Die Gadener Mimen im Jahr 1949. Damals führte das Wildererstück noch der Trachtenverein unter dem Dach des Schützenvereins auf.
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Die Gadener Mimen im Jahr 1949. Damals führte das Wildererstück noch der Trachtenverein unter dem Dach des Schützenvereins auf.

Nach zwei Jahren Durststrecke hofft der Heimatverein auf Theateraufführungen – Blick in die Historie

Wann dürfen die Gadener wieder lachen?

Der Heimatverein Gaden ist weit mehr als „nur“ ein Theaterverein. Wir blicken auf die Historie und hoffen mit dem Verein, dass er bald endlich wieder Aufführungen machen kann.

VON RAIMUND LEX

Gaden – Eine kleine Durststrecke hat der Heimatverein Gaden hinter sich. Er ist vor allem für seine Theateraufführungen bekannt und beliebt, doch nun sind schon zwei Stücke in Folge ausgefallen. 2019 musste aus privaten Gründen auf die Theatersaison verzichtet werden, und 2020 stoppte bekanntlich das Corona-Virus die Gadener Mimen. Sie hätten gerne an den großen Erfolg von 2018 angeknüpft, als alle sieben Aufführungen ausverkauft waren und insgesamt 1008 Gäste sich im Bürgersaal des Feuerwehrhauses köstlich amüsiert hatten.

Jetzt hoffen alle im Verein unter der Führung von Vorsitzendem Stefan Eicher, vor allem die Theatergruppe, dass Corona bald vorbeigeht und es wenigstens im kommenden Herbst wieder heißen kann: Vorhang auf! Dann ist „Der Vampir von Zwickelbach“ nach Ralph Wallner geplant. Aber keine Angst: Durch den Biss des Vampirs wird niemand verflucht, alles geht natürlich gut aus. Sofern halt Corona mitspielt. Bis es soweit ist, blicken wir erst mal auf die Geschichte des 42 Jahre alten Vereins zurück.

Drei eigenständige eingetragene Vereine gibt es in dem 400-Seelen-Dorf am Rande des Viehlasmooses, der jüngste ist der Feuerwehrverein, der weitaus älteste der Schützenverein Gemütlichkeit. Dazwischen rangiert der Heimatverein. Er dürfte der bekannteste Gadener Verein sein – und das kommt von Heimatabenden und vom Theaterspielen. Singen, Schuhplattln, Volkstänze, Einakter und komplette Theateraufführungen, das sind seine Wurzeln. Heute wie damals, als es in den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit dem Heimatverein langsam losging. Gegründet wurde er dann offiziell am 28. Dezember 1978.

Neue Mitglieder sind willkommen, sie müssen keine Gadener sein. Aber Gaden, weiß Anton Eicher, einer der langjährigen Vorsitzenden des Heimatvereins in Gaden, „war schon lange, lange vor der Vereinsgründung ein Ort des Theaterspiels“. Ein Beweis dafür ist zum Beispiel ein Foto aus dem Jahr 1949, das die Gadener Mimen bei einem Wildererstück zeigt.

Regelmäßig die Publikumslieblinge sind die Moosspatzen.

Bei den Theateraufführungen im Feuerwehrhaus wird nicht einfach nur Theater gespielt, da gibt es Besonderheiten, mit denen nicht jeder Verein aufwarten kann. Zum Beispiel die Moosspatzen, ein Zusammenschluss von jungen Leuten, vom Vorschulalter bis hinauf zu inzwischen erwachsenen jungen Frauen, die immer noch einen solchen Spaß am Singen haben, dass sie nicht damit aufhören wollen – auch wenn sie inzwischen zum Teil schon verheiratet sind.

Ansprechpartnerin für die kleinen, mittleren und großen Moosspatzen ist Lehrerin Petra Waldhauser. Sie hat das nötige Händchen, um die Mädchen und sogar ein paar Buben so zu begeistern, dass sie regelmäßig zu den Proben kommen – und bei den Theaterabenden sofort die Lieblinge des Publikums sind.

Und dann gibt es die Schuhplattler, inzwischen gestandene junge Männer, die mit Kraft, Taktgefühl und Engagement die Zuschauer mit bayerischer Tanzkunst begeistern. Sie sind die Nachfahren derer, die ab 1970 auf den heutigen Heimatverein Gaden zusteuerten, damals allen voran Josef Huber, den alle nur „Bone-Sepp“ nannten, der Urvater des Vereins. Begleitet werden sie von der vereinseigenen Musik – ebenfalls aus einer langen Tradition heraus, die auf den „Bone-Sepp“ zurückgeht.

Huber, selbst begeisterter Plattler und Amateur-Mime, fragte nämlich die Gadener Heranwachsenden, als man wieder einmal in der „Kuchl“ des damaligen Neuwirts zusammensaß, ob sie nicht das Schuhplattln lernen wollten – und stieß damit auf große Begeisterung. Denn Ablenkungen gab es im Gaden der 60er und frühen 70er Jahre nicht viele.

Im Heimatverein gibt es heute sogar eine Umweltabteilung, von der jährlich das große Ramadama organisiert wird. Von 1987 bis 1999 fand sich unter seinem Dach außerdem eine Damen-Gymnastikabteilung.

Der Verein legte nach der Gründung 1978 einen regelrechten Höhenflug hin. Man war sogar Gast im Fernsehen, in der „Plattenküche“ mit Frank Zander, man war eine Woche in Paris und zeigte dabei jeden Tag einen bayerischen Abend. Und zu zwei Heimatabenden waren die Gadener sogar ins NATO-Hauptquartier nach Brüssel eingeladen.

Die Sonnwendfeier gehört fest zum Jahresprogramm.

Man blieb auch danach erfolgreich und spielt seit 1986 nicht mehr im engen, niedrigen Saal der damaligen Gast- und Tafernwirtschaft F. Gumberger (heute Alter Wirt), die Mimen durften im neu erbeuten Feuerwehrhaus ihre Kunst zeigen und dazu den Bürgersaal als Zuschauerraum sowie das Floriansstüberl als Bühne nutzen, ab 1996 zusätzlich den anschließenden Mehrzweckraum. Der Bürgersaal verfügt seit einigen Jahren während der Theatersaison, immer im Oktober/November, sogar über nach hinten ansteigende Stuhlreihen, sodass jeder auf den 144 Plätzen beste Sicht hat. Neu ist auch die „Hüttn“, eine kleine, nachgebaute Almhütte, die während der Theatersaison auf dem Platz vor dem Feuerwehrhaus steht und den Gästen Speisen und Getränke anbietet, zum Ratschen einlädt und das Motto des Heimatvereins in Gaden verstärkt: „Die Leute sollen sich wohlfühlen.“ Auch die Aktiven, versteht sich. Sie kommen auch beispielsweise gerne zu den Spieler-Essen, die als Dank der Vereinsführung für die Leistung auf der Bühne veranstaltet werden.

Unter den in der aktuellsten Statistik ausgewiesenen 186 Mitgliedern des Gadener Heimatvereins befinden sich rund 35 Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Das Gros stellen aber die 40- bis 60-Jährigen. Neue Mitglieder sind durchaus willkommen, sie müssen eben auch nicht in Gaden wohnen. Die Theatergruppe wäre vor allem an jungen Herren interessiert, denn die „jugendlichen Liebhaber“, die bisher in diesen Rollen zu sehen waren, kommen langsam in die Jahre.

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