Erding auf der Grünen Woche: „Hier spielt die Musik“

Erding/Berlin - Ein eigener Stand auf der Grünen Woche ist keine Selbstverständlichkeit. Der Landkreis Erding ist auf der Berliner Landwirtschaftsmesse aber bereits zum vierten Mal vertreten.

100 000 Besucher schon am zweiten Tag - die Grüne Woche in Berlin ist ein Mega-Ereignis. Durch die Messehallen wälzt sich ein Menschenstrom, mittendrin wie jedes Jahr eine Gruppe junger Männer aus dem Erdinger Holzland. Die Burschen sind heimatverbunden, das zeigt nicht nur ihre Tracht. Ihr Lieblingsstand ist der des Landkreises Erding. Wie jedes Jahr belagern sie am Freitag den Ausschank des Erdinger Weißbräu. Dort treffen sie auf die zweite Gästegruppe aus dem Landkreis: Kommunalpolitiker rund um Landrat Martin Bayerstorfer.

Er nimmt sich etwas Zeit und erklärt seinen Landkreisbürgern in einem längeren Gespräch den neuen Wegweiser durchs Erdinger Land: die druckfrische Broschüre „Unterwegs im Landkreis“ (siehe Kasten). Dass der Landrat dabei gegen die Blaskapelle ankommen muss („meine Lieblingspolka: Böhmischer Traum“), bereitet ihm stimmlich keinerlei Probleme.

40 000 Euro im Kreishaushalt

Ansonsten übernehmen diesen Job Daniela Widl und Ida Fetscher vom Landratsamt. Ihr Infomaterial haben sie direkt neben dem Erdinger-Zapfhahn aufgebaut: Broschüren über den Landkreis, einen großen Touch-Screen mit der gerade freigeschalteten Tourismus-Homepage und einen Plan der Therme.

Bayerstorfer ist stolz auf den Stand - vor allem, weil sich neben Erding nur noch der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm einen unabhängigen Stand in der gut 2000 Quadratmeter großen Bayernhalle leisten. Im Kreishaushalt stehen dafür Ausgaben von 40 000 Euro. Ansonsten sind Firmen wie die Andechser Molkerei oder die Hofpfisterei und Organisationen wie der Bayerische Brauerbund oder Tourismusverband Chiemsee-Alpenland vertreten.

Selbstbewusst präsentieren Erdinger Bäuerinnen neben solchen Fremdenverkehrs-Schwergewichten ihre Herbergen: 20 Höfe in der Anbietergemeinschaft „Gast auf dem Land“. Mit Charme schildern Christine Fleidl, Gaby Baumgartner, Gabi Hofstetter und ihre Kolleginnen die Schönheit des Erdinger Lands. Dazu bieten sie weitere Tricks auf: Wer beim Getreidequiz von Kreisbäuerin Elisabeth Mayr Roggen, Dinkel und Co. erkennt, kann Gutscheine für Landurlaub gewinnen.

Vor allem setzen die Landfrauen aber auf kulinarische Verführung: Schmalzgebackenes von Schuxen über Auszogne bis „Quarkblumen“. 250 Stück machen sie an jedem Messetag und verbrauchen dafür täglich zehn Kilo Mehl und 40 Eier. Im Messe-Trubel mit Blasmusik und tausenden Gesichtern haben Gabriele Thalmaier, Helene Lohmaier, Brigitte Frank und Burgi Lohmeier auf jeden Fall ihre Gaudi.

Mit Spaß verrichten auch Ida Fetscher, Tourismus-Expertin vom Landratsamt, und Anneliese Gritscher vom Weißbräu ihren Messe-Einsatz. Auch wenn das Kreuzweh von ihren ersten Tagen in Halle 22b der Messe Berlin gerade erst abgeklungen ist. Anfang der Woche sind sie mit dem Lkw vorausgefahren und beim Aufbau des Standes dabei. Hunderte Prospekte, Stehtische, Schuxen-Zutaten und nicht zuletzt den Thermomix der Landfrauen hatten sie aus dem Laster auszuladen.

Sie sind sowieso Grüne-Woche-Profis. Mit Tauschgeschäften helfen sich die Standbetreiber gegenseitig. Fetscher geht mit zwei Weißbier in der Hand zu den Nachbarn am Stand der Milchwerke Oberfranken. Zurück kommt sie mit einem großen Brotzeitbrett voll Käsehäppchen.

Tauschgeschäfte und flache Schuhe

Das Wichtigste bei einer Messe? „Für eine Frau: flache Schuhe“, sagt Fetscher. Ihre Kollegin Petra Saler vom Büro Landrat hätte diesen Tipp vielleicht schon vorher gebraucht. Sie begleitet die Politiker-Delegation und hat sich zum feinen Dirndl für hohe Absätze entschieden. Ein Fehler, wie sie am Freitagabend feststellt. Trotz aller Vorbereitung und des richtigen Schuhwerks: „Blasen-Pflaster braucht’s schon“, meint Gritscher.

Besonders stolz sind die Erdinger, wenn sich sich bayerische Kabinettsmitglieder blicken lassen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner probiert am Freitag einen Zwergholunder-Schnaps von Andreas Franzls Hofbrennerei Oberkorb bei Grüntegernbach. Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf kommt gleich mehrmals auf einen Ratsch mit den Leuten aus ihrem Heimatlandkreis vorbei. „Die Grüne Woche ist ein großer Marktplatz“, sagt sie. Ihr Messetag habe mit einem Arbeitsfrühstück mit Ministerkollegen aus den anderen Bundesländern begonnen und gehe weiter mit vielen Treffen und Informationsgesprächen rund um die Themen ihres Ressorts.

Marktplatz für Netzwerker

Auch Andreas Franzl kommt nicht vorrangig zum Verkaufen nach Berlin. Die Grüne Woche ist für ihn eine große Kontaktbörse. Am Freitagabend hat er zum Beispiel die Visitenkarte des luxemburgischen Landwirtschaftsministers in der Tasche. Das Netzwerk des Landwirts, Brenners, Edelbrand-Sommeliers und Uni-Dozenten für Sensorik wächst. Und zur Mitte der Woche übergibt er das Eck mit den edlen Tropfen seinem Brennerkollegen Benedikt Pointner aus Pemmering.

Daneben bietet Gabriele Geitner Kräuter-Salze, Chili-Mischungen und selbst angesetzten Essige an. Die Kräuterpädagogin aus der Nähe von Hohenpolding hat eine Botschaft. „Ich möchte den Menschen vermitteln, wie gesund Wildkräuter sind.“

Das ist die Mischung am Messestand des Landkreises Erding: der große Weißbräu neben kleinen und exquisiten Produkten. Der Landrat ist überzeugt: „Bei uns ist immer am meisten los.“ Tatsächlich: Viele bleiben auf mindestens ein Weißbier. Und das in der „Bayernhalle“ der Grünen Woche, wo ohnehin schon mehr Trubel herrscht als bei den Messe-Nachbarn Sachsen oder Schleswig Holstein. Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz schaut vorbei und sagt: „Hier spielt die Musik.“

Timo Aichele

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