+
Reichsbürger-Wohnsit z in Eitting . Auf der Heckscheibe des Wagens (r.) des Paares prangt ein „Bundesstaat Bayern“-Aufkleber. Am Haus hängt eine gleich lautende Plakette

Nach der Reichsbürger-Razzia 

Bürger und Behörden des „Bundesstaates Bayern“

  • schließen

Eitting/Landsham – Die ins Visier von Kripo Erding und Staatsanwaltschaft München II geratenen Reichsbürger in Eitting und Landsham (Kreis Ebersberg) zeigen beispielhaft, wie das System des ebenso fiktiven wie illegalen „Bundesstaates Bayern“ funktioniert. Das ist nicht zuletzt an den Beschlagnahmungen zu erkennen.

In Landsham wurden offensichtlich führende Köpfe der „administrativen“ Seite gefilzt. Hier wurden nicht nur mehrere tausend Euro Bargeld gefunden – vermutlich Einnahmen aus „Steuern“ und „Gebühren“ der Reichsbürger –, sondern neben Speichermedien auch Urkunden-Formulare und zahlreiche fiktive Dokumente.

Bei dem 56 und 66 Jahre alten Paar aus Eitting dürfte es sich hingegen eher um Nutznießer, sprich Bürger des „Bundesstaates Bayern“ gehandelt haben. Wie berichtet, fanden die Ermittler in dem Haus mitten im Ort unter anderem Ausweise, die von den beiden genutzt wurden.

Der Stempel mit der Aufschrift „Kriegsgefangenenpost“ könnte ein Indiz dafür sein, dass die Eittinger, wie in diesen Kreisen üblich, (echte) staatliche Behörden mit Briefen, Einsprüchen und Beschwerden überzogen haben. Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Präsidiums, hatte bereits am Dienstag erklärt, dass dieser Stempelaufdruck häufiger in seitenlangen Kassibern der Reichsbürger gefunden werde.

Die Aktion in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit 300 Beamten, die von der Kripo Erding koordiniert wurde, lief am Dienstag bis 17 Uhr. Nun dürfte es Monate dauern, bis alle Funde ausgewertet sind. Kammerer berichtet von einem „weitgehenden friedlichen Verlauf“ der Razzia. Lediglich in Haßberge habe ein Wohnungsinhaber (51) anfangs Widerstand geleistet. In seinen Räumen entdeckten die Fahnder eine offensichtlich manipulierte Schreckschusspistole. Der Revolver und 44 Patronen wurden sichergestellt. Zwei nicht angemeldete Schreckschusswaffen fanden sich zudem in der Wohnung eines 58-Jährigen in Rheinland-Pfalz. Rechtmäßig besaß hingegen ein 56 Jahre alter Reichsbürger aus Nürnberg mehrere Lang- und Kurzwaffen. Aufgrund einer nicht auszuschließenden Gefährdung wurden sie eingezogen, heißt es in einer ersten Bilanz des Ingolstädter Präsidiums. In Haft genommen wurde laut Kammerer niemand. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

TSV Dorfen: Das schönste Pokal-Aus aller Zeiten
Der TSV Dorfen hat das Pokal-Spiel gegen den TSV 1860 München verloren. Und doch hat er alles richtig gemacht.
TSV Dorfen: Das schönste Pokal-Aus aller Zeiten
Eine Madonna für Langenpreising
Der Langenpreisinger Josef Wurzer schenkt seiner Heimatgemeinde eine Schnitzarbeit. Sie ist der berühmten Stalingrad-Madonna nachempfunden.
Eine Madonna für Langenpreising
Feldspritze steht Kopf
Ein größeres Malheur ist einem Landwirt auf der Ortsdurchfahrt Moosinning passiert. Seine Feldspritze mit 2600 Liter Wasser  riss sich los.
Feldspritze steht Kopf
Pflug-Wettziehen mit reiner Muskelkraft
Reine Muskelkraft war beim Pflug-Wettziehen im Rahmen des Oldtimer-Treffens der Feuerwehr Eicherloh gefragt.
Pflug-Wettziehen mit reiner Muskelkraft

Kommentare