Somalier (23) Vor Landgericht Landshut

Haftstrafe für Messerattacke in Asylheim

Eitting/Landshut - Wegen einer Messerattacke in einer Eittinger Asylunterkunft muss ein Somalier für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Verurteilt wurde der 23-Jährige wegen versuchten Totschlags.

Unter seinen Mitbewohnern in der Eittinger Asylbewerberunterkunft verbreitete der Kellner Angst und Schrecken. Am 4. Juni 2015 rastete er wieder einmal aus und ging mit einem Messer auf einen Landsmann, den 26-jährigen Schüler Mohamed C., los. In Tötungsabsicht, wie Staatsanwältin Sigrid Kolano dem 23-jährigen Somalier Mohamed A. vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut vorwarf. 

Hätte sich der 26-Jährige nicht instinktiv weggedreht, die Messerattacke hätte tödlich enden können. Schließlich konnte der Täter von zwei Mitbewohnern abgedrängt werden. Der 26-Jährige kam mit einer blutenden Wunde an der Stirn und Schmerzen am Arm glimpflich davon. Dennoch lautete die Anklage auf versuchten Heimtücke-Mord sowie gefährliche Körperverletzung.

Zum Prozessauftakt schilderte der Kellner sein Leben in Unterdrückung und seine waghalsige Flucht durch mehrere Länder. Er habe sogar ein Bootsunglück mit 58 Ertrunkenen überlebt. 2014 kam er nach Deutschland, im März 2015 nach Eitting. Die Anklage bestritt der Somalier. Das eigentliche Opfer sei er. Bereits am Nachmittag des Tattags sei ein Streit eskaliert. Er sei mit einer abgebrochenen Bierflasche angegriffen worden. Auch bei der mitternächtlichen Auseinandersetzung sei zunächst er Ziel der Attacke seines Mitbewohners gewesen. Als er dann eigenen Angaben zufolge noch erniedrigt wurde, habe er mit Geschirr nach dem 26-Jährigen geworfen – und die Polizei alarmiert. An der nachmittäglichen Rauferei gab es nach den Aussagen der Zeugen in der Verhandlung keinen Zweifel. Allerdings versicherte das spätere Opfer, mit der Bierflasche weder zugestochen noch zugeschlagen zu haben.

In Nacht eskalierte die Lage dann, nachdem der 23-Jährige ins Zimmer gestürmt war und auf den Landsmann eingestochen hatte. Staatsanwältin Kolano sah einen versuchten Heimtücke-Mord in Tateinheit mit einer gefährlichen Körperverletzung als verwirklicht an und forderte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten. Die Version des Angeklagten „sei eine reine Schutzbehauptung“. Die von ihm angedeutete Verschwörung des Opfers und der übrigen Zeugen habe es nicht gegeben. Verteidiger Dr. Martin Paringer verwies dagegen auf die Version seines Mandanten, die nicht widerlegt sei, da sich das angebliche Opfer und die Zeugen „in erhebliche Widersprüche verwickelt“ hätten. Der Anwalt forderte Freispruch und sah für den Fall einer Verurteilung lediglich eine gefährliche Körperverletzung verwirklicht. 

Die Kammer erkannte hingen auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung – und verhängte dafür eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Die Anklagevorwürfe hätten sich in vollem Umfang bestätigt, so Vorsitzender Richter Markus Kring. Nur die Heimtücke fand sich im Urteil nicht wieder.

Walter Schöttl

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