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Alle wieder da. An den Schulen ist wieder voller Präsenzunterricht. Der BLLV warnt einmal mehr, dass dafür immer weniger Grund- und Mittelschullehrer zur Verfügung stehen.

BLLV lobt Schulgemeinschaft, warnt aber vor Lehrermangel – Kritik an Ministerium

Guter Start, düstere Aussichten

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Seit vier Tagen befinden sich alle Schüler im Landkreis wieder im vollen Präsenzunterricht – das erste Mal seit 14. Dezember und damit fast einem halben Jahr. Mit dem Start ist der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) im Landkreis Erding zufrieden. Doch dann folgt ein dickes ABER.

Erding – „Wir Lehrer waren richtig glücklich, dass wieder die ganze Kapelle da war. Ein schönes Gefühl, deswegen sind wir so gerne in diesem Beruf“, geben sich die beiden BLLV-Kreisvorsitzenden Michael Oberhofer und Michael Braun fast schon ein bisschen euphorisch.

„Was jetzt in vielen Schulgemeinschaften passiert, ist beeindruckend. Ein ganz großes Lob an die Kinder, die Eltern, aber auch an die Lehrkräfte an allen Schularten im Landkreis“, so Oberhofer und Braun weiter. Es funktioniere aber nur deshalb, „weil die Lehrer unwahrscheinlich viel Zeit und Arbeit in das Projekt ,Schule mit Corona‘ setzen und gesetzt haben“, heißt es in einer Presseerklärung.

Doch Oberhofer und Braun, beide Schulleiter in Isen beziehungsweise Wartenberg, richten den Blick schon über den Sommer hinaus. Es sei „spannend“, wie es im nächsten Schuljahr weitergehe. Und damit meinen die Pädagogen ausnahmsweise nicht die Entwicklung der Pandemie, sondern die ausreichende Versorgung der Schulen mit Lehrern.

„An Grund- und Mittelschulen gibt es einen großen Bedarf an Pädagogen, an hochwertig ausgebildeten Lehrern, auch Fachlehrkräften, der nicht zu decken ist“, diagnostizieren sie.

„Warum sagt das Kultusministeriums nicht einfach, dass diese Aussage richtig ist?“, wundern sie sich. Stattdessen werde versucht, „den Mangel mehr schlecht als recht zu verwalten“. Im Zweifelsfall werde dann auch noch vielleicht an den Sport-, Werk-, Kunst- oder Musikstunden gespart. In der Tat hatte das Ministerium die gleichlautende Kritik von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Dienstag umgehend als überzogen zurückgewiesen.

„Stundentafel kürzen, Personal gespart – diese Rechnung geht nicht auf“, erklären die Erdinger Lehrerfunktionäre. „Wir machen uns Sorgen um die Unterrichtsversorgung in den nächsten Jahren. Dann leidet die Qualität zulasten unserer Kinder.“

Braun und Oberhofer erkennen einen grundsätzlichen Reformbedarf: „Das Lehramt an allen Schulen muss dienstrechtlich gleichwertig werden. Nur so bekommen wir den so notwendigen Nachwuchs in den Kollegien der Grund- und Mittelschulen.“  ham

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