+
Beträchtlich gewachsen ist die Berufsschule, die heuer ihr 150-jähriges Bestehen in Erding feiert. Links ist das Hauptgebäude mit der Turnhalle zu sehen. Nach dem Mittelbau folgt das lang gezogene Gastrozentrum. Der Komplex schließt rechts mit der Fachober- und Berufsoberschule.

150 Jahre Berufsschule Erding

Eine Einrichtung mit königlichem Segen

  • schließen

An diesem Karsamstag vor 150 Jahren fällte der Magistrat der königlichen Stadt Erding einen historischen Beschluss – Gründung und Aufbau einer Berufsschule. Heute ist die Einrichtung an der Freisinger Straße ein Spiegel der großen Vielfalt der Berufs- und Ausbildungswelt.

Erding - Dass die Geschichte der Berufsschule Erding so umfassend dokumentiert ist, ist Hartwig Sattelmair zu verdanken. Zur 125-Jahr-Feier 1992 hatte der Kreisheimatpfleger eine umfassende Chronik verfasst. An deren Anfang steht ein Schreiben des „Magistrats der königlichen Stadt Erding an den Magistratsrath Herrn Gasteiger in Erding“ vom 15. April 1867. Ihm wird „die gewerbliche Fortbildungsschule in Erding betreffend“ mitgeteilt, „zum Vorstande der dahier ins Leben zu rufenden gewerblichen Fortbildungsschule gewählt“ zu sein. Damit einher geht „zugleich die Anweisung, unverweilt zur Bildung des Lehrerrathes zu schreiten und in Gemeinschaft mit demselben derartige Vorbereitungen zu treffen, daß die Schule baldigst nach Ostern eröffnet werden kann“. Unterschrieben hat den Auftrag der damalige Bürgermeister Wilhelm Weindler, der von 1845 bis 1881 im Amt war.

Das nächste entscheidende Schreiben datiert vom 12. Juni 1867: Die Königliche Regierung von Oberbayern teilt „im Namen Seiner Majestät des Koenigs von Bayern“ die Genehmigung der Schule mit. Am 28. September 1867 nimmt dann der „1. Kurs der Elementarabteilung der Gewerblichen Fortbildungsschule in Erding“ mit 37 Schülern seinen Betrieb auf. Der erste hauptamtliche Lehrer wird erst 1871 eingestellt, Es ist der Realienlehrer A. Eder. Unterrichtet wird am Abend – und das anfangs noch nicht in einem eigenen Gebäude, sondern in der Volksschule im Schrannengebäude (heutige Sparkasse).

Schnell steigt die Schülerzahl auf 70 an, unterrichtet werden die Fächer Naturwissenschaft, Technologie sowie gewerbliche Buchführung und Kalkulation. Zeitweise lernen die jungen Männer auch eine Fremdsprache. 

1913 bekommt die Einrichtung einen neuen Namen: In der Beruflichen Fortbildungsschule werden 123 Jugendlichen in fünf Fachgruppenklassen unterrichtet. Erst nach dem Ersten Weltkrieg findet der Unterricht überwiegend am Vormittag statt. Religion wird weiterhin am Sonntag gelehrt.

Der offizielle Name Berufsschule kommt 1930 – mit dem ganztägigen Blockunterricht. Erst drei Jahre zuvor hat die erste Mädchenklasse ihren Betrieb aufgenommen, nachdem man 1925 „allseits die Notwendigkeit erkannt hatte, auch den Mädchen weitere Schulbildung zu gewähren“. Bereits im ersten Jahr sind 104 junge Frauen eingeschrieben.

Der Zweite Weltkrieg trifft die Berufsschule hart. Nach 1945 muss sie, von Bomben schwer getroffen, aus Trümmern wieder errichtet werden. 1946 sind es 470 Schüler, zehn Jahre später bereits 1113.

