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Stolz auf die Familientradition: Hermann Kraus sen. und sein Sohn Wolfgang, der die Geschäfte führt.

375 Jahre Handelshaus am Kraus-eck 

Ein Anker in der Erdinger Geschäftswelt

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Auf eine jahrhundertelange Handelstradition kann das Modehaus Kraus zurückblicken. Seit 375 Jahren werden hier am Schrannenplatz Textilien verkauft. Das Jubiläum ist Anlass für Rückschau und Ausblick.

ErdingGeerdet und weltoffen will das Modehaus Kraus sein. Für Geschäftsführer Wolfgang Kraus ist das keine leere Floskel. Ein Anker, schon in der Hausfassade zu erkennen, ist seit den Umbauten im Sommer auch das weithin sichtbare Logo des Familienunternehmens. Der Anker sei nicht nur ein altes Handelssymbol, sondern soll auch zeigen, „dass wir hier in Erding verankert sind, aber nicht stehen bleiben“, sagt der 37-Jährige. Seit Januar 2016 führt er die Geschäfte – in achter Generation.

Das war im Jahre 1642 noch nicht absehbar. Damals beschloss Loderermeister Georg Grienagl, der auch Erdinger Bürgermeister war, im Eckhaus gegenüber dem damaligen Rathaus ein Musterlager mit Verkaufsstelle einzurichten und dort die begehrten Wollstoffe zentral zu vermarkten. Er schuf einen Ort, an dem Angebot und Nachfrage direkt aufeinandertreffen konnten: Grienagl gründete ein Textilgeschäft.

1770 erwarb schließlich der Lebzelter Jakob Brehm das Anwesen. „Damit kam das Haus in die Familie“, erzählt Kraus. 5000 Gulden zahlte Brehm damals dafür – und nochmal 12 000 Gulden für das Warenlager. Das Geschäftshaus sollte das Auskommen der jungen Familie seiner Tochter Franziska sichern, die im Jahr darauf den Handelsmann Georg Fischnaller aus Bozen heiratete. Der Südtiroler war eigentlich nur nach Erding gekommen, um Loden zu kaufen. Er blieb schließlich sein ganzes Leben. Den Namen Kraus trägt das Geschäft seit 1832, als Ignaz Kraus, der aus der Augsburger Gegend stammte, hier einheiratete. 1906 wurde das Eckhaus um das südlich angrenzende Nachbarhaus vergrößert und umgebaut.

„Uns geht es nicht ums Expandieren, sondern ums Erhalten und Weitergeben“, sagt Wolfgang Kraus. Er weiß die Tradition zu schätzen: „Hier haben die Leute immer das Gleiche gemacht. Es ist schön zu sehen und zu wissen, wo man herkommt.“ Auch wenn man nicht stehen bleiben dürfe. „Wir haben uns immer wieder verändert und angepasst.“ Etwa das Sortiment. Anfangs bekam man beim Kraus Tuch-, Manufaktur-, Weiß-, Woll-, Kurz- und Kolonialwaren. Sogar Jagdmunition, Zigarren und Instrumenten-Saiten waren im Angebot. Mittlerweile ist das Modehaus Kraus auf Damenoberbekleidung spezialisiert.

Das Jubiläum wurde am vergangenen Wochenende „so gefeiert, als ob ein Mensch Geburtstag hätte“, sagt Wolfgang Kraus. Zu Kaffee und Kuchen habe man die Kunden eingeladen. Der persönliche Kontakt ist der Familie wichtig. Senior-Chef Hermann Kraus bietet für Stammkundinnen seit Anfang der 1990er Jahre Theaterfahrten an. Die erste führte seinerzeit in den Circus Roncalli. Am 13. Dezember geht’s ins Kriminaltheater nach München (ausgebucht).

„Unsere Vorfahren haben sich nicht nur für den Handel, sondern auch für die Stadt eingesetzt“, erzählt Hermann Kraus. Viele seien Bürgermeister gewesen, Max Ulrich Kraus habe einige Vereine mitgegründet – etwa die Feuerwehr oder die Liedertafel. Auch Wolfgang Kraus will sich nicht nur um das Modehaus, sondern auch um die Entwicklung der Innenstadt kümmern. Seit einigen Monaten ist er Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ardeo.

Dass Feneberg am Donnerstag eine Filiale an der Langen Zeile öffnet, findet Kraus gut. Dass das Wäschehaus Hunkemöller im Januar schräg gegenüber ins ehemalige Braun-Haus einzieht, ist für ihn „ein Sechser im Lotto“. Erding habe eine „schöne, lebendige Innenstadt“. Während es woanders nur noch Filialisten oder gar keine Geschäfte mehr gebe, könne Erding mit einem guten Mix aufwarten. „Da muss man sich keine Sorgen machen“, sagt der 37-Jährige. Das gilt auch für das Traditionshaus am Kraus-Eck, das seinen Anker gelichtet hat und zuversichtlich in die Zukunft steuert.

von Gabi Zierz

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