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Für eine Familie aus Niederneuching entwickelte sich Heiligabend zum echten Albtraum. (Symbolfoto)

„Sie ist mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe geprallt“

Betrunkener fährt Frau und zwei Enkel an - Frau schwer verletzt

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Für eine Familie aus Niederneuching entwickelte sich Heiligabend zum echten Albtraum: Ein Betrunkener überfuhr zwei Kinder und ihre Oma. Die Eltern und ein drittes Kind mussten zusehen.

Niederneuching - Heiligabend, das ist das Fest der Freude, der leuchtenden Kinderaugen. Für Familie K. aus Niederneuching (Kreis Erding) war Weihnachten 2018 aber ein einziger Albtraum. Oma Tonka B. und ihre drei Jahre alten Enkel Arne und Paul wurden nach dem Kindergottesdienst von einem Betrunkenen (40) beim Überqueren der Straße überfahren. Und die Eltern Thomas (44) und Bettina K. (40) sowie der sechs Jahre alte Sohn Jan mussten alles mit ansehen. Jetzt kämpft die Familie um Normalität. Doch davon ist sie weit entfernt. Erst im August hatte die Familie in Niederneuching ein Haus gekauft – von dort blicken sie direkt auf die Unglücksstelle. 

Thomas K. erzählt: „Wir haben einer Familie nach der Kinderchristmette noch frohe Weihnachten gewünscht. Dann wollten wir nach Hause. Mein Schwiegervater ist früher aus der Kirche, weil er noch alles herrichten wollte, vor allem die Geschenke für die Kinder unter den Baum legen.“ 

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„Sie ist mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe geknallt“

Um 18.20 Uhr drücken sie den Knopf an der Fußgängerampel in der Ortsmitte. Dass in diesem Moment ein VW Golf in Richtung Erding naht, bemerkt keiner. „Plötzlich war das Auto da. Der VW hat meine Schwiegermutter voll erwischt. Sie ist mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe geprallt“, erinnert sich der 44-Jährige. Der Oberschenkel von Tonka B. dürfte dabei dem dreijährigen Paul das Leben gerettet haben. Denn das Bein war zwischen dem Auto und dem Kleinkind. Thomas K.: „Paul wurde fünf Meter weit weggeschleudert. Ich bin schräg hinter den beiden gegangen und konnte es nicht verhindern.“ Anfangs besteht sogar Verdacht auf einen Schädelbasisbruch. Doch Paul kommt mit tiefen Gesichtsverletzungen und Prellungen davon. 

Viel schlimmer hat es seine Oma erwischt. Sie wird vom Hubschrauber ins Klinikum Großhadern geflogen, wo sie ins künstliche Koma versetzt wird. Es besteht Lebensgefahr. Sie hat Verletzungen an der Wirbelsäule, an den Beinen und im Gesicht erlitten. Den zweiten Zwilling Arne findet sein Vater mit einer blutigen Lippe und einem Wackelzahn. Er sagt zum Vater: „Das Auto hat mir wehgetan.“ 

Die Ärzte können Entwarnung geben

Bereits am ersten Weihnachtsfeiertag können die Ärzte wenigstens Entwarnung geben, die 68-Jährige schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Und auch die Buben haben sich einigermaßen erholt. Was viel länger bleiben wird, sind die seelischen Wunden. Die ganze Familie ist betroffen. „Wir ringen darum, schnell Therapiestunden für die Kinder zu bekommen“, sagt der Papa. Denn auch der sechsjährige Jan ist traumatisiert. Für die Kinder ist es etwa eine große Belastung, auf die Straße zu gehen. „Da reicht schon ein Motorengeräusch, dass sie zusammenzucken“, sagt Vater Thomas K. Seine Frau Bettina wacht mit den schlimmen Bildern auf und geht mit ihnen abends ins Bett. Der Ehemann kann das nachempfinden, kann er doch selbst kaum verarbeiten, was passiert ist: „Ich habe Albträume. wache nachts schweißgebadet auf und habe manchmal den Eindruck, jemand sitzt auf dem Brustkorb.“ Dennoch wissen auch alle, es hätte noch schlimmer kommen können.

 Hans Moritz

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