Häusliche Gewalt war Alltag in der Beziehung.
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Häusliche Gewalt war Alltag in der Beziehung.

Vergewaltigung, Körperverletzung, versuchte Nötigung: Angeklagter vor Gericht geständig

45-Jähriger macht Gattin das Leben zur Hölle: Vergewaltigung war nur die Spitze des Eisbergs

Er vergewaltigte, verletzte, bespuckte sie. Und er drohte seiner Gattin mit einer Hinrichtung. Ein 45-Jähriger aus dem Erdinger Landkreis-Norden war zum Prozessauftakt geständig.

Nördlicher Landkreis – Ein 45-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis muss sich seit Mittwoch wegen Vergewaltigung, vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung seiner Ehefrau vor der sechsten Strafkammer des Landshuter Landgerichts verantworten. Der Geschädigten bleibt eine Aussage erspart: Im Rahmen einer Verständigung legte der Mann ein vollumfängliches Geständnis ab.

Hunger oder „Strafsex“: Aus diesen beiden Gründen wurde die Frau einer Vertrauten zufolge von ihrem Ehemann regelmäßig nachts aufgeweckt. Sie habe dann kochen oder ihn sexuell befriedigen müssen. Auch sei ihre Freundin in kühlen Nächten nur mit einem Höschen bekleidet ausgesperrt worden. Über den Angeklagten sagte die 39-Jährige: „Er manipuliert gerne Leute.“

Laut Staatsanwalt Matthias Zweck brach der 45-Jährige seiner Frau am 17. Februar 2019 eine Rippe. Als die Geschädigte ankündigte, die Polizei zu rufen, entgegnete ihr der Angeklagte, wenn sie dies täte, werde er sie auf dem Hof „hinrichten“. Gleichwohl setzte die Frau den Notruf ab. Anfang September kam es während eines Streits trotz eines deutlichen „Nein“ seitens der Geschädigten zum Geschlechtsverkehr auf dem Küchentisch. Ein Jahr später spuckte der Angeklagte seiner Frau ins Gesicht und schlug ihr mit der flachen Hand drei Mal ins Gesicht.

Hinzu kommt ein Vorfall in der Nacht auf den 12. September 2020. Nachdem sich das Paar im Wohnzimmer gestritten hatte, befahl der Angeklagte seiner Frau, sie solle ins Bett gehen. Dem kam die Geschädigte nach. Wenige Minuten später betrat der 45-Jährige nackt das Schlafzimmer und forderte seine Frau zum Sex auf. Als diese nicht wollte, vergewaltigte er sie brutal und erniedrigte sie auf jede erdenkliche Art und Weise. Im Anschluss zwang der Angeklagte seine Frau, ihre Koffer zu packen. Anschließend warf er sie aus dem Haus. Die Frau fuhr geradewegs zur Polizei und erstattete Anzeige. Seitdem sitzt der 45-Jährige in U-Haft.

Vor der Hauptverhandlung waren Gespräche geführt worden mit dem Ziel, der Frau eine belastende Aussage vor Gericht zu ersparen. Dies wäre auch nur zum Besten der gemeinsamen Kinder, so Vorsitzender Richter Ralph Reiter. Bei einem Rechtsgespräch am Mittwoch wurde dann für den Fall einer geständigen Einlassung ein Strafrahmen zwischen drei und dreieinhalb Jahren festgesetzt. Dies sei tat- und schuldangemessen, sagte Reiter, wenn man von der Schwere des Tatvorwurfs ausgehe und zugleich berücksichtige, dass der Angeklagte nicht vorbestraft sei. Verteidiger Dr. Thomas Krimmel räumte den Sachverhalt im Namen seines Mandanten in subjektiver und objektiver Hinsicht ein.

Folgt man den Aussagen einer Kripobeamtin und der Freundin, so handelt es sich bei den zur Last gelegten Taten nur um die Spitze des Eisbergs. Immer wieder habe ihre Freundin Hämatome im Gesicht gehabt, so die Freundin. Die Beamtin berichtete, dass auch der Hausarzt der Frau von häuslicher Gewalt gewusst habe. Der 45-Jährige habe seine Frau im Freundeskreis erniedrigt und vor den gemeinsamen Söhnen schlecht gemacht, so die 39-Jährige.

Immer wieder habe sie ihrer Freundin zugeredet, den Angeklagten zu verlassen. Ein Grund dafür, dass diese es aber lange nicht geschafft habe, sei die psychische Verfassung des Angeklagten gewesen. Zunehmend hilflos sei er gewesen; er habe über „Schmerzen im Kopf“ geklagt und immer „verrücktere Geschichten“ erzählt. Auch der Kripobeamtin war der 45-Jährige bei der Festnahme „total lethargisch“ vorgekommen. Auf seine Verfassung angesprochen, habe er ihr gesagt, dass er „schon länger krank“ sei.

Ein psychiatrischer Gutachter soll am nächsten Verhandlungstag Stellung zu einer möglichen Erkrankung des Angeklagten nehmen. Der Prozess wird am 31. März fortgesetzt.  nig

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