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51. Orgelwoche

Start mit einem raumgreifenden Hörerlebnis

Ein Meilenstein in der regionalen Aufführungsgeschichte wurde im Eröffnungskonzert der 51. Erdinger Orgelwoche am Samstagabend in der Stadtpfarrkirche in St. Johannes gesetzt. Unter der Gesamtleitung von Georg Rothenaicher wurde die Missa op. 130 des belgischen Komponisten Joseph Jongen (1873-1953) aus der Taufe gehoben – es war die Erstaufführung des Werks in Bayern.

Erding– Der Komponist, Organist und Musikpädagoge zählt neben César Franck zu den bedeutendsten Tonkünstlern Belgiens. Jongen setzte sich in seinen Arbeiten mit dem Impressionismus und der Romantik auseinander, wobei der Musiker einen eigenen Stil entwickelte, der zum großen Teil in der Schule von César Franck wurzelte. Auch als virtuoser Organist war Jongen bekannt. In Rezensionen wurde sein „kraftvoller Rhythmus und seine Energie“, sowie seine „hervorragende Art der Interpretation und Improvisation“ gelobt.

Ein Meister seines Fachs also, der die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments auslotete, wie in der Missa op. 130 für Chor, Orgel, zwei Trompeten, vier Hörner, drei Posaunen und Tuba zu hören war, interpretiert vom großen Chor der Stadtpfarrkirche, dem Organisten Christoph Schönfelder und dem Ensemble „Bavarian Chamber Brass“.

Der Zuhörer erlebte über die Musik verschiedenste Stimmungen. Die religiöse Musik stellte individuelle Empfindungen überhöht dar, öffnete ein Fenster zur Transzendenz, war somit ein Werk, das mit impressionistischer Tönung in der Romantik fußte: Klangschöne Innigkeit, dramatische Steigerungen, dunkle Verharrung, stilles Innehalten und leuchtende Freude verbanden sich zu einer Gesamtheit. Interessant war die Raumwirkung, die durch die geschickte Vernetzung der Chorstimmen mit den Instrumentalisten entstand. Teils bereiteten Orgel und Bläser die jeweilige Stimmung mit großem Klang vor, zu dem sich zunächst wie von Ferne die Stimmen dazu gesellten, um dann fein aufeinander abgestimmt im Gesamtklang zu verschmelzen.

Teils sorgte schlichter A-capella-Gesang für einen schlanken Klang, der sich mit Orgel und Blasensemble zu einem raumgreifenden Hörerlebnis steigerte.

Richtig krachen ließen es die Mitwirkenden mit John Rutters energiegeladenem „Gloria“, ein rhythmisches und effektvolles Musikspektakel, das in der Kirche versiert mit Percussion (Rudi Bauer), Präzision und Power in Szene gesetzt wurde. Nach dem Konzert gab’s Applaus, Bravo-Rufe und Standing Ovations. Letzeres war auch dem Umstand geschuldet, dass alle Mitwirkenden in luftiger Höh’ um die Orgel herum gruppiert waren, um im Zusammenspiel, ganz Ohr füreinander, die Werke erklingen zu lassen. So standen die Zuhörer auf und klatschten anerkennend in Richtung Empore. 

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