Die Container für das Kinderhaus stehen bereit. Sie sind nur eine Zwischenlösung, weiß Reinhard Huber.
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Die Container für das Kinderhaus stehen bereit. Sie sind nur eine Zwischenlösung, weiß Reinhard Huber.

100 Tage im Amt

Eittings Bürgermeister Reinhard Huber: „Stellen abbauen ist nicht mehr meine Welt“

  • vonDaniela Oldach
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Nach gut 100 Tagen im Amt zieht Eittings Bürgermeister Reinhard Huber im großen Interview Bilanz.

Eitting – Vor gut drei Jahren wurde Reinhard Huber (Ortsliste Reisen) nach dem Tod von Rudi Brand zum Eittinger Vize-Bürgermeister gewählt. Seit 1. Mai steht der 59-jährige Reisener an der Spitze der Kommune. Wie es jetzt ist, die volle Verantwortung für seine Gemeinde zu tragen, und wie die ersten 100 Tage seiner Amtszeit verliefen, darüber spricht er im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Herr Huber, nach einem Dreivierteljahr im Vorruhestand stehen Sie wieder voll im Berufsleben. Eine große Umstellung?

Nein, denn während meines Vorruhestands habe ich viel auf der Baustelle meines Sohnes gearbeitet. Und als Vize-Bürgermeister habe ich unseren damaligen Bürgermeister Georg Wiester ja auch schon des Öfteren vertreten.

Vermissen Sie Ihren früheren Job als Werkmeister und Anlagenmanager bei Uniper?

Nein, ich habe hier ein viel angenehmeres Arbeitsklima. Stellen abbauen und Einsparungen treffen, das ist nicht mehr meine Welt. Ich habe mit dem Bürgermeisteramt einen anderen Weg gewählt und bin zufrieden. Außerdem werde ich von der Verwaltung sehr gut unterstützt.

Was ist die größte Umstellung vom Vize-Bürgermeisteramt zum Rathauschef?

Es war ein fließender Übergang und bedingt durch Corona ein ganz ruhiger Einstieg. Dennoch ist mir und meinen Gemeinderatskollegen durchaus bewusst, dass wir eine große Verantwortung haben. Zudem ist es schön, dass man viele neue Leute kennenlernt.

Apropos Corona: Welche Probleme haben sich durch die Pandemie in der Kommune aufgetan?

Unser Hauptproblem war: Was machen wir mit dem Schulbetrieb? Ich hatte viel Kontakt mit dem damaligen Schulleiter Paul Hilger und dem Elternbeirat. Ob das unbedingt in meinen Aufgabenbereich fällt, weiß ich nicht. Aber es war wichtig, dass wir eine gute und vernünftige Lösung finden, um die Notbetreuung so gut und sicher wie möglich durchführen zu können. Und als dann die ersten Lockerungen kamen, traten auch die Vereine an uns heran, weil sie wieder trainieren wollten. Wir haben dann alle Vereinsvertreter aus Eitting und Oberding in die Dreifach-Halle in Oberding eingeladen, um über den weiteren Trainingsbetrieb zu entscheiden. Wegen Corona sind ja viele Veranstaltungen ausgefallen, so auch die Bürgerversammlung.

Gibt es hier schon eine Alternative?

Ja, wir wollen unsere Bürgerversammlung im November in der Turnhalle veranstalten. Die offizielle Verabschiedung meines Amtsvorgängers und der ausgeschiedenen Gemeinderäte werden wir in kleinerem Kreise auch im November nachholen.

Haben Sie auch schon ein Brautpaar getraut?

Nein, noch nicht. Ich habe zwar das entsprechende Seminar besucht und dürfte trauen. Aber das machen unsere Standesbeamtinnen wunderbar. Wenn es sich jemand wünscht, von mir getraut zu werden, stehe ich natürlich gern zur Verfügung.

Thema Planung: Wie ist der aktuelle Stand bezüglich der Umsetzung des Baugebiets in Gaden?

Wir planen auf einer Fläche von 2,8 Hektar Wohnbebauung. Ich hoffe, dass wir damit auch Bauplätze für unsere Bürger anbieten können. Es gibt aber noch einiges zu regeln. So brauchen wir beispielsweise noch die Unterstützung durch die Nachbargemeinde Langenbach. Denn unsere Gadener Feuerwehr ist tagsüber nicht immer angemeldet. Und da setzen wir auf Unterstützung von der Feuerwehr Niederhummel. Doch hierfür müssen erst noch alle Formalitäten geklärt werden. Außerdem müssen die Kommandanten der beiden Wehren noch einige Details klären. Handlungsbedarf besteht auch beim Kindergarten, der aus allen Nähten platzt.

Wie ist hier der Sachstand?

Wir mussten schnell handeln. So hat der alte Gemeinderat noch beschlossen, eine Containeranlage neben dem Kinderhaus St. Georg aufstellen zu lassen. Ab 1. September ist dort Platz für eine Krippen- und eine Kindergartengruppe. Diese Container haben wir für vorerst drei Jahre gemietet mit Option auf Verlängerung. Die Container wurden mit einer Verspätung von drei Wochen geliefert. Aber ich hoffe, dass wir pünktlich alles fertigstellen können. Die Möbel sind aufgebaut, draußen sind schon Spielgeräte installiert. Und auch der Rollrasen ist verlegt. Ein Zaun wird ebenfalls noch angebracht.

Das ist aber nur eine Übergangslösung, oder? Ist ein weiterer Kindergartenbau geplant?

Definitiv. Wir haben eine Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben und werden mit der Planung heuer noch beginnen. Vom Ergebnis der Analyse ist es abhängig, ob wir in Eitting oder Gaden einen Kindergarten bauen. Grundstücke haben wir in beiden Orten.

Gab es auch schon traurige Momente während Ihrer Amtszeit?

Der Tod unseres Altbürgermeisters und Ehrenbürgers Matthias Kammerbauer hat mich sehr getroffen. Er war auch ein langjähriger Arbeitskollege von mir. Ich habe ihn sehr geschätzt. Und für unsere Kinder tut es mir natürlich leid, dass wir heuer kein umfangreiches Ferienprogramm anbieten können.

Ihr unterlegener Gegenkandidat Hermann Hofer ist jetzt Ihr Stellvertreter. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Ausgezeichnet. Der Wahlkampf ist vorbei, da gibt es kein Nachspiel. Jetzt müssen wir schauen, dass wir für unsere Gemeinde was bewegen.

Was ist denn Ihr großes Ziel?

Ich möchte ein Baugebiet in Eitting realisieren. Da werden wir uns im Herbst beraten. Es gibt potenzielle Standorte, aber hier ist noch nichts spruchreif. Für unsere jungen Leute möchten wir gerne Wohnraum schaffen. Corona hat die Wirtschaft zwar etwas gebremst. Aber sie wird sich auch wieder erholen. Und die Nachfrage ist ungebrochen hoch.

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