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Bühnenszene aus Pension Schöller mit den Schülern des Wahlpflichtkurses Szenisches Gestalten.

29 Schüler der FOS/BOS spielen „Pension Schöller“

Wer ist normal, wer verrückt?

Der Abend begann wie im echten Theater: In der Aula der FOS/BOS Erding gab es Getränke, es wurden Kanapees gereicht und an Stehtischen freute man sich bei angeregter Unterhaltung auf den Beginn der Vorstellung.

Erding 200 Schüler, Eltern und Lehrer waren der Einladung gefolgt, um die Theateraufführung „Pension Schöller“ des Wahlpflichtkurses „Szenisches Gestalten“ anzusehen.

29 Schüler hatten sich bei Deutschlehrerin Ines Grosch für das erstmals durchgeführte Wahlpflichtfach angemeldet. Spätestens nach den zwei Besuchen bei Bühnenprofis in München stand fest: Die Schüler wollen auch Theater spielen. Für alle begann nun eine harte Zeit der Vorbereitung – weit vor den eigentlichen Proben.

Auch mit außergewöhnlichen Aktionen wie dem Anschreien eines Getränkeautomaten oder dem Tragen einer imaginären Glasscheibe näherten sich die Schüler Stück für Stück ihren jeweiligen Rollen. Es folgten viele Probennachmittage auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Dann ertönte endlich der Gong für die Aufführung der Komödie Pension Schöller von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs.

Zum Inhalt des Lustspiels, dessen Uraufführung 1890 war: Alfred Klapproth möchte in Berlin ein Künstlercafé eröffnen, ist aber völlig pleite. Sein reicher Onkel Philipp ist bereit, ihm finanziell unter die Arme zu greifen – allerdings unter einer Bedingung: Er möchte ein Nervensanatorium von innen sehen. Franziska, die resolute Kellnerin der Pension Schöller bringt ihn auf eine folgenreiche Idee. Er soll seinem Onkel doch einfach die„Pension zeigen, deren Gäste völlig skurril sind: So macht der Onkel die Bekanntschaft eines abenteuerlustigen Großwildjägers, einer überdrehten Schriftstellerin und eines Möchtegern-Schauspielers mit Sprachfehler, der „Othello“ rezitiert. Es klappt, der Onkel hält die Gäste wirklich für verrückt und amüsiert sich prächtig. Als der Schwindel am Ende auffliegt, bleibt der Zuschauer mit der Frage zurück: Wer ist hier jetzt eigentlich normal?

Obwohl das Stück rund 130 Jahre alt ist, hat es thematisch nichts an seiner Aussagekraft eingebüßt. Im Gegenteil: Die Regisseurin Ines Grosch schaffte es immer wieder, die Dialoge mit aktuellen Bezügen in die Gegenwart zu transportieren, und sorgte so für manch heiteren Moment. Die jungen Mimen zeigten sich auch bei schwierigen oder schnell gesprochenen Dialogen sehr textsicher und arbeiteten die einzelnen Charaktere mittels überzeugender Mimik und Gestik treffend heraus.

Am Ende spendete das Publikum nicht nur tosenden Applaus, sondern auch Bares für die Laien-Schauspieler. Und eine sichtlich gerührte Kursleiterin ergänzte: „Theater bedeutet für mich, sich aus dem Käfig des Körpers zu befreien. Das haben die Schülerinnen und Schüler heute getan“. KLAUS PETER SCHMITZ

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