Auf Pfingst-Radtour: Doris Detterböck, Lisa Jüngler mit Hund Idefix, Chriss Melzer und Hermann Detterböck aus Wartenberg (v. l.) genossen den Ausflug durch die Umgebung, hier in Zustorf. 
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Auf Pfingst-Radtour: Doris Detterböck, Lisa Jüngler mit Hund Idefix, Chriss Melzer und Hermann Detterböck aus Wartenberg (v. l.) genossen den Ausflug durch die Umgebung, hier in Zustorf. 

Umfrage unter Fachhändlern

Corona-Boom in den Radgeschäften

Während die Politik mit der Automobil-Lobby über Kaufprämien diskutiert und viele Einzelhändler über mangelnde Einnahmen klagen, bilden sich vor Fahrradgeschäften Schlangen.

Landkreis – Fahrradhändler scheinen aus der Corona-Krise als Gewinner hervorzugehen. Das bestätigt auch Silvia Bilda, die gemeinsam mit ihrem Mann das Fahrradgeschäft Mobitec in Wörth betreibt. Sie erzählt, dass viele Verluste der vergangenen Wochen sogar etwas aufgeholt werden konnten. Das Radfahren boomt, nicht zuletzt bestimmt auch wegen den geltenden Reisebeschränkungen.

„Die Leute denken um“, sagt Bilda. „Mit dem Rad ist man dann doch etwas flexibler, als zum Beispiel zu Fuß, um vielleicht einfach mal das eigene Land zu erkunden“, fügt sie mit Blick auf die Urlaubsausflüge im eigenen Land hinzu. Viele Reisewillige schwenken um und statt eines Auslandstrips gibt es einen heimischen Ausflug mit dem Rad. Dafür wird dann selbstverständlich die passende Ausstattung benötigt.

Laut Hanni Pfeiffer sind die ausfallenden Urlaube durchaus ein Grund für die höhere Nachfrage, über den sich auch der Erdinger Familienbetrieb Radsport Pfeiffer freuen darf. Von Paaren bis ganzen Familien und vom Kinderrad bis Mountainbike ist im Moment alles gefragt. „Es wäre natürlich aus mehreren Gründen wünschenswert, dass dieser Trend bleibt. Aber ich vermute, dass das auf Dauer nicht so bleiben wird, sobald sich die Situation wieder normalisiert“, sagt sie.

„Der Fahrradverkauf ist zu dieser Zeit jedes Jahr mehr, im Frühjahr wollen viele nach draußen“, erzählt Klaus Schauer, Inhaber von Bikesport Schauer in Wartenberg. „Aber jetzt gerade ist er tatsächlich ungewöhnlich hoch.“ Im Moment würden auch viel mehr Kunden ihre Fahrräder zur Reparatur bringen. Einige Menschen hätten ihre Freizeitgestaltung geändert. Aktuell seien unter anderem vor allem Mountainbikes sehr gefragt, Räder, die sich zum Beispiel gut für Bergtouren eignen.

Markus Stöckl, Inhaber von Radl-Center Stöckl in Taufkirchen, kann dem nur zustimmen. Er hält es aber auch für möglich, dass ein verändertes Mobilitätsverhalten ein Grund sein könnte. Volle öffentliche Verkehrsmittel würden aktuell gemieden und Alternativen gesucht. Statt Bus und Bahn fahren manche lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Den Hauptgrund sieht Stöckl in den geltenden Reisewarnungen und ausfallenden Veranstaltungen. „Die Leute haben im Moment keine Alternativen. Wenn der Urlaub ausfällt, investieren viele stattdessen eben in ein neues Fahrrad. Das Radfahren wird allgemein wieder immer populärer.“

Das E-Bike stehe in der Rangliste momentan ganz oben. Und auch allgemein sieht Schauer einen Trend: „Ich glaube, die Krise hat dem ein oder anderen die Augen geöffnet und eine Begeisterung für den Radsport entdecken lassen. So extrem hoch wie jetzt wird die Nachfrage aber nicht bleiben.“ Das E-Bike kompensiere Leistungsunterschiede, meint Silvia Bilda, „alle können miteinander fahren“. Auch sie glaubt an eine hochbleibende Popularität. „Meines Erachtens gehört das Rad mit zu den genialsten Erfindungen der Menschheit. Radlfahren ist einfach schön.“

Katharina Kronthaler

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