Eine der Bananenlieferungen war in einem Rewe-Reifelager in Eitting gelagert.
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Eine der Bananenlieferungen war in einem Rewe-Reifelager in Eitting gelagert.

Zwei Albaner verurteilt – Handlanger bei gescheitertem Bergungsversuch in Reifelager

Freiheitsstrafen im Koks-Bananen-Prozess

Es kann auch mal zügig gehen bei dem nun schon seit längerem laufenden Prozess um die geschmuggelten 1,5 Tonnen Kokain in Bananenkisten. Diesmal standen am Mittwoch zwei Albaner vor Gericht, die Verständigung klappte nun innerhalb eines Tages. Am Ende standen zwei Freiheitsstrafen.

Landshut/Eitting – Die beiden Angeklagten, Dolan K. und Artan A., hatten sich vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts Landshut zu verantworten. Sie waren Handlanger der „Gruppe Paraquay“, die deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt hat, weil sie zwischen August 2017 und April 2018 auf dem Seeweg mehr als 1,5 Tonnen Kokain in Bananenkisten aus Ecuador nach Deutschland geschmuggelt hat.

Die Beihilfehandlungen, die den Männern zur Last gelegt wurden, bezogen sich auf den vergeblichen Versuch, im März 2018 Kokain aus einem Reifelager bei München zu bergen. Der Fall war bereits Gegenstand eines großen Verfahrens gegen weitere Helfershelfer im vergangenen Jahr gewesen. Hatte es damals 20 Verhandlungstage gebraucht, bis eine Verständigung zustande kam, ging es nun wesentlich zügiger. Die beiden Albaner ließen den angeklagten Sachverhalt über ihre Verteidiger einräumen und erhielten Freiheitsstrafen von zwei Jahren beziehungsweise zwei Jahren und vier Monaten.

Die Ermittlungen gegen die Gruppe Paraquay waren in Gang gekommen, nachdem in zehn bayerischen Supermärkten Bananenkisten mit insgesamt 180 Kilogramm Kokain aufgetaucht waren. Danach fielen mehrere Einbrüche in Reifelager im Bundesgebiet auf, wo zum Tatzeitpunkt immer dieselben Handys eingeloggt waren. Im Folgenden wurden Bewegungen verfolgt, Gespräche abgehört, SMS-Verkehr abgefangen. Eine Rolle spielte auch das Rewe-Reifelager in Eitting (wir berichteten).

Die Observierung lief über Monate, der Zugriff erfolgte am 25. April 2018 nach dem letzten Einbruch in eine Hamburger Lagerhalle. Bei der Menge an Kokain, die im März 2018 in München hätte geborgen werden sollen, ging die Kammer zugunsten der Angeklagten von 185 Kilo aus. In der Anklage war von 270 die Rede. Doch Packversuche der Ermittler seien keine sichere Grundlage, so Vorsitzender Richter Ralph Reiter in der Urteilsbegründung. Ein Kripobeamter hatte berichtet, man sei davon ausgegangen, dass ein Kilo Koks so viel wie sechs Bananen wiege, Bananen aber in der Kiste mehr Platz einnehmen würden als ein Drogenpaket.

Zu diskutieren war für das Verteidigerduo, ob der 24-jährige Dolan K. überhaupt straffällig geworden ist. „Er hat die Bergung des Kokains um keinen Millimeter vorangebracht“, so Werner. Selbst die Anklage gehe lediglich von einem Ausspähen der Reifehalle aus. Doch die Kammer sah dies anders, wie Reiter sagte: „Wer sich fördernd beteiligt, macht sich schuldig.“ Die Verteidiger hatten aber ohnehin im Namen ihres Mandanten einer Verständigung zugestimmt.

Der 41-jährige Artan A. war am 24. März zwei Mal mit weiteren Tätern in die Reifehalle eingebrochen. Doch da waren die präparierten Bananenkisten noch gar nicht angeliefert. Ein anderes, von der Gruppe Paraquay beauftragtes Bergungsteam war wenige Tage nach den vergeblichen Versuchen der Gruppe der Angeklagten in die Reifehalle eingedrungen und hatte das Kokain aus den Bananenkisten geborgen. nig

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