Viele Bürgermeister sind aufgrund der Corona-Krise im Homeoffice. Wir sprachen mit drei von ihnen, die ihr Amt in den nächsten Tagen übergeben werden.
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Chefbüro im Wintergarten: Eittings Bürgermeister Georg Wiester im Homeoffice.

Wiester, Peis und Hofstetter erzählen

Scheidende Bürgermeister im Homeoffice: Karriere-Endspurt dahoam

  • vonDaniela Oldach
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Viele Bürgermeister sind aufgrund der Corona-Krise im Homeoffice. Wir sprachen mit drei von ihnen, die ihr Amt in den nächsten Tagen übergeben werden.

Landkreis – Die Corona-Krise wirbelt die Amtsgeschäfte der Landkreis-Bürgermeister ordentlich durcheinander. Wird der Schreibtisch im Rathaus ins heimische Wohnzimmer verlegt? Können die Nachfolger eingearbeitet werden? Und wie ist die Situation in den Rathäusern? Wir haben bei den Bürgermeistern Georg Wiester (69 Jahre, Eitting), Hans Peis (68, Neuching) und Franz Hofstetter (65, Taufkirchen/Vils) nachgefragt. Es sind ihre letzten Amtswochen.

„Ich mache alles von zuhause aus, denn ich gehöre zur Risikogruppe“, sagt Eittings Bürgermeister Georg Wiester. Der 69-Jährige hatte 2006 eine Krebserkrankung überstanden. Amtsgeschäfte erledigt Wiester aber auch noch, wenn im Oberdinger Rathaus schon alle Feierabend haben. „Ich fahre jeden zweiten Abend ins Rathaus und arbeite dann noch ein paar Stunden“, verrät er.

Personal baut Überstunden und Urlaub ab

Ansonsten hat er seinen Wintergarten zum Büro umfunktioniert. Dort stapeln sich die Ordner. „Telefonisch bin ich für meine Gemeindebürger immer erreichbar. Und wenn ich helfen kann, mache ich das“, stellt Wiester auch im letzten Monat seiner Amtszeit klar. Fallen doch Termine außerhalb des Eittinger Zuhauses an, übernimmt diese Vize-Bürgermeister Reinhard Huber.

In der Gemeinde Neuching hingegen hält Bürgermeister Hans Peis weiter im Rathaus die Stellung – genauso wie das dortige Personal. „Wir gehen jeden Tag ganz normal in die Arbeit. Personell ist in den Osterferien jetzt eh weniger los. Und wir haben in vielen Abteilungen eh nur eine Person. Viele Mitarbeiter bauen derzeit Überstunden oder ihren alten Urlaub ab“, sagt Peis. Ob das Personal Mundschutz oder Handschuhe trägt, kann jede Person selbst entscheiden. „Bei der Auszählung der Stichwahl am 29. März wurde mit Handschuhen ausgezählt“, so Peis.

Weniger Stress wegen Corona

Kein Homeoffice für den scheidenden Rathauschef? „Ich habe immer schon auch Homeoffice gemacht“, sagt der 68-Jährige, der derzeit seinen Nachfolger Thomas Bartl einarbeitet. „Natürlich mit dem notwendigen Abstand.“

Für den Publikumsverkehr ist das Rathaus zwar zu, „aber wir sind ja telefonisch erreichbar“, so Peis, der trotz der Stabübergabe am 1. Mai vorausplant. So könnte die am 1. April ausgefallene Bürgerversammlung nachgeholt werden und hierbei Peis noch einen Rückblick abgeben. „Eigentlich erleichtert mir Corona das Ganze. Ich hätte sonst totalen Stress gehabt. Und jetzt entschleunigt sich schon vieles. Das macht mir den Abschied leichter“, sagt der 68-Jährige.

Homeoffice nichts Neues für Taufkirchens Bürgermeister

Privat gehen er und Ehefrau Helga noch einkaufen oder auch spazieren. Nur ihr Engagement im Arbeitskreis Senioren und Soziales haben sie wie alle Mitglieder des Kreises auch zurückgefahren. Bei Bedarf, sei es bei Einkäufen oder Fahrten, springt die Dirndlschaft Neiching ein.

Auch Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter arbeitet abwechselnd in der Gemeindeverwaltung und zuhause. „Ich bin die meiste Zeit im Rathaus und treffe mich auch mit meinem Nachfolger Stefan Haberl“, sagt der 65-Jährige. Homeoffice ist nichts Neues für ihn. „Das war schon immer so. Ich arbeite schon immer von zuhause aus und im Büro“, so Hofstetter. „Es ist aber schon ein bisserl entspannter, weil abends wenig Termine sind. Ohne Corona wäre ich bis zum letzten Tag jeden Abend unterwegs gewesen.“

Viele Maßnahmen in Taufkirchen

Übertriebene Corona-Angst hat Hofstetter nicht. Die Fahrten auf dem Rennrad genießt er trotzdem alleine. Abstand wird beim eigenen Corona-Krisenstab im Rathaus gehalten. Das Gebäude ist generell zugesperrt, Bürger können aber klingeln. Die Senioren der Kommune haben separat Informationen über die aktuelle Lage bekommen.