Das Berufsschulgesetz von 1953 nimmt alle Gemeinden in die Pflicht, Berufsschulbildung zu ermöglichen. Der Landkreis springt in die Bresche: Er stellt an der Freisinger Straße nicht nur ein Neubau-Grundstück zur Verfügung, sondern übernimmt auch die Bauträgerschaft sowie den Betrieb – bis heute. 1957 wird der Grundstein gelegt. 1960 sind alle drei Bauabschnitte bezogen. 39 Jahre lang hatte Wilhelm Bachmair als Direktor unermüdlich gewirkt, ihm folgt in den 60er Jahren Wilhelm Steinkirchner.

1966 wird die Berufsaufbauschule gegründet, ein Jahr später finden hier auch die Kollegtage des Telekollegs statt. Räumlich stößt die Schule – wieder einmal – an ihre Grenzen. Seit 1967 trägt sie ihren heutigen Namen: Dr. Herbert-Weinberger-Schule – eine Reminiszenz an den langjährigen Förderer und Landrat von 1948 bis 1964.

In diesem Jahrzehnt wird auch deutlich, wie sich die Berufswelt verändert: Auf die kaufmännischen und industriellen Metallklassen findet ein großer Ansturm statt, während die Schülerzahlen in den handwerklichen Holz- und Bauklassen spürbar sinken. Eine vorübergehende Entzerrung gelingt dank eines Schüleraustauschs mit der Freisinger Schule.

Doch um einen Ausbau kommt man in Erding nicht herum. 1970 stellt der Kreistag die Weichen. 1972 sind die Erweiterungsbauten fertig. Es ist auch das Jahr der Verstaatlichung der Berufsschulen. Die Landkreise bleiben Sachaufwandsträger.

Nur sechs Jahre später ist die Schule schon wieder zu klein, die kaufmännische Abteilung zieht in die Realschule um. Bis 1981 die nächste Erweiterung steht, findet der Unterricht auch im Fliegerhorst, im Feuerwehrhaus, in der Hauptschule am Lodererplatz sowie in der Grundschule Grüner Markt statt.

Im Juni 2009 wird am benachbarten Irlanger der Grundstein für eine eigene FOS/BOS gelegt, die im Juni 2011 eingeweiht wird.

Die Berufsschule Erding, die nach vielen Jahren mit Josef Biller an der Spitze heute von Dieter Link geleitet wird, zählt 2400 Auszubildende und 100 Lehrer. Hinzu kommen 14 Flüchtlingsklassen.

2017 steht ganz im Zeichen der 150-Jahr-Feier. Geplant sind unter anderem ein 150-Stunden-Unterricht-Weltrekordversuch ab 26. Juni sowie ein Festakt mit Ausstellung am 28. September. Das Jubiläum begeht die Schulfamilie stolz, sind die Berufsschulen in der dualen Ausbildung mit den Betrieben heute doch eines der Aushängeschilder von „Made in Germany“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dorfens Rathaus ist Geschichte
Seit dem Mittag ist der Blick vom Rathausplatz zum Marienhof-Gebäude frei.
Dorfens Rathaus ist Geschichte
Letzter Blick in die Seele des Rathauses
Sezierte Architektur: Nur noch das Gerippe des Dorfener Rathauses steht. Bis Mitte der Woche soll das Haus endgültig dem Erdboden gleichgemacht sein. Judith Gilbert hat …
Letzter Blick in die Seele des Rathauses
Die Nachwuchswerbung läuft auf Hochtouren
Zu 27 Einsätzen musste die Feuerwehr Niederneuching im vergangenen Jahr ausrücken. Es sei ein durchschnittliches Jahr gewesen, lautete das Resümee in der …
Die Nachwuchswerbung läuft auf Hochtouren
Erstkommunionkinder pflanzen Apfelbaum
Gemeinschaftsaktion mit Sinn: Die fünf ortsansässigen Fraunberger Erstkommunionkinder haben gemeinsam mit dem Fraunberger Gartenbauverein mit Vorsitzender Traudl Fischer …
Erstkommunionkinder pflanzen Apfelbaum

Kommentare