1176 Asylbewerber im Landkreis 

Keine neuen Flüchtlinge mehr

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Voriges Jahr sind kaum noch neue Flüchtlinge nach Erding gekommen. Der Trend setzt sich 2018 fort. Dennoch befinden sich nach wie vor mehr als 700 Menschen im Asylverfahren,1176 leben im Landkreis.

Erding – Es ist noch keine drei Jahre her, da kamen bis zu 60 Flüchtlinge pro Woche neu im Landkreis an. Monatelang diente die Berufsschulturnhalle als Notunterkunft der Regierung von Oberbayern. Über 100 Unterkünfte betrieb der Landkreis.

Der Strom ist abgeebbt. „Seit Monaten bekommen wir so gut wie keine neuen Flüchtlinge mehr“, berichtet Landrat Martin Bayerstorfer. Das gelte für weite Teile Bayerns. Der CSU-Politiker glaubt, dafür eine Erklärung zu haben: „In der Hochphase 2015 hat Bayern überdurchschnittlich viele Asylsuchende aufgenommen. Das Gros kam ja über die bayerische Grenze. Das Kontingent des Freistaats dürfte erfüllt sein.“ Nun greife wieder der sogenannte Königsteiner Schlüssel, der die Verteilung auf die 16 Bundesländer regelt.

Flüchtlinge stellen laut Bayerstorfer jedoch nach wie vor eine große Herausforderung für Politik, Verwaltung und Gesellschaft dar. Zuletzt befanden sich 717 Personen im Asylverfahren. Im Jahr davor waren es 935 gewesen, in der Hochphase deutlich über 1000 ohne Anerkennung. Fast jeder Dritte ist aus Afghanistan, jeder Fünfte aus Nigeria. Kleinere Kontingente stellen Syrer (12 %), Eritreer (8 %) und Pakistani (6 %). Die Zuwanderer kommen aus über 30 Ländern.

Der Großteil der Flüchtlinge – der Anteil der anerkannten wird immer größer – lebt nach wie vor in Unterkünften der Regierung und des Landkreises. Aktuell gibt es 92 Quartiere und die beiden Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung in Oberding und Lindum bei Dorfen. 1152 Menschen leben darin, nur etwa 150 weniger als ein Jahr zuvor. Davon sind über 600 Männer, 220 Frauen und 320 Kinder.

Anerkannte Flüchtlinge dürfen deswegen in den Unterkünften bleiben, weil sie laut Landrat „nach wie vor so gut wie keine Chance haben, am Markt etwas zu finden“. Sie werden als Fehlbeleger geführt. Deren Zahl steigt mit zunehmender Anerkennung an – von 373 Ende 2016 auf zuletzt 459. „Das bleibt auch so, so lange wir Platz haben“, erklärt Bayerstorfer. Andernfalls drohe verbreitete Obdachlosigkeit – zu Lasten der Städte, Märkte und Gemeinden. Allerdings müssen diese Geflüchteten Miete zahlen. Die meisten Asylbewerber leben in Erding (228), Dorfen (178), Taufkirchen (185), Oberding (97) und Wartenberg (88).

Im Landratsamt sind 46 Stellen direkt oder indirekt mit der Bewältigung der Asylaufgaben befasst, berichtet der Landrat. Pro Jahr fallen dafür Mehrausgaben von über zwei Millionen Euro an.

Bayerstorfer gab zu, dass die Groß-Unterkunft in Lindum schlecht an Dorfen angebunden und der Weg in die Stadt gefährlich sei. Es sei jedoch Sache der Kommune, etwa den Stadtbus dorthin fahren zu lassen.

Von Hans Moritz

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