„Wir haben unseren Betrieb im Rathaus eh gesplittet. Es sind nicht alle Mitarbeiter da. Und bei der Wasserversorgung muss das sowieso sein. Natürlich halten wir alle Vorschriften ein und haben auch Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Auch unsere Gemeinderatssitzung am Dienstag haben wir im Bürgersaal mit genügend Abstand gemacht“, sagt der scheidende Rathauschef.

Zuhause gibt es immer etwas zu tun

Privat schätzt er sich in der glücklichen Lage, zuhause viel Platz zu haben. „Wir sind vier Generationen und passen aufeinander auf. Aber wenn ich in einer Wohnung zu zweit auf 50 Quadratmetern wäre, dann könnte ich schon einen Koller kriegen“, gibt er zu. Doch zuhause gebe es immer etwas zu tun. „Wir renovieren gerade unsere Pension“, verrät er. Auch hier ist Anpacken angesagt.

Den Übergang in den Ruhestand erleichtere Corona ihm aber, „denn es ist alles jetzt etwas fließender“, so Hofstetter. Für Einkäufe in der Familie ist zwar seine Ehefrau Gabi zuständig, er hätte aber auch keine Angst, in Geschäfte zu gehen und versucht, soweit möglich, ein normales Leben weiterzuführen. Dieses werde er ab 1. Mai ohne Bürgermeisteramt besonders genießen. „Ich freu’ mich schon, wenn ich ein ganz Normaler bin.“

Partnerwahl kann auch wichtig fürs Homeoffice sein

Für Wiester ist es in diesen letzten Amtstagen ein Glücksfall, dass er zuhause eine Top-Privatsekretärin hat. Ehefrau Adelgund war lange Zeit die gute Seele der Eittinger Grundschule und ist büromäßig topfit. „Ich kenne mich zwar schon auch aus, aber die Feinheiten macht meine Adelgund“, sagt Wiester über seine Gattin.

So hat die 65-Jährige auf dem PC auch Skype eingerichtet, damit die Wiesters mit ihren beiden Enkeltöchtern Anna-Lena (13) und Maxima (2) zumindest virtuell Kontakt halten können. Dass sie die beiden Mädchen nicht persönlich sehen können, „das tut uns am meisten weh“, sagt Georg Wiester.

Gesperrte Kinderspielplätze tun Wiester weh

Einkäufe für die Wiesters übernimmt ihr Sohn Markus. Und neben Homeoffice steht noch Spazierengehen oder das Ausgrasen im Garten auf dem Programm. „Ich habe ja Gott sei Dank einen Garten“, freut sich Wiester. Aber besonders schlimm sei, dass die Kinderspielplätze gesperrt sind und die Mädchen und Buben sich dort nicht vergnügen können. „Das tut mir schon weh, ebenso, dass ich mich von meinen Gemeindebürgern nicht verabschieden kann.“ Das hätte Wiester eigentlich Ende März in der dann abgesagten Bürgerversammlung tun wollen.

So schlimm die Lage für manche auch ist, in der Familie Wiester gab es schon eine noch anspruchsvollere Zeit. „Mein Großvater Prosper Sellmeier war von 1945 bis 1948 Bürgermeister in Eitting. Und nach dem Krieg hatten die Menschen nichts zu essen, keine Wohnung und keine Kleidung. Das war noch eine ganz andere Zeit“, so Wiester. Am Hof der Eltern wurden Gemeinderatssitzungen im Wohnzimmer abgehalten.

Abschied mit Zufriedenheit

Jetzt erhalte er hingegen wenig Bürgeranrufe. Es gebe auch kaum Notfälle. Entscheidend sei, wann Schulen und Kindergärten wieder öffnen werden. Zum 1. Mai übergibt Wiester die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger und jetzigen Stellvertreter. „Reinhard Huber war schon sehr gut eingebunden. Wir werden bestimmt noch das eine oder andere besprechen. Und bei Fragen bin ich ja nicht aus der Welt. Aber aus der Gemeindepolitik halte ich mich raus“, erklärt Wiester, der vor seiner Amtszeit schon Verwaltungsmitarbeiter gewesen war.

Die Corona-Krise erleichtert ihm jetzt auch ein wenig den Abschied, „denn man gleitet schon vorher langsam raus. Ich scheide nicht mit einem weinenden Auge aus. Ich scheide mit Zufriedenheit aus“, bilanziert Wiester nach insgesamt 48 Dienstjahren in der Gemeinde Eitting.

Daniela Oldach

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