Wegen Kohlenmonoxid in der Kälte: Feuerwehr und Rettungsdienst kümmerten sich um die 18 Geflüchteten. Foto: Hans Moritz
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Wegen Kohlenmonoxid in der Kälte: Feuerwehr und Rettungsdienst kümmerten sich um die 18 Geflüchteten.

Nächtliche Vermisstensuche

22-Jähriger schläft im Schnee ein: Feuerwehr rettet Betrunkenen vor dem Erfrieren

  • vonTimo Aichele
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  • Hans Moritz
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Nach einem Streit stapft ein Betrunkener nachts hinaus in den Schnee. Feuerwehr und Polizei retten den 22-Jährigen bei Siglfing. Zuvor waren die Einsatzkräfte wegen eines Kohlenmonoxid-Alarms in einem Asylheim ausgerückt.

Erding – Betrunken und leicht bekleidet ist ein Nickerchen im Freien bei diesen eisigen Temperaturen eine lebensgefährliche Idee. Ein 22-jähriger Mann hat das in der Nacht zum Sonntag nicht mehr überrissen und sich bei Siglfing auf einem Feld zur Ruhe begeben. Aufmerksamen Anwohnern und unermüdlichen Rettungskräften hat er es zu verdanken, dass er gegen 4 Uhr aus dem Kälteschlaf geweckt werden konnte.

Dem frostigen Sucheinsatz war ein Streit vorausgegangen. Laut Polizei hatte ein Pärchen einen Bekannten in Siglfing besucht und gemeinsam auch Alkohol getrunken. Gegen 3 Uhr eskaliert es, der 22-Jährige marschierte ohne seine Freundin leicht bekleidet auf einem Feldweg in Richtung Eitting. Warum er gerade in diese Richtung, ist schleierhaft. Sein Wohnort liegt laut Polizei nicht in dieser Richtung.

Durch laute Rufe des betrunkenen und durch den Streit wohl aufgewühlten Mann, wurden allerdings Anwohner aufmerksam, die die Polizei alarmierten. Die anschließende Suche nach dem Mann bei bis zu minus 8 Grad und Schneetreiben gestaltete sich zunächst schwierig. Denn die Rufe des 22-Jährigen waren verstummt.

Zwei Streifen und Kräfte der Feuerwehr Erding begannen mit ihren Taschenlampen im Anschlag die Suche. Als dies zunächst nicht erfolgreich war, wurde ein Hubschrauber zur Unterstützung angefordert. Kurz bevor dieser eintraf, wurde der Mann schlafend gegen 4 Uhr auf einem Feld gefunden. Der herbeigerufene Rettungsdienst stellte leichte Erfrierungen an einer Hand fest. Ansonsten war der Mann unverletzt.

„Dem haben wir das Leben gerettet“, ist Markus Gebauer überzeugt. „Wenn wir ihn nicht gefunden hätten, wäre er bei diesen Temperaturen mit Sicherheit erfroren“, sagt der Erdinger Kommandant und Stadtbrandinspektor. Bei einsetzendem Schneefall hätte auch noch die Gefahr bestanden, dass der Betrunkene zunehmend von Schnee bedeckt und so noch schlechter zu finden gewesen wäre.

Kaum war dieser Sucheinsatz beendet, wurden die Einsatzkräfte schon zum nächsten gerufen. Auch Anwohner der Greisslbräustraße in Erding meldeten Hilferufe. „Bei den Personensuchen war es nicht ganz klar, ob hier ein Zusammenhang bestand. Aufgrund der Situation, mit der im Feld vorgefundenen Person, haben wir die Situation als plausibel und gefährlich eingeschätzt, die Maßnahmen entsprechend mit einem starken Personaleinsatz gestartet“, berichtet Kommandant Gebauer.

Also stapften die Erdinger Brandretter gemeinsam mit Feuerwehrkollegen vom nahe gelegenen Fliegerhorst, Polizei und Rettungsdienst dort durchs Schneetreiben. Laut Feuerwehr fanden sie dort auch einen Mann – allerdings hatte dieser nach eigenen Angaben nicht nach Hilfe gerufen.

Im Gegenteil: Als sich der Blaulicht-Suchtrupp näherte, habe sich der Mann versteckt. Offensichtlich sei er von seiner Frau nach einem Streit vor die Tür gesetzt worden, heißt es von der Feuerwehr. Dennoch mussten sie noch umfassend weitersuchen, um festzustellen, ob nicht doch noch jemand in der eisigen Dunkelheit ist, der nach Hilfe gerufen hatte. Gefunden wurde niemand.

Deutlich ernster waren die nächtlichen Einsätze gegen 2 Uhr losgegangen. In einem Asylheim an der Thomas-Wimmer-Straße in Erding hätte es in der Nacht auf Sonntag in einer Tragödie enden können. Die Atemluft war geschwängert mit lebensgefährlichem Kohlenmonoxid. Weil mindestens zwei der 18 Bewohner unerklärliche Kopfschmerzen bekamen, wurden rechtzeitig Feuerwehr und BRK gerufen.

Bereits eine Stunde vor dem Alarm hatte einer der Bewohner, die alle aus Afrika stammen, Kopfschmerzen beklagt. Als auch diese auch ein Zweiter bekam, wurde kurz vor 2 Uhr die 112 gewählt. In der Leitstelle hatte man bereits den Verdacht geschöpft, dass potenziell tödliches Kohlenmonoxid die Ursache sein könnte. Als Ursache stellte sich heraus, dass einer der Bewohner in einer Schale ein kleines Feuer gemacht hat – ihm war kalt.

Die Feuerwehr Erding ging unter Atemschutz mit CO-Messgerät ins Gebäude und evakuierte es. Bei minus acht Grad mussten die Bewohner, darunter ein Säugling und mehrere Kleinkinder, geschützt von Decken und Folien im Freien sowie in einem Rettungswagen warten. „Wir hatten parallel auch schon nach potenziellen Unterkünften gesucht, um die Familien entsprechend der Witterung unterzubringen“, erzählt Gebauer. Nach dem Entlüften konnte das Haus jedoch nach 30 Minuten wieder freigegeben werden, die Bewohner konnten wieder hinein.

Der letzte Feuerwehrmann kehrte nach dieser Einsatznacht gegen 6.30 Uhr ins Erdinger Gerätehaus zurück. „Bei diesen Temperaturen war es für die Einsatzkräfte nicht gerade angenehm“, berichtet Kommandant Gebauer. Die Aufräumarbeiten und Geräteprüfungen dauerten bis in den Sonntagvormittag hinein.

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