlte sich im Training gestört und blaffte die Frau an. Die sah auf einmal den Hund auf sich zulaufen. Wenig später stand sie dem Mann Gesicht an Gesicht gegenüber. Der Umgangston war nicht gerade höflich. Am Ende zückte die 31-Jährige ihr Handy und kündigte an, das übergriffige Verhalten des Mannes zu filmen.

Das wollte sich der nicht gefallen lassen und griff nach dem Mobiltelefon. Laut Anklage kam es bei seinem Versuch, ihr das Handy wegzunehmen, zu einem Gerangel. Beide stürzten, die Frau rollte die Böschung hinunter und zog sich eine Verletzung am Finger zu. Zudem soll er sie danach an ihrem Auto bedrängt und am Wegfahren gehindert haben.

Dem Jäger flatterte wenig später ein Strafbefehl wegen Körperverletzung und Beleidigung („Du bist doch blöd.“) ins Haus, gegen den er Einspruch einlegte.

Sein Anwalt Christian Lang beharrte darauf, dass sein Mandant gestört worden sei und die Frau zur Rede habe stellen wollen. „Doch sie hat hysterisch reagiert.“ Das Opfer wiederum erklärte, sie habe vor Mann und Hund Angst gehabt. Die Situation sei bedrohlich gewesen.

Lang zweifelte an der Glaubwürdigkeit der Zeugin, da ihre Angaben vor Gericht, bei der Polizei und im Klinikum Erding teils deutlich abwichen. In einem Fall war sogar die Rede davon, der Jäger habe sie am ganzen Körper getreten. Doch davon wollte sie jetzt nichts mehr wissen.

Dem Gericht unter dem Vorsitz von Andreas Wassermann wurde rasch klar, dass an dem Januarnachmittag auf beiden Seiten wohl ein paar Hormone zu viel im Spiel waren. Richter und Staatsanwältin regten eine Einstellung gegen Geldauflage an. Zu diesem Zeitpunkt des Prozesses sah es nach einer guten Lösung für den Angeklagten aus.

Doch Anwalt Lang schlug das Angebot anfangs überraschend aus. Er verwies auf die im Strafgesetzbuch verankerte Selbsthilfe. „Mein Mandant musste davon ausgehen, dass er gefilmt wird. Er wusste nicht, ob die Sequenz irgendwo unlöschbar im Internet landet.“ Dagegen wollte er vorgehen. Bei der Wahrung seiner Persönlichkeitsrechte sei er keineswegs zu rabiat vorgegangen. Er habe in diesem Moment auch gar keine andere Möglichkeit gehabt, als sich des Mobiltelefons zu bemächtigen, um etwaige Aufnahmen zu löschen. Dabei spiele es keine Rolle, dass die Frau gar nicht auf Aufnahme gedrückt hatte. Er forderte Freispruch.

Genau dieses Urteil sprach dann auch Wassermann. „Es ist unbestreitbar zu der Körperverletzung gekommen“, meinte er in der Begründung. Allerdings müsse man hier in der Tat von Selbsthilfe ausgehen, zumal es keine Anzeichen gebe, dass der Jäger das Handy stehlen wollte.

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