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Vermessungsarbeiten vor 50 Jahren: Zwischen Tittenkofen und Erding wurde ausgelotst, wie die Trasse von Ampfing in den Landkreis verlaufen könnte.

50 Jahre Erdgasversorgung in Erding

Anfangs kam das Gas aus Ampfing

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Seit 50 Jahren heizen die Menschen im Landkreis mit Erdgas. Damals kam das Gasgemisch noch aus Feldern bei Ampfing – heute per Pipeline aus Holland, Norwegen und Russland. Stadtwerke-Geschäftsführer Christopher Ruthner spricht über die Zukunft des Gases und darüber, warum es nicht ohne geht.

Erding – Die Erdgasvorräte in der Region reichten nur einige Jahre aus. Genauer gesagt konnten die Erdinger mit dem Gasgemisch aus den Feldern bei Ampfing nur sechs lang Jahre heizen: von 1968 bis 1974. „Seitdem kommt das Erdgas in Erding, wie in den meisten Teilen in Deutschland, vor allem aus Holland, Norwegen und Russland“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Christopher Ruthner. Seit 50 Jahren heizen Menschen im Landkreis Häuser und Wohnungen mit Erdgas, es kommt aus unterirdischen Lagerstätten und besteht hauptsächlich aus Methan.

Erdgas gilt einerseits wegen einer relativ guten CO2-Bilanz als umweltfreundlich, andererseits ist es auch umstritten. Umweltschützer kritisieren das sogenannte Fracking – ein Verfahren, das vor allem in den USA angewendet wird. Und in den Niederlanden, wo die exzessive Förderung von Erdgas zu Erdbeben geführt hat, will man aus dem Geschäft aussteigen. Deshalb könnte das Gasgemisch zum Heizen in Deutschland teurer werden.

Aber eine Zukunft ohne Erdgas, nur aus erneuerbaren Energien? Das kann sich Ruthner nicht vorstellen: „Das ist schon ein weiter Blick in die Kristallkugel“, sagt er. Aber: „Erdgas ist natürlich eine zweischneidige Sache. Man versucht eigentlich, Erdgas, Erdöl und Kohle zurückzudrängen, um CO2 einzusparen.“ Das Problem dabei: Es fehlten die Stunden ohne Sonne und Wind, um nur mit erneuerbaren Energien auszukommen.

Denn: „Vor allem an trüben Wintertagen wollen es die Leute warm zuhause, aber da scheint ja keine Sonne“ – von der Solaranlage auf dem Dach wird das Wohnzimmer oder das Badewasser also nicht warm. Deshalb sei der Landkreis weiter auf konventionelle Heizstoffe wie Erdgas angewiesen, sagt Ruthner. Derzeit versorgen die Stadtwerke und die Erdgasversorgung Erding gemeinsam 4800 Kunden damit, anfangs waren es nur 1700 Kunden.

Künftig künstliches Erdgas?

Im Laufe der Jahrzehnte kam das Erdgas aber nicht nur aus dem Boden via Pipeline nach Erding, sagt Ruthner. In den vergangenen Jahren kamen auch Biogas-Anlagen im Landkreis dazu. Aber: „Von den Biogasanlagen im Erdinger Land speist keine ins Erdgasnetz ein, weil alle direkt Strom daraus erzeugen“, sagt Ruthner. Das eingespeiste Biogas im Netz der Region stamme vor allem von drei Anlagen in Niederbayern und einer im Landkreis Freising.

Ruthner sagt zur Zukunft des Erdgases: „Es wird wohl nicht mehr aus dem Boden kommen, sondern eher künstliches Erdgas sein.“ Wie das funktioniert? Der überflüssige Strom aus Wind- und Solarenergie wird in einem Elektrolyseverfahren in Methan, den hauptsächlichen Bestandteil von Erdgas, umgewandelt. Denn die natürlichen Ressourcen im Acker werden knapper. In den vergangenen Jahrzehnten hat man kein Erdgas mehr in der Region gefunden, so Ruthner. Genauso sieht’s mit Erdöl aus: „An der Therme wurde mal danach gegraben, aber da wurde nichts gefunden – außer die Heilquelle.“

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