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Die Familie hat für Georg Wiester einen hohen Stellenwert – hier mit seiner Frau Adelgund.
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Auf den Startknopf des Rewe-Fruchtlogistiklagers drückte Georg Wiester (r.) bei der Einweihung 2016.
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Anfangszeit in der Gemeinde: der junge Georg Wiester.
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Einer der angenehmeren Termine eines Bürgermeisters: Georg Wiester (6. v. r.) und Gemeinderäte der Wahlperiode 2008 bis 2014 zusammen mit dem Eittinger Fußball-Profi Stefan Lex, der sich damals ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug.

Zwölf Jahre Gemeindechef

Ein halbes Jahrhundert für die Gemeinde Eitting: Bürgermeister Georg Wiester verabschiedet sich in den Ruhestand

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Seit 1972 hat Georg Wiester im Dienste der Gemeinde Eitting alles gegeben. Die letzten zwölf Jahre davon als Bürgermeister. Seit Freitag ist er nun im Ruhestand. Wir haben mit dem 69-Jährigen Bilanz gezogen.

Eitting – An einem Sonntag im August 1972 wurde der Grundstein für die Karriere von Georg Wiester bei der Kommune Eitting gelegt. Damals hatte es ein Gespräch in der Gemeindekanzlei mit dem damaligen Bürgermeister Leonhard Zollner und dem jungen Georg Wiester gegeben. Wiester hatte sich um eine Stelle in der Verwaltung beworben und wurde genommen. 2008 wurde er selbst zum Rathauschef gewählt. „Dafür bin ich sehr dankbar“, blickt der 69-Jährige zurück. Jetzt aber freut er sich auf seinen Ruhestand, den er vor allem mit Ehefrau Adelgund sowie den beiden Enkeltöchtern Anna-Lena (13) und Maxima (2) genießen möchte.

„Wenn mein Rat oder meine Hilfe benötigt werden, bin ich da.“ Dieses Credo gilt für Wiester auch über seine aktive Zeit als Bürgermeister hinaus. Sollte sein Nachfolger Reinhard Huber, der zuvor drei Jahre Wiesters Stellvertreter war, Fragen haben, ist sein Vorgänger zur Stelle. Huber war nach dem Tod des damaligen Vize-Rathauschefs Rudolf Brand im März 2017 Zweiter Bürgermeister geworden. „In die Gemeindepolitik werde ich mich aber nicht einmischen“, stellt Wiester klar. Diese und vor allem das Wohl seiner Bürger standen während seinen Amtsperioden immer im Vordergrund. „Besonders die Schule und der Kindergarten liegen mir einfach am Herzen“, hatte er des Öfteren betont.

Fleißig angepackt

In Wiesters Amtszeit wurde in diesen beiden Bereichen auch tatkräftig angepackt. So wurde 2013 die Kinderkrippe St. Georg errichtet sowie der bestehende Kindergarten umgebaut. Die Kapazitäten sind aber jetzt schon ausgereizt, sodass Container auf dem Areal aufgestellt werden. Ab dem neuen Kindergartenjahr sollen dort eine Kindergarten- und eine Krippengruppe an den Start gehen. Mit dem Bau eines weiteren Kinderhauses wird sich das neue Plenum befassen. Das Eittinger Schulhaus bekam einen orange-grün-farbenen Anstrich. Die 1974 errichtete Schulturnhalle wurde komplett saniert und hat nun Neubaustandard.

Großprojekt Rewe

Prägendstes Projekt von Wiester und seinen Räten aber ist die Rewe-Erweiterung. Dass der Konzern am Standort Eitting blieb, ist vor allem auch dem langjährigen Ratsmitglied Franz Wurzer zu verdanken. „Schorsch, da müssen wir schnell sein, um Rewe zu halten“, hatte er Wiester darauf hingewiesen, als er mitbekam, dass der Konzern erweitern will. 2011 wurde der zweite Bauabschnitt mit einer Fläche von acht Hektar realisiert. „Jetzt haben wir am Standort Eitting das zweitgrößte Logistikzentrum von Rewe in ganz Deutschland“, ist Wiester stolz. Fünf Jahre später kam auf der gegenüberliegenden Seite des Areals, im Norden der Kreisstraße ED 19, ein Fruchtlogistiklager hinzu.

Die Bebauungsplanverfahren für das Gewerbegebiet Eitting (Reisener Straße), die Bebauung Lindenhof in Eitting und das Baugenehmigungsverfahren für den Bauhof hatte noch Altbürgermeister Matthias Kammerbauer auf den Weg gebracht. Wiester und der Gemeinderat hatten diese Vorhaben weitergeführt und auch die Parzellen verkauft.

Weitere Projekte unter Wiesters Regie waren die Ausweisung von Baugebieten im Einheimischenmodell (Siglfinger Straße Reisen und Müllerpoint Eitting), der DSL-Ausbau in der Kommune, die Erneuerung des Reisener Dorfplatzes, die finanzielle Unterstützung beim Bau des Gadener Schützenheims und der Modernisierung der Schießstände in Eitting, diverse Straßensanierungen oder der Neubau des Raiderstegs. Die rund 60 Jahre alte Querung war nicht mehr sicher. Rund 215 000 Euro hat Eitting deshalb aus Eigenmitteln investiert, um die Verbindung zum Schulsportgelände weiter aufrecht zu erhalten. Seit dem Neubau ist der Steg jetzt auch behindertengerecht. Einer der angenehmen Termine Wiesters war freilich, als sich Fußball-Profi Stefan Lex – selbst ein Eittinger – vor ein paar Jahren ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug.

Zwei bittere Pillen

Eine besondere Herausforderung ist seit Jahren der Kampf gegen den Bau der dritten Start- und Landebahn am Flughafen. Aussichtslos waren die Bemühungen der Kommune, den privaten Fußweg zwischen der Erdinger Straße und der Poststraße für die Öffentlichkeit offen zu halten. Drei Grundstückseigentümer, über deren Flächen der Weg verläuft, wollten ihn für die Öffentlichkeit sperren lassen. Eitting klagte, da der Weg die kürzeste fußläufige Verbindung für viele Bürger zur Ortsmitte darstellt. Doch dieses Argument reichte für eine Enteignung nicht aus.

Eine weitere bittere Pille mussten Wiester und der Gemeinderat im Februar diesen Jahres schlucken, als nach vierstündiger mündlicher Verhandlung die Klage gegen die Planungen des S-Bahn-Ringschlusses durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof abgeschmettert wurde. „Keine Gemeinde in Bayern ist in ihrer Entwicklung so eingeschränkt wie Eitting“, hatte Wiester argumentiert. Vor allem eine S-Bahn-Haltestelle hätte sich die Kommune gewünscht. Aber auch Lärmschutz für die Ortschaft Reisen stand auf der Agenda.

Bei der Schaffung von Wohnraum sieht es hingegen wesentlich besser aus. So hat die Gemeinde in Wiesters letzter Ratssitzung die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange für den Bebauungsplan „Gaden Mitte“ behandelt. Geplant sind zwei Apartmenthäuser, Geschosswohnungsbauten sowie Einzel- und Doppelhäuser. Auf die Gemeinde Eitting werden voraussichtlich 15 bis 18 Parzellen entfallen, die im im Volksmund bekannten Einheimischenmodell vergeben werden. Die entsprechenden Richtlinien müssen aber noch erarbeitet werden.

Auch den Weg für ein integrales Hochwasserschutzkonzept haben Wiester und seine Räte noch geebnet. Eine entsprechende Expertise soll zeitnah erarbeitet werden. Finanziell hat der frischgebackene Ruheständler eine schuldenfreie Kommune an Reinhard Huber übergeben. Zum Jahresende hatte Eitting noch 312 500 Euro Miese, die aus einem Darlehen (ursprünglich eine Million Euro) zum Bau der Kinderkrippe resultierten. Doch im Januar wurde diese Summe getilgt.

Und jetzt?

Seinen Abschied aus seiner aktiven Zeit hatte sich Wiester ganz anders vorgestellt. Doch Corona hat das normale Leben zum Stillstand gebracht, Wiester arbeitete in den letzten Wochen seiner Amtszeit im Homeoffice. „Drei Monate liegen jetzt zwischen einer kleinen Meldung aus China und einer Pandemie“, so der frühere Rathauschef bei seiner letzten Ratssitzung. Eine offizielle Verabschiedung soll aber nachgeholt werden, sobald sich das Leben normalisiert hat.

Wiesters größter Wunsch: „Dass meine Familie und ich gesund bleiben.“ Denn die Familie ist für ihn das höchste Gut. Das habe ihm schon sein größtes Vorbild, Mama Therese, gelehrt. Und nach Corona werden die Wiesters wieder Kurzurlaube – mit Vorliebe nach Bad Griesbach – unternehmen. Bei den Concordia-Schützen, am Eittinger Fußballplatz, wo er früher selbst auf Torejagd ging, oder beim Angeln wird man den früheren Rathauschef ebenfalls antreffen. „Ich hab’ schon vorausschauend vor 40 Jahren die Fischerprüfung gemacht“, verrät er schmunzelnd.

